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Vor fünf Jahren, am 29. Juli 2015, hat Microsoft Windows 10 an den Start geschickt. Es ist die erste Generation des Desktopsystems, die unter dem neuen Chef Satya Nadella fertiggestellt wurde. Und bisher auch die einzige. Nadella krempelte Microsoft um. Das Selbstverständnis der Firma wandelte sich vom Softwarehaus zum Serviceanbieter. Und als ein solcher Dienst wird nun eben auch Windows betrachtet.

Holpriger Start

Doch der Anfang für Windows 10 war holpriger als erwartet. Obwohl Microsoft allen Nutzern von Windows 7 und 8 offiziell ein Jahr lang – inoffiziell bis heute – den kostenlosen Umstieg ermöglichte, verlief die Nachfrage trotz an sich positiver Kritiken für das System deutlich langsamer als erwartet.

Eine Milliarde Windows 10-Nutzer binnen zwei bis drei Jahren hatte man sich erhofft und dabei auch noch Xbox One-Nutzer mitgezählt, deren Konsolen im Kern mittlerweile auch mit dieser Plattform laufen. Erreicht wurde dieser Meilenstein jedoch erst im vergangenen März.

Foto: Screenshot/Statcounter

Vor allem die hohe Popularität von Windows 7 erwies sich als schwer zu brechen. Erst Anfang 2018 glückte laut den Daten von Statcounter der neuen Generation die Thronfolge. Heute ist Windows 10 die mit Abstand verbreitetste Ausgabe von Windows. Und obwohl Anfang diesen Jahres der Support für Windows 7 vollständig ausgelaufen ist, läuft der Vorgänger nach wie vor auf fast jedem fünften Windows-PC.

Kinderkrankheiten und Update-Probleme

Neben dem Gewohnheitsbonus für Windows 7 und der großen Ablehnung gegen Windows 8 gab es auch direkt bei Windows 10 verhaftete Aspekte, die viele Nutzer wohl vom schnellen Umstieg abgehalten haben. In manchen Bereichen war das System beim Release eher nur halbfertig. Beispielsweise waren allerlei Systemsteuerungsdialoge über die neue Oberfläche noch gar nicht verfügbar. Und von Anfang an wurde die Software auch mit Datenschutzbedenken begleitet, die auch heute immer wieder zu hören sind.

Auch die Zuverlässigkeit von Updates ist ein immer wieder auftauchender Kritikpunkt. Im Rahmen interner Umstellungen verschlankte Microsoft seine Abteilung für Qualitätskontrolle und erhoffte sich, seine Standards mithilfe vermehrt automatisierter Testprozesse sowie dem "Insider"-Programm aufrecht erhalten zu können. Doch auch der fortlaufende Betatest für interessierte User konnte nicht verhindern, dass es regelmäßig zu teils schweren Problemen nach Aktualisierungen kam. Und zwar in der Wahrnehmung der Nutzer deutlich häufiger, als noch bei vorherigen Windows-Ausgaben.

Ein Foto des STANDARD-Tests von Windows 10 nach dem Release im Jahr 2015.
Foto: DER STANDARD/Pichler

Dass all dies nur den Änderungen an den Testprozessen geschuldet ist, wäre allerdings pure Spekulation. Der Funktionsumfang von Windows, das aus Kompatibilitätsgründen auch noch zahlreiche "Altlasten" mitschleppen muss, ist über die Jahre stetig gestiegen. Und mit der Komplexität einer Software steigt natürlich auch das Potenzial für Fehler. Besonders für ein System, das auf PCs und Laptops mit einer schier unendlichen Reihe an Hardwarekombinationen laufen soll.

Verbesserungen

Doch was bringt die Zukunft für das System? Voraussichtlich noch mit dem zweiten großen Updates des Jahres, steht ein größerer Umbau der Systemoberfläche an. Erneuerte Icons, neue Farbschemen für das Startmenü, eine personalisierte Taskleiste und Optimierungen für den Tablet-Modus stehen an.

Und, so berichtet Heise, Microsoft plant wohl auch eine dauerhafte Umstellung seines Update-Prozesses, auch um zu verhindern, dass man große Aktualisierungen lange hinauszögern oder nach dem Release zurückziehen muss, wie es aufgrund kritischer Fehler bereits vorgekommen ist. Schon das letzte (und wiederum mit ein paar Problemen behaftete) Mai-Update war bereits "inhaltlich" vorab verteilt worden und wurde nur noch mit einem kleinen "Aktivierungspatch" ("Enablement Package") freigeschalten, wenn das System als kompatibel erachtet wurde. Mit dem Effekt, dass einige Systeme es bis heute noch nicht erhalten haben, da die Aktualisierung aus verschiedenen Gründen noch nicht für ihren Rechner bereit ist.

Office-Zukunft nur in der Cloud?

Ebenso bereitet der Konzern Änderungen für die Erfassung von Telemetriedaten vor. Das System sammelt diese Informationen, die im Prinzip dokumentieren, wie ein Nutzer sein System verwendet, und überträgt sie anonymisiert an Microsoft, wo diese zwecks Verbesserungen ausgewertet werden. Datenschützer haben diese Datensammlung immer wieder kritisiert. Zumindest Unternehmen sollen nun über einen "Data Processor Service" für die Enterprise-Ausgabe von Windows 10 genau festlegen können, welche Informationen Microsoft verarbeiten darf, um nicht in Konflikt mit der DSGVO zu geraten.

Satya Nadella hat 2014 das Zepter von Steve "Developers, Developers, Developers" Ballmer übernommen.
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Offen ist die Zukunft von Microsofts Office-Produkten. Ob es neben der cloudgestützten Mietausgabe Office 365 künftig weitere Stand-alone-Lösungen wie Office 2019 geben wird, bleibt abzuwarten. Wenn nicht, könnte das wiederum Datenschützer und möglicherweise Kartellwächter auf den Plan rufen. Denn viele Firmen setzen auf Microsofts Office-Lösungen und ihre Mitarbeiter würden für deren Nutzung dann unweigerlich einen Microsoft-Account brauchen.

Xbox SX, Windows 10X, Surface Duo

Spannend wird auch zu beobachten sein, ob der noch heuer anstehende Start der Xbox Series X auch größere Änderungen an Windows mit sich bringen wird. Etwa ob Microsoft dann seinen kommenden Gamestreamingdienst "xCloud" vorinstallieren wird, was bei Konkurrenten wie Sony oder Google, die konkurrenzierende Angebote betreiben, für Unmut sorgen könnte.

Womit allerdings nicht zu rechnen ist, ist eine neue Mobilausgabe von Windows. Mit Windows Phone 7, 8 und Windows Mobile 10 hatte Microsoft einst versucht, eine dritte große Plattform neben Android und iOS zu etablieren, legte damit aber letztendlich einen kostspieligen Bauchfleck hin. Mittlerweile setzte man als deklarierter Serviceanbieter darauf, diese Systeme mit den eigenen Angeboten bestmöglich zu unterstützen. Und mit dem Surface Duo hat man gar ein eigenes Android-Handy mit zwei Bildschirmen in Entwicklung, über das man laut letzten Leaks bald mehr erfahren könnte. Erscheinen wird es aber wohl erst 2022.

In Vorbereitung ist auch Windows 10X, eine überarbeitete Ausgabe von Windows, die sich speziell an Geräte mit mehreren Displays richtet. Darauf muss jedoch noch etwas länger gewartet werden. Ein baldiger Release gilt aber als eher unwahrscheinlich. (gpi, 30.07.2020)