Innerhalb der "New York Times" kam es nach dem umstrittenen Beitrag zu Protesten, jetzt führt Katie Kingsbury die Meinungsseite kommissarisch.

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New York – Der einflussreiche Chef der Meinungsseite der "New York Times", James Bennet, hat nach einem sehr umstrittenen Gastkommentar mit sofortiger Wirkung gekündigt. Die Forderung eines republikanischen Senators nach Einsatz des Militärs bei den Protesten in den USA hatte innerhalb der Zeitung zu einer Revolte geführt und das Blatt in Erklärungsnot gebracht.

Der Verleger der "New York Times", A.G. Sulzberger, erklärte am Sonntag, die Zeitung sei Bennet für seine Leistung seit Mai 2016 "dankbar". Nun werde die Journalistin Katie Kingsbury die Meinungsseite kommissarisch führen.

Der Brief von A.G. Sulzberger an die Mitarbeiter der "New York Times".

Die "New York Times" hatte am Donnerstag bereits mitgeteilt, der Gastbeitrag von Senator Tom Cotton mit der Überschrift "Schickt die Truppen rein" ("Send In The Troops") entspreche nicht den Standards der Zeitung. Ein "überstürzter redaktioneller Prozess" habe zur Veröffentlichung des Meinungsbeitrags geführt. Die Zeitung berichtete zudem, dass Bennet den Beitrag nicht vor der Veröffentlichung gelesen hatte. Cotton hatte unter anderem geschrieben: "Vor allem eines wird die Ordnung auf unseren Straßen wiederherstellen: eine überwältigende Machtdemonstration, um Gesetzesbrecher zu vertreiben, festzunehmen und schließlich abzuschrecken."

"Philadelphia Inquirer"-Chefredakteur muss gehen

Die Debatte über Polizeigewalt führt auch zu einem Rücktritt beim "Philadelphia Inquirer": Chefredakteur Stan Wischnowski verliert seinen Job wegen der Überschrift "Buildings Matter, Too", also "Gebäude sind auch wichtig". Die Überschrift stand über einer Kolumne in der Zeitung über Plünderungen und Vandalismus im Zusammenhang mit den Anti-Rassismus-Protesten in den USA. Die Zeitung veröffentlichte zwar eine Entschuldigung für die "schrecklich falsche Entscheidung", dennoch gab es innerhalb der Redaktion einen Aufstand. Laut US-Medienberichten kündigten 30 Mitglieder der 210-köpfigen Redaktion Arbeitsniederlegungen an. Wischnowski, der seit 20 Jahren für das Medium tätig ist, musste daraufhin zurücktreten.

Seit fast zwei Wochen kommt es in vielen US-Städten zu Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus. Auslöser war der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota am 25. Mai. Die Proteste arteten anfangs zum Teil in Ausschreitungen und Plünderungen aus. (APA, red, 8.6.2020)