Stefan Brennsteiner ist am Ende der bestplatzierte Österreicher.

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Gino Caviezel führte zur Halbzeit.

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Matthias Mayer konnte die schöne Landschaft nicht genießen.

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Sölden – Die österreichischen Skiherren sind mit dem schlechtesten Sölden-Ergebnis der Weltcupgeschichte in die Saison gestartet. Stefan Brennsteiner landete im Riesentorlauf als bester ÖSV-Läufer an der 17. Stelle. Den Sieg beim Gletscher-Auftakt auf dem Rettenbachferner holte sich überraschend der Norweger Lucas Braathen. Zweiter wurde der Schweizer Marco Odermatt (+0,05 Sek.) vor dem zur Halbzeit führenden Gino Caviezel (SUI/0,46) und Alexis Pinturault (FRA/0,49).

Braathen war in seiner Karriere zuvor noch nicht auf dem Weltcup-Podest, der 20-Jährige war vergangene Saison Slalom-Vierter in Kitzbühel und Parallel-Riesentorlauf-Fünfter in Alta Badia. Die weiteren Österreicher im Klassement waren am Sonntag die Speedspezialisten Vincent Kriechmayr als 24. und Matthias Mayer als 25. Roland Leitinger schied nach guter Zwischenzeit im ersten Durchgang mit einem kräftigen Fluch ("Geh schleich di Oida") ebenso aus wie Raphael Haaser. Hoffnung Marco Schwarz verpasste nach einem Fahrfehler als 39. die Entscheidung ebenso wie Feller-Ersatz Thomas Dorner (42.).

Patz 17 für Brennsteiner "viel zu wenig"

Wie schon Tags zuvor beim historischen Minus-Rekord der ÖSV-Damen (Katharina Truppe 15.) schaffte aber auch bei den Herren keiner der ÖSV-Finalisten in der Entscheidung eine Verbesserung, womit der Vorjahres-Tiefpunkt (Feller 12.) nochmals unterboten wurde. Hatte man bisher vom Riesentorlauf als "Baustelle" gesprochen, hat Neo-Coach Michael Pircher in Wirklichkeit wohl eine Mega-Baustelle zu bearbeiten. Er hatte sich zwei Leute in den Top Ten und drei weitere Fahrer in den Top 30 erhofft.

"Platz 17 als bester Österreicher ist natürlich viel zu wenig", sagte Brennsteiner. "Aber ich muss auf mich selbst schauen. Ich habe mich von dem Thema eh schon genug drausbringen lassen", meinte der Salzburger. "Derzeit muss ich halt kleinere Brötchen backen."

Kriechmayr durfte als 24. in seinem ersten RTL seit fast zwei Jahren halbwegs zufrieden sein. "Ich wollte Punkte, das habe ich geschafft", sagte der Oberösterreicher. "Ich wäre aber mit der guten Nummer im zweiten gerne weiter nach vor gefahren." Mayer gab zu: "Mein zweiter Lauf war eindeutig zu verhalten, der erste war angriffiger." Gar nicht in Schwung kam im ersten Durchgang Schwarz.: "Für mich ist es eine Katastrophe".

Braathen angriffslustig

Mit der Sölden-Entscheidung hatte wie im Vorjahr also erneut kein Österreicher etwas zu tun. "Wunderkind" Braathen hingegen griff von Halbzeit-Platz fünf aus bedingungslos an. Am Ende genügte Lucas Pinheiro Braathen, der eine brasilianische Mutter hat und eigentlich Fußballer werden sollte, die zweitbeste Laufzeit hinter dem 23-jährigen Odermatt zum ersten Sieg in seinem erst 23. Weltcuprennen.

Ein neues Siegergesicht: Lucas Braathen.
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"Ein wirklich guter Tag. Es ist unglaublich", jubelte der kommende Seriensieger, der sich mit dem schon im ersten Durchgang ausgeschiedenen Weltcup-Gesamtsieger Aleksander Amodt Kilde ein Appartement teilt. "Offenbar taugt es mir, in Österreich Rennen zu fahren", sagte der Vorjahres-Sechste sowie Slalom-Vierte von Kitzbühel. Den Sölden-Hang bezeichnete er als "brutal". Sein Saisonziel lautet: "Ich möchte so oft wie möglich auf das Podium und mich vorne etablieren."

Landsmann Henrik Kristoffersen halfen auch sieben Kilo Muskelzunahme nicht, um den Sieg des Landsmannes und nächsten Superfahrers aus dem kleinen Norwegen-Team zu verhindern. "Lucas ist groß, kräftig und fit. Chapeau. Eine tolle Fahrt von ihm", gratulierte der von drei auf fünf zurückgefallene RTL-Weltcupsieger. Vorjahresgewinner Alexis Pinturault wurde drei Hundertstel hinter dem Podium Vierter. "Nicht optimal, aber okay", meinte der Franzose. "Lucas ist Wahnsinn, so jung, so stark. Auf ihn müssen wir in dieser Saison schauen.".

