Der schottische Schauspieler wurde als 007 zum Weltstar.

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1988 erhielt Connery einen Oscar als bester Nebendarsteller in "Die Unbestechlichen".

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Connery 1965 mit der französischen Schauspielerin Claudine Auger (1941-2019), die gemeinsam mit ihm in "Thunderball" spielte.

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Auf die Frage, welcher James-Bond-Darsteller der beste war, kann man eigentlich nur in Highlander-Manier antworten: Es kann nur einen geben (so hieß die Tagline des damaligen Films). Und der heißt Sean Connery.

Kein anderer Darsteller vermochte die Qualitäten des britischen Leinwandagenten mit ähnlicher Selbstverständlichkeit zu treffen. Mondän, viril, schlagkräftig, brutal und doch immer eine kleine Spur außerhalb der Rolle, das war Bond nur in seiner ersten Verkörperung durch den 1930 geborenen Schotten. Letzteres ist keine Nebensache, es verlieh dem Part im Dienste ihrer Majestät etwas Ungehöriges. Den Zuschlag hatte Connery 1961 sogar ohne Screentests bekommen. Eine Entscheidung, die kontrovers aufgenommen wurde, denn außerhalb Großbritanniens war der Schauspieler damals noch weitgehend unbekannt.

Sieben Mal Bond

Albert Broccoli und Harry Saltzman hatten jedoch den richtige Riecher. Nach Dr. No, der kommerziell noch nicht ganz so erfolgreich war, kehrt Connery noch sechs Mal als Doppelnull zurück. Und vielleicht mit Ausnahme der letzten, verspäteten Dienstfahrt mit Toupet in Sag Niemals Nie (1983), wusste er seine geheimen Missionen mit der ihm eigenen Mischung aus lässiger Zuversichtlichkeit und kühler Effizienz (die erotischen Ablenkungen mitgerechnet) zu erledigen. Connery selbst betonte immer den Humor, den er als seine Zutat zu Ian Flemings Helden betrachtete.

Die Filmkritiker Pauline Kael schrieb einmal, "Connery wirkt absolut selbstsicher als Mann" wie früher nur Cary Grant. Wenn die Bond-Figur immer auch ein idealisiertes Männerbild ihrer Ära abgibt, dann konnte es in Connerys Umsetzung noch unbekümmert, ungebrochen dominant, um nicht zu sagen: chauvinistisch sein. Mit diesem Hauch Ironie, der dann erst bei Roger Moore zu wuchern begann. Dass man ein Mannsbild zu sehen bekommt, wurde auch entsprechend zelebriert: Man denke nur an das berühmte Bild aus Diamantenfieber, wo Connery mit behaarter Brust in der Badewanne thront. Damit war er auf der selben Höhe von Brigitte Bardot im Bikini.

Bodybuilder, Maurer, Sargpolierer

Als Badehosen-Model gelang Connery auch einst der Anschluss an das Bühnenfach. Er kam aus einfachen Verhältnissen in Edinburgh, sein Vater arbeitete als LKW-Fahrer, seine Mutter war Putzfrau. Mit 15 Jahren verließ er die Schule und schloss sich der Navy an, später wechselten sich bei ihm Jobs wie Maurer, Rettungsschwimmer oder Sargpolierer ab. Auch Bodybuilding war dabei, darüber kam Connery zum Modeln, 1950 repräsentierte er Schottland schließlich beim "Mister Universe"-Wettbewerb. Das öffnete ihm wiederum eine erste Tür in die Londoner Theaterwelt und zur BBC. Requiem for a Heavyweight hieß eine seiner frühen TV-Produktionen.

Das Bond-Franchise war Connerys Katapult für eine lange Weltkarriere, zunächst landete er aber auch den ein oder anderen Bauchfleck bei dem Versuch, aus dem Agentenfach auszubüxen. Ein erster Erfolg gelang ihm unter der Regie von Alfred Hitchcock in Marnie, wobei der Regiefuchs natürlich mit Connerys Starimage spielte. Er ließ ihn ausgerechnet auf eine Tippi Hedren los, die in ihrer Rolle an Kleptomanie und Frigidität laborierte.

Schon viel verwandelter gab er sich in John Boormans mystischem Sci-Fi-Drama Zardoz (1974), der zwar arg floppte, sich aber immerhin zum Kultobjekt mauserte: So verwegen wie als primitivistischer Rebell mit Pferdeschwanz, Schnauzer und Overknee-Stiefel sah Connery nie wieder aus.

Misserfolge

Seine Rollenwahl blieb bis in die 1980er-Jahre hinein von Misserfolgen gezeichnet, hervorhebenswert aus dieser Zeit ist wenig mehr als Terry Gilliams Time Bandits. Erst mit dem Schwertdrama Highlander und Der Name der Rose (beide 1986) vermochte Connery sein Rollenprofil um die Figur des weisen, immer auch augenzwinkernden Mentoren zu erweitern.

Der Part des William von Baskerville in der Umberto-Eco-Adaption erwies sich als stilbildend, Connery reifte in dieser Spätphase seiner Karriere zur gutmütigen Vaterfigur, der das Licht der Aufklärung personifizierte. Für den ähnlich angelegten Part in Brian De Palmas Mafia-Drama The Untouchables wurde er schließlich mit einem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet.

Bis 2005 spielte Connery, ein Publikumsliebling, dem die Jahre nichts anhaben wollten, oft vergleichbare Rollen – in Robin Hood (1991) war sein Auftritt als König Löwenherz eines der Highlights des ganzen Films. Neben dem Film trat der Star auch wiederholt als Verfechter der schottischen Autonomie auf. Als sich das Parlament im Jahr 1999 erstmals neu konstituierte, war er es, den man als Ehrensprecher geladen hatte. Seine Autobiografie nannte er denn auch Being Scot. Im Jahr 2000 wurde Connery zum Ritter geschlagen. Weniger ruhmreich waren alte, von ihm im Playboy getätigte Aussagen, wonach es okay sei, eine Frau zu schlagen. Er hat sich später dafür entschuldigt. Connerys Bemerkung, dass manche altern, andere dafür aber reifen, trifft wohl auch hier zu.

Am Samstag ist Sean Connery im Alter von 90 Jahren auf den Bahamas gestorben. (Dominik Kamalzadeh, 31.10.2020)