Bisher kannte man in der Antarktis 50 Kaiserpinguin-Kolonien. Nun sind elf weitere dazu gekommen.
Foto: REUTERS/Martin Passingham

Wissenschafter haben auf Satellitenaufnahmen von der Antarktis elf bisher unbekannte Kolonien von Kaiserpinguinen entdeckt. Der Fund bedeutet, dass die Gesamtpopulation der größten Pinguinart um etwa 5 bis 10 Prozent größer ist als gedacht. Demnach ist nun von insgesamt etwa einer halben Million Individuen auszugehen, meinen Forscher. Dies habe wichtige Auswirkungen auf die Zukunft der Art, deren bevorzugter Aufenthaltsort Meereis ist, das allerdings durch den Klimawandel immer mehr schwindet.

Die Karte der Antarktis zeigt die bisher bekannten und neu entdeckten Kaiserpinguin-Kolonien.
Grafik: BAS/ESA

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Die im Fachjournal "Remote Sensing In Ecology And Conservation" präsentierten Ergebnisse beschreiben, wie Bilder von der Satellitenmission Sentinel-2 der Europäischen Weltraumorganisation ESA verwendet wurden, um die Vögel zu lokalisieren. Drei der neuen Kolonien waren zuvor schon identifiziert, aber bis jetzt nicht bestätigt worden. Ihr abgelegener, eisiger Lebensraum macht es den Wissenschaftern normalerweise schwierig, sich einen Überblick über die Bestände zu verschaffen.

Die neu entdeckte Kolonie nahe Ninnis Bank.
Foto: ESA

Während die einzelnen Pinguine zu klein sind, um auf den Satellitenaufnahmen in Erscheinung zu treten, konnte das Team um Peter Fretwell vom British Antarctic Survey (BAS) die neuen Populationen anhand ihrer Hinterlassenschaften erkennen: Der Kot der oft Tausende Tiere umfassenden Kolonien hinterlässt auf dem Eis große braune Flecken, die sich auch vom Weltraum aus nachweisen lassen. Mit den elf zusätzlichen Gruppen kennen Biologen in der gesamten Antarktis nun 61 Kaiserpinguin-Kolonien bzw. etwa 265.500 bis 278.500 Brutpaare.

Die Kolonie in der Yule Bay.
Foto: ESA

... und gefährdeter Lebensraum

Tragischerweise befinden sich die neu entdeckten Kolonien in Gebieten, die auf die vermuteten Auswirkungen des Klimawandels wahrscheinlich sehr empfindlich reagieren, was letztlich darauf hindeutet, dass der Populationsrückgang bei der Art größer sein wird als bisher angenommen, berichten die Forscher in der Studie. "Obwohl es eine gute Nachricht ist, dass wir diese neuen Kolonien gefunden haben, befinden sich die Brutstätten alle an Orten, die laut der jüngsten Modellprojektionen gefährdet sind", sagt Phil Trathan von der BAS.

Auch die Kolonie von Cape Gates verriet sich durch die großflächigen Kotspuren auf dem Eis.
Foto: ESA

"Die Vögel an diesen Standorten gleichen daher wahrscheinlich den Kanarienvögel im Kohlenbergwerken", so der Forscher weiter. Indem die Wissenschafter diese Plätze sorgfältig beobachten, erfahren sie mehr darüber, wie sich der Klimawandel auf diese Region auswirken wird. Erst im Vorjahr zeigten sich Experten besorgt über die nähere Zukunft der Halley-Bay-Kolonie, der zweitgrößten Brutregion der Kaiserpinguine in der Antarktis. (tberg, red, 5.8.2020)