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Nur ganz wenige Nachkommen gebären und deren Überleben mit aller Kraft sichern oder einen riesigen Schwung an Nachwuchs in die Welt setzen, damit wenigstens ein paar der Kinder überleben: Beide Fortpflanzungsstrategien haben etwas für sich. Wenn eine Spezies schon am Rande des Aussterbens steht, kann die Variante "Masse statt Klasse" aber im Vorteil sein – zumindest dann, wenn der Mensch die natürliche Auslese einschränkt. So hat eine südamerikanische Froschart, die beinahe ausgestorben wäre, ihre Populationszahl nun binnen kurzer Zeit von 14 auf über 200 erhöht.

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Telmatobius dankoi ist ein sechs Zentimeter kleiner Frosch, der nur in einer nordchilenischen Provinz heimisch ist, nach der er auch benannt wurde: Ranita del Loa, also das Fröschchen von Loa. Bis vor kurzem lebte er dort in kleinen Bächen auf über 2.000 Meter Höhe. Sein Habitat wurde aber durch Raubbau und eine lang anhaltende Dürre sukzessive zerstört, mittlerweile gilt die Art in der Wildnis als ausgestorben. Im August 2019 waren die wohl letzten 14 Exemplare völlig dehydriert in einem kleinen Wasserkanal in der Provinzhauptstadt Calama entdeckt worden – neben 600 verendeten Artgenossen.

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Die lebenden Tiere wurden daraufhin in den Zoo von Santiago de Chile gebracht, um sie aufzupäppeln – laut den Wissenschaftern waren sie am Ende ihrer Kräfte. "Wir mussten die exakten Wasserbedingungen wie im Norden unseres Landes nachbilden, um die Tiere am Leben zu erhalten", sagte die Direktorin des Nationalzoos, Alejandra Montalba.

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Die Mühen haben sich aber gelohnt. Die Tiere fühlten sich so wohl, dass sie inzwischen auch Nachkommen gezeugt haben: 200 Kaulquappen sind bereits aus ihren Eiern geschlüpft. "Heute haben wir großartige Nachrichten für das globale Ökosystem", freute sich Felipe Ward, Chiles Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung, über die kleine Bevölkerungsexplosion. Der sollte sich nun auch bei seinen Amtskollegen für den nächsten Schritt einsetzen: Umweltschützer haben eine Petition an die Regierung gerichtet, das natürliche Habitat des Frosches wiederherzustellen. (red, 25. 10. 2020)