17 Prozent des Amazonas-Regenwalds wurden bereits zerstört.

Foto: Reuters Photographer

Es braucht hunderte Jahre, bis ein Regenwald in seiner ganzen Vielfalt heranwächst, aber nur wenige Stunden, um ihn niederzubrennen oder mit Maschinen abzuholzen – für Plantagen, Minen, Kraftwerke und Straßen, die die Industrien mit den Häfen verbinden. Wie kahle braune Flecken sehen die Abholzungen auf Satellitenbildern aus – und sie werden immer größer: Laut Weltbank ging in den letzten dreißig Jahren weltweit eine Fläche an Wald, die größer ist als Südafrika, verloren. Rund 17 Prozent des Amazonas-Regenwaldes wurden in den letzten 50 Jahren zerstört.

Die Entwicklung könnte auch in Zukunft weitergehen. In den nächsten fünf Jahren wollen die Regierungen von fünf Staaten des Amazonas rund 27 Milliarden Dollar in den Ausbau von Straßen investieren, die zu einem Verlust von 2,4 Millionen Hektar Wald führen könnten, heißt es in einem aktuellen Bericht der New York Declaration on Forests (NYDF).

Straßen durch Reservate

In Indonesien schneidet der geplante, mehr als 4.000 Kilometer lange Trans-Papua Highway durch einen Nationalpark und könnte damit den Zugang zu mehr als 50.000 Hektar Minengelände erschließen. Und in Subsahara-Afrika seien Straßen durch mehr als 400 geschützte Reservate geplant oder im Bau, die weitere 1.800 Reservate beschädigen könnten. Weltweit würden Bergbaukonzessionen Flächen von rund 11,9 Millionen Hektar Wald betreffen, heißt es in dem Bericht.

Wