Benoit Paire gab seine Erstrunden-Partie im zweiten Satz wegen Erschöpfung auf.

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Hamburg/Paris – Nicht der erste Auftritt des Griechen Stefanos Tsitsipas, sondern das Coronavirus stand am Mittwoch in Hamburg im Mittelpunkt. Der bereits bei den US Open in New York positiv auf das Virus getestete Franzose Benoit Paire gab seine Erstrunden-Partie gegen den Norweger Casper Ruud beim Stand von 4:6, 0:2 wegen Erschöpfung auf und sorgte danach mit dem Öffentlichmachen weiterer positiver Tests beim Tennisturnier in Hamburg für Aufsehen.

Fragen, Diskussionen, Erklärungen

Paire schon wieder positiv? Und trotzdem bei den European Open am Start? Das sorgte für viele Fragen und heftige Diskussionen. Die Veranstalter um Turnier-Organisatorin Sandra Reichel beriefen extra eine Pressekonferenz mit Turnierarzt Volker Carrero ein, um ein bisschen Licht in den Corona-Dschungel zu bringen. Die wichtigste Erkenntnis: Dass Paire in Hamburg spielte, war absolut in Ordnung und entsprach sämtlichen Regeln des Hygienekonzeptes und des Infektionsgesetzes.

Man müsse zwischen "einem ersten positiven Test und Re-Tests" differenzieren, erklärte Carrero. Da Paire bereits am 28. August kurz vor Beginn der US Open positiv getestet worden sei und sich danach den Regeln entsprechend in Quarantäne befunden habe, handle es sich bei dem Franzosen um einen Re-Test. Und es sei nicht ungewöhnlich, dass bei diesen Re-Tests positive Ergebnisse auftauchen würden.

Auffälliger Re-Test

"Das heißt aber nicht, dass sie infektiös sind. Ein positiver Test bedeutet nicht gleich Infektiosität, sondern nur nachgewiesenes Virusmaterial", erklärte der Mediziner. Paire sei also nie für andere ansteckend gewesen, weshalb das Gesundheitsamt Hamburg-Eimsbüttel nach dem auffälligen Re-Test am Freitag am Samstag auch entschieden habe, dass Paire in Hamburg spielen dürfe. Nach einem weiteren positiven Ergebnis sei ein dritter Test in Hamburg am Dienstag dann negativ gewesen.

"Wir wissen aus anderen Verläufen, dass es immer mal wieder diese Wechsel zwischen negativ, positiv, negativ geben kann. Das ist nicht ungewöhnlich", sagte Carrero.

Nervenaufreibend ist es für die Spieler dennoch. "Ich habe schon gemerkt, dass das für viele Spieler eine psychische Belastung ist", sagte Reichel. "Vor allem auch für die Spieler, die in den USA und in Rom waren, immer ohne Zuschauer, immer in dieser Bubble. Ich glaube, man muss sich auch in die Lage der Spieler versetzen, das ist nicht leicht", sagte die Österreicherin, die auch Turnierdirektorin des WTA-Turniers in Linz ist.

Die Krux mit der Bubble

Paire hatte zuvor in seiner Pressekonferenz einen emotional völlig aufgelösten Eindruck hinterlassen. Nach der Quarantäne in New York sei er sowohl in den USA als auch in Frankreich wie auch zuletzt beim Turnier in Rom negativ getestet worden. Und jetzt auf einmal wieder positiv? Wieder die meiste Zeit im Hotelzimmer? Wieder die Unsicherheit und viele Fragen? "Ich verstehe das alles nicht mehr. Ich bin einfach nur müde, will nur noch nach Hause zu meiner Familie."

Ob er bei den am Sonntag beginnenden French Open in seiner Heimat antreten werde, ließ der Franzose offen. Wenn nicht, werde er seine Saison sofort beenden. "So macht es keinen Spaß", sagte Paire. Das Leben bestehe nicht nur aus Netflix und Playstation, sagte der Franzose mit Blick auf den Zeitvertreib in der Quarantäne.

In Paris hatte es bereits im Vorfeld der French Open die ersten positiven Tests bei Spielerinnen und Spielern aus der Qualifikation gegeben. Einige Profis wurden vom Turnier ausgeschlossen, weil sie in Kontakt zu ihrem positiv getesteten Trainer waren. "Wie das die Veranstalter in Paris handhaben, kann ich nicht sagen", sagte Carrero. Und genau diese Unterschiede zwischen den Turnierorten machen es für die Spieler derzeit so kompliziert. (APA, dpa, 23.9.2020)