Der Babyelefant zeigt alarmierende Schrumpftendenzen: Was mir gestern an der Supermarktkasse ungeduldig in den Nacken blies, war ein eher schmales Rüsseltierchen. Kann durchaus sein, dass der Babyelefant kein Babyelefant mehr sein will. Er ist in die Babyidentitätskrise gerutscht, als ihm klar wurde, dass er das einzige Viecherl weltweit ist, bei dem die Beschreibung seines infantilen Zustands der Angabe der Spezies vorangereiht ist.

Zwei Babyelefanten im Prager Zoo.
Foto: REUTERS/David W Cerny

Es haben ihm nämlich unlängst sowohl ein Menschenbaby als auch ein Affenbaby den Vogel – einen ausgewachsenen, kein Vogelbaby – gezeigt, als er sie als Babymensch beziehungsweise als Babyaffe ansprach. Seitdem will der infantile Elefant nicht als Babyelefant, sondern als Elefantenbaby identifiziert werden. Nein, das ist nicht das Gleiche. Ein Kanzlerbaby ist ja bitteschön auch kein ... lassen wir das.

Dieses Beispiel kommt übrigens von einem "aufmerksamen Leser". Die Bezeichnung ist meist ein Euphemismus für einen Leserbriefschreiber, der uns bezichtigt, Blödsinn zu verzapfen. "Meinem" aber war bewusst, dass wir, die Medien, auch wenn wir für Menschenmassenansammlungen im Kleinwalsertal sorgen, im Babyelefantenfall gar nichts dafür können. Wir probierten gemeinsam – schriftlich bitte – noch ein paar Dinge aus: Babyspinat, Spinatbaby, Babypause, Pausenbaby etc. Wenn man uns von oben Infantilisierung verordnet, machen wir gehorsam mit! (Gudrun Harrer, 19.5.2020)