Wer sich darum kümmert, kann in Österreich günstig telefonieren und im Netz surfen.

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Die Chancen stehen für den Mobilfunker Hot nicht schlecht. In den kommenden Monaten könnte dem im Jahr 2015 gestarteten Diskonter eine kleine Sensation gelingen – er könnte seine Kundenzahl in Österreich auf über eine Million erhöhen. Gleichzeitig könnte der Marktführer A1 wieder unter die Fünf-Millionen-Kunden-Grenze fallen. Derzeit sind es noch 5,051 Millionen, Ende 2014 waren es noch über 5,4 Millionen Kunden.

Befeuert werden diese Bewegungen auf dem Markt durch wilde Preisschlachten. Besonders der von "3" betriebene Anbieter Lidl Connect hat mit seinen Angeboten den Markt in den vergangenen Monaten durcheinandergewirbelt. Zu seinem ersten Geburtstag bietet er nun 1.900 Min/SMS und 19 GB Daten (inkludiert sind 4,3 GB EU-Roaming) um 8,90 Euro pro Monat an. Damit wird die Konkurrenz unterboten, bisher gab es kein vergleichbares Angebot. So verlangt die A1-Billigschine Yesss 14,99, Euro für 20 GB und 1.900 Min/SMS, bei Hot kosten 30 GB und 1.000 Min/SMS 14,90 Euro.

70.000 SIM-Karten

Mit seinen Kampftarifen konnte Lidl Connect bisher "70.000 SIM-Karten in Umlauf bringen", wie es seitens des Unternehmens zum STANDARD heißt. Bei Hot waren es im Jänner dieses Jahres 930.000, aktuellere Zahlen liegen nicht vor. Die Corona-Pandemie sorgte aber in den vergangenen Wochen für Wachstum, da sich tausende Kunden mal schnell einen Breitbandrouter geholt oder ihren Anbieter gewechselt haben.

Untermieter

Die kommenden Monate und Jahre könnten für Diskonter aufregende Zeiten bringen. Sie haben nämlich eine Achillesferse: Sie sind von den großen Handynetzbetreibern abhängig, da sie deren Mobilfunknetze als Untermieter nutzen. Der Mobilfunker "3" musste 2012 bei der Übernahme seines Konkurrenten Orange sein Handynetz für andere Betreiber öffnen. Zusätzlich stiegen nach der der Übernahme die Handytarife um teilweise bis zu 20 Prozent.

Das ermöglichte den Start von erfolgreichen Newcomern wie Hot, Spusu und anderen, die sich in das Netz von A1, Magenta oder "3" einmieten. Diese Auflage läuft jedoch nach zehn Jahren ab, und in der Branche wird von den Netzbetreibern offen darüber geredet, wie sie die Konkurrenz wieder loswerden könnten. Etwa, dass man kleinere Anbieter kaufen könnte. Die Frage dabei ist, ob das die Wettbewerbsbehörden absegnen würden.

5G bisher kein Vorteil

Das sie den neuen Mobilfunkstandard 5G derzeit exklusiv anbieten, bringt den drei großen Anbietern wenig Vorteile gegenüber den Diskontern. Zwar werden Handys und Router bereits von ihnen verkauft, allerdings sind noch keine flächendeckenden 5G-Netze in Sichtweise. Die dafür notwendigen Funkfrequenzen werden erst in der zweiten Augusthälfte versteigert, danach kann mit dem Aufbau begonnen werden. (Markus Sulzbacher, 2.6.2020)