Nur ein Viertel der Beschäftigen in Beherbergungsbetrieben, die im März ihren Job verloren, schaffte bisher die Rückkehr in den Arbeitsmarkt. Vor allem der Städtetourismus ist schwer in der Krise.

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Die Kündigung kam erst telefonisch, dann per Mail. Gut zwei Drittel der Mitarbeiter eines Salzburger Caterers verloren mit März den Job. Als Teilzeitkraft habe sie fast damit rechnen müssen, erzählt eine junge Konditorin. "Dass aber nahezu alle Kollegen davon betroffen waren, darunter viele alleinverdienende Familienväter, war ein Schock."

Sie kochten zuvor jahrelang für Airlines, Fußballspiele und andere Großveranstaltungen auf. Der Ausbruch der Corona-Krise beendete das Geschäft schlagartig. Die Salzburgerin befürchtet, dass die Niederlassung infolge der Turbulenzen gänzlich aufgelassen wird. Ihr selbst erlaubte die Arbeitslosigkeit, ihre kleinen Kinder in der Zeit der Quarantäne zu betreuen. Die Aussichten auf neue Arbeit als Konditorin stünden aber schlecht.

Keine neuen Mitarbeiter

Sie habe seit März nur zwei Teilzeitstellen rund um Salzburg ausfindig machen können. Davon bedingte eine Wochenenddienste, die mit einer Familie nicht vereinbar seien. Die Gastronomie hole sich im besten Fall Stammpersonal zurück. "Was sie sicher nicht braucht, sind neue Mitarbeiter."

Österreichs Arbeitslosigkeit ist aufgrund von Corona im Vergleich zu 2019 desaströs hoch. Zieht man als Vergleich den Höhepunkt der Turbulenzen Mitte April heran, zeichnet sich aber eine langsame, stete Erholung ab. 463.500 Personen waren Ende Juni arbeitslos oder in Schulung. Das sind um 139.300 mehr als vor einem Jahr. Lockerungen der Covid-Maßnahmen und schrittweises Hochfahren der Wirtschaft ließen die Zahl an Arbeitslosen aber innerhalb eines Monats um 54.000 sinken.

Durchwachsen

43 Prozent aller Jobs, die in der zweiten Märzhälfte verloren gingen, konnten mittlerweile durch neue Stellen kompensiert werden, zieht VP-Arbeitsministerin Christine Aschbacher Zwischenbilanz. Sechs von zehn Arbeitnehmern kehrten dabei zu den angestammten Arbeitgebern zurück. Doch während sich die Lage in der Baubranche entspannt, kehrt in Bereichen wie dem Städtetourismus, in Kultur-, Freizeit- und Gastronomiebetrieben nur zögerlich neues Leben zurück. Hier fanden bisher lediglich knapp mehr als ein Viertel der Arbeitnehmer, die Covid-19 die Jobs kostete, neue Stellen.

"Es gibt kein Licht am Ende des Tunnels. Für eine Entwarnung ist es viel zu früh", sagt Gernot Mitter, Experte der Arbeiterkammer. Dass der Arbeitsmarkt nach den Lockerungen funktioniere, sei gut und keine Überraschung. "Alles andere wäre eine Katastrophe gewesen." Aber noch immer gebe es rund 50 Prozent mehr Arbeitslose als vor der Krise und 25 Prozent weniger gemeldete offene Stellen. Nicht zu vergessen seien die mehr als 750.000 Beschäftigten in Kurzarbeit. "Es ist nicht klar, was mit ihnen passiert, wenn die Kurzarbeit im September ausläuft", sagt Mitter. Und er erinnert an viele Jugendliche, denen der Einstieg in den Arbeitsmarkt verwehrt ist: Die Regierung müsse zumindest für ihre Ausbildung sorgen.

Bonus für Lehrlinge

VP-Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck stellt Betrieben, die zwischen Mitte März und Ende Oktober Lehrlinge einstellen, einen Bonus in Höhe von 2000 Euro in Aussicht. Keiner wisse aber, wie stark dieser tatsächlich wirke, gibt der Arbeitsmarktforscher des Wifo, Helmut Mahringer, zu bedenken. "Wir müssen darauf vorbereitet sein, dass eine Lehrstellenlücke aufgehen wird."

Auch er ortet nur partiell Besserung auf dem Arbeitsmarkt, die Lage bleibe trotz aller Bemühungen rund um die Kurzarbeit ernst. "Die Gefahr bei einem plötzlichen Anstieg von Arbeitslosigkeit ist, dass sich ohnehin problematische Strukturen noch weiter verfestigten." Menschen mit geringer Ausbildung, mit hohem Erwerbsalter und gesundheitlichen Einschränkungen werden stärker als bisher aus dem Erwerbsleben fallen.

Staatlich geförderte Jobs umstritten

Einen Ruf nach staatlich geförderten Jobs sieht IHS-Experte Helmut Hofer kritisch. Zum einen seien diese kostspielig. Zum anderen zeigten internationale Erfahrungen, dass sie kaum dauerhafte Arbeitsplätze im nicht-öffentlichen Sektor schaffen. "Es ist eine defensive Maßnahme – und langfristig stigmatisierend."

Hofer lenkt den Blick auch auf die Gruppe der Langzeitarbeitslosen, die in Gefahr liefen, den Anschluss ans Erwerbsleben verlieren. Um diesen Pool nicht ausufern zu lassen, gehöre unter anderem das Personal des Arbeitsmarktservice aufgestockt.

Keine neuen AMS-Jobs

Ein entsprechender Entschluss scheiterte jedoch dieser Tage quasi in letzter Sekunde. Aschbacher forderte einen detaillierten Einsatzplan für 350 zusätzliche Mitarbeiter ein, was zu einer mehrmonatigen Warteschleife führen könnte, wie es hinter den Kulissen heißt. Für Mitter wird hier "am falschen Platz gespart. Das ist ein verheerendes Signal." (Verena Kainrath, 2.7.2020)