Die Doku über Paris Hilton wird im Netz heftig diskutiert.

Foto: AP / Invision / Willy Sanjuan

Paris Hilton ist wieder in den Schlagzeilen. Aber nicht, weil sie in einer neuen Realityshow das so blonde wie verwöhnte Dummchen spielt, wie einst an der Seite von Nicole Ritchie in The Simple Life, wo ihr Millionen beim Scheitern am Alltag des Durchschnittsamerikaners zusehen konnten. Es gibt auch keine neuen Paparazzifotos, die sie ohne Höschen zeigen, keine (gegen ihren Willen) veröffentlichten Sexvideos.

Es ist die Dokumentation This Is Paris der Regisseurin Alexandra Dean, die man auf ihrem Youtube-Kanal seit einigen Tagen kostenlos anschauen kann und die im Netz heftig diskutiert wird. Sie zeigt eine Paris Hilton, wie sie der Öffentlichkeit bisher verborgen blieb.

Die Doku bietet Einblick in den hektischen Alltag einer 39-jährigen Geschäftsfrau, der sich zwischen Fans, Fotoshootings, Presseterminen, Kofferpacken und Business-Lounges auf Airports abspielt. Man sieht, wie die Millionenerbin unter Schlafstörungen und an ihrer Rolle als blonde Influencer-Kunstfigur, die ihr scheinbar aufgezwungen wurde, leidet. Fast wäre man geneigt, Mitleid zu bekommen, gäbe es nicht eine zynisch-relativierende Stimme im Hinterkopf: Die Geschichte vom armen, reichen Mädchen, eingesperrt in einem goldenen Käfig ... Mama und Papa haben mich nie wirklich geliebt, bla, bla, bla. Wie oft haben wir so eine Story nicht schon erzählt bekommen!

Ein Trauma

Doch dann kommt dieser Moment, wo es passiert: Man verspürt echtes Mitleid. Und zwar genau in jenen Minuten, in denen der Spross der Hoteldynastie berichtet, was sie in ihrer Jugend durchmachen musste. Als Teenager steckten die Eltern, Richard Howard und Kathy Hilton, ihre älteste Tochter in die Provo Canyon School in Utah, ein Internat für "schwierige" Kinder.

Paris Hilton berichtet von den gefängnisartigen Zuständen dort, wie Kinder emotional und physisch misshandelt wurden. Sie selbst wurde als Sechzehnjährige für zwanzig Stunden nackt in eine Zelle gesteckt, ohne Essen.

Ein Erlebnis, das sie bis heute traumatisiert und das dazu führte, in die Maske der öffentlichen, offenbar schmerzbefreiten "Paris Hilton" zu schlüpfen, die man aus Boulevard und Trash-TV kennt. Man könnte dies als Erklärung heranziehen, warum sie sich selbst zur Marke machte: um möglichst von niemandem abhängig zu sein, ihr Leben selbst gestalten zu können, weil sie niemandem vertraut. An einer Stelle sagt sie: "Ich kenne eigentlich kaum echte Menschen." Und das ist richtig traurig. (Markus Böhm 23.9.2020)

Die Youtube-Doku "This Is Paris" zeigt die Abgründe im Leben von Paris Hilton.
Paris Hilton