Schröcksnadels Freude überwiegt Ärger

Die Rennen in Sölden gingen wegen der Corona-Umstände ohne Zuschauer und mit klar abgegrenzten Personenströmen in Szene. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel lobte den störungsfreien Ablauf: "Die Veranstaltung war wirklich super. Das ist für den Sport gut und für die nachfolgenden Rennen", sagte er. "Mit dem Resultat im Rennen bin ich nicht zufrieden", fügte der 79-Jährige hinzu. Das große Ganze sei an diesem Wochenende aber wichtiger gewesen als die sportlichen Ergebnisse. "Auch wenn ich tauschen könnte, würde ich die gute Organisation dem Sieg vorziehen", so Schröcksnadel.

Fortgesetzt wird die Saison am 13./14. November mit jeweils einem Parallel-Riesentorlauf für Damen und Herren in Lech/Zürs. (APA, red, 18.10.2020)

Endstand:

1. Lucas Braathen (NOR) 2:14,41
2. Marco Odermatt (SUI) +00,05
3. Gino Caviezel (SUI) +00,46
4. Alexis Pinturault (FRA) +00,49
5. Henrik Kristoffersen (NOR) +00,56
Loic Meillard (SUI) +00,56
7. Zan Kranjec (SLO) +00,77
8. Leif Kristian Nestvold-Haugen (NOR) +01,04
9. Thibaut Favrot (FRA) +01,21
10. Luca de Aliprandini (ITA) +01,37
11. Justin Murisier (SUI) +01,38
12. Filip Zubcic (CRO) +01,45
13. Giovanni Borsotti (ITA) +01,67
14. Stefan Luitz (GER) +01,80
15. Alexander Schmid (GER) +01,82
16. Victor Muffat-Jeandet (FRA) +01,95
17. Stefan Brennsteiner (AUT) +01,98
18. Sam Maes (BEL) +02,04
19. Erik Read (CAN) +02,17
20. Daniele Sette (SUI) +02,27
21. Manfred Mölgg (ITA) +02,34
22. Tommy Ford (USA) +02,53
23. Roberto Nani (ITA) +02,62
24. Vincent Kriechmayr (AUT) +02,99
25. Matthias Mayer (AUT) +03,04

26. Mathieu Faivre (FRA) +03,05
27. River Radamus (USA) +03,07
28. Adam Zampa (SVK) +03,46

Ausgeschieden im 2. Durchgang: Fabian Wilkens Solheim (NOR), Ted Ligety (USA)

Stand nach dem ersten Durchgang:

1. Gino Caviezel (SUI) 1:08,13
2. Zan Kranjec (SLO) +0,06
3. Henrik Kristoffersen (NOR) +0,10
4. Alexis Pinturault (FRA) +0,15
5. Lucas Braathen (NOR)+0,24
6. Loic Meillard (SUI) +0,28
7. Marco Odermatt (SUI) +0,31
8. Leif Kristian Nestvold-Haugen (NOR) +0,42
9. Luca de Aliprandini (ITA) +0,57
10. Ted Ligety (USA) +0,77
11. Filip Zubcic (CRO) +0,78
12. Victor Muffat-Jeandet (FRA) +0,87
13. Alexander Schmid (GER) +0,93
14. Thibaut Favrot (FRA) +0,96
15. Tommy Ford (USA) +1,06
Weiter:
18. Stefan Brennsteiner (AUT) +1,40
19. Matthias Mayer (AUT) +1,41
29. Vincent Kriechmayr (AUT) +2,14

Ausgeschieden im 1. Durchgang: Raphael Haaser (AUT), Roland Leitinger (AUT), Aleksander Aamodt Kilde (NOR), Ryan Cochran-Siegle (USA)

Nicht für 2. Durchgang qualifiziert: 39. Marco Schwarz (AUT), 42. Thomas Dorner (AUT)

2. Durchgang:

1. Marco Odermatt (SUI) 1:06,02
2. Lucas Braathen (NOR) +0,02
3. Giovanni Borsotti (ITA) +0,22
4. Stefan Luitz (GER) +0,31
5. Justin Murisier (SUI) +0,42
6. Erik Read (CAN) +0,47
7. Thibaut Favrot (FRA) +0,51
8. Loic Meillard (SUI) +0,54
9. Alexis Pinturault (FRA) +0,60
10. Daniele Sette (SUI) +0,61
11. Sam Maes (BEL) +0,71
12. Gino Caviezel (SUI) /Henrik Kristoffersen (NOR)+0,72
14. Stefan Brennsteiner (AUT) +0,84
15. Leif Kristian Nestvold-Haugen (NOR) 1:06,90 +0,88
Weiter
21. Vincent Kriechmayr (AUT) +1,11
27. Matthias Mayer (AUT) +1,89

Ausgeschieden im 2. Durchgang: Ted Ligety (USA), Fabian Wilkens Solheim (NOR)

Mannschaft Herren (nach einem Rennen):

1. Schweiz 220
2. Norwegen 177
3. Frankreich 99
4. Italien 64
5. Slowenien 36
6. Deutschland 34
7. Österreich 27

Nationencup (2):

1. Schweiz 340
2. Italien 284
3. Norwegen 230
4. Frankreich 148
5. Slowenien 86
6. Österreich 76