Der exzessive CO2-Ausstoß der Gutverdienenden geht auf Kosten der restlichen, weniger vermögenden Weltbevölkerung.
Foto: Reuters / Hazir Reka

New York – Den Ausstoß klimaschädlicher Abgase kann man zum überwiegenden Großteil den Reichen und Gutverdienern anlasten: Das nach Jahreseinkommen vermögendste Prozent der Weltbevölkerung war zwischen 1990 und 2015 für die Emission von mehr als doppelt so viel Kohlendioxid verantwortlich wie die ärmere Hälfte der Erde. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die Oxfam, ein Verbund verschiedener Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, und das Stockholm Environment Institute nun veröffentlicht haben.

Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich daran in den vergangenen fünf Jahren etwas geändert hat. Im Gegenteil: Folgt die Entwicklung dem langjährigen Trend rund um die Jahrtausendwende, dann dürfte der Anteil der Treibhausgasemissionen durch Reiche sogar noch deutlich gestiegen sein. In den untersuchten 25 Jahren nahm der Kohlendioxidausstoß insgesamt um 60 Prozent zu, der Anstieg der Emissionen aus dem reichsten Prozent war allerdings dreimal so hoch wie der CO2-Zuwachs aus der ärmsten Hälfte.

Kostspieliger Konsumrausch

Eine derartige Konzentration der Kohlenstoffemissionen auf nur wenige Vermögende wirft ein äußerst schlechtes Licht darauf, wie wir bisher mit den Ressourcen der Erde umgegangen sind. Obwohl wir die Welt durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe an den Rand der Klimakatastrophe geführt haben, sei es nicht gelungen, das Leben von Milliarden Menschen nachhaltig zu verbessern, so die Forscher.

Das "Champagnerglas" des globalen Kohlenstoff-Ungleichgewichts.
Grafik: Oxfam

"Das globale Kohlenstoffbudget wurde verschwendet, um Besitz und Einkünfte der ohnehin schon Reichen weiter zu vermehren, anstatt es für die Verbesserung der Situation der übrigen Menschheit einzusetzen", sagt Tim Gore von Oxfam International, Co-Autor der Studie. "Verantwortlich dafür ist eine Politik, die auf Konsumanreize setzt, immerwährendes Wachstum verspricht und die Welt ökonomisch in Gewinner und Verlierer spaltet", ergänzt Ellen Ehmke, Expertin für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland. "Für den Konsumrausch einer reichen Minderheit zahlen die Ärmsten den Preis."

Reiche wie wir

Man darf freilich nicht den Fehler begehen, anzunehmen, dass mit "den Reichen" ausschließlich Milliardäre gemeint sind, die im absoluten Luxus schwelgen: Als reichstes Prozent der Weltbevölkerung galt in der Studie jener Anteil, der jährlich mehr als 100.000 US-Dollar (84.800 Euro) verdiente. Die reichsten zehn Prozent verdienten demnach netto 35.000 US-Dollar (29.700 Euro) oder mehr pro Jahr. Dieses Zehntel – das waren im Durchschnitt 630 Millionen Menschen – verursachte in den 25 Jahren bis 2015 rund 52 Prozent der globalen Emissionen. Zum Vergleich: Das mittlere Nettojahreseinkommen von unselbstständig Erwerbstätigen lag 2015 in Österreich im Mittel bei fast 20.000 Euro.

Die Ergebnisse in Zahlen.
Tabelle: Oxfam

Die in dem Bericht präsentierten Zahlen weisen auch deutlich darauf hin, wo bei der Treibhausgasreduktion tatsächlich anzusetzen ist: Wird nicht entsprechend rasch gehandelt, dauert es nur mehr bis 2033, ehe die Kohlenstoffemissionen der reichsten zehn Prozent der Welt das globale Klima um 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau aufheizen – selbst wenn der gesamte Rest der Welt seinen Treibhausausstoß sofort auf null senken würde, schreiben die Wissenschaftler.

Energiehungriger Verkehr

Als einer der Haupttreiber für die Emissionszuwächse in reichen Ländern gilt der Verkehr. Die Tendenz zu mehr Flugreisen und vor allem zu treibstoffdurstigen SUVs, die zwischen 2010 und 2018 die zweitgrößten Emissionstreiber waren, erwiesen sich dabei als besonders schädlich. "Beim Fliegen geht es jedoch nicht um Menschen, die sich einen Familienurlaub pro Jahr gönnen, sondern um solche Personen, die jeden Monat Langstreckenflüge unternehmen – und das ist eine ziemlich kleine Gruppe", sagt Gore.

Die Studie erschien im Vorfeld der am Dienstag beginnenden 75. UN-Generalversammlung, bei der die Klimakrise und Maßnahmen dagegen ganz oben auf der Tagesordnung stehen. (tberg, 22.9.2020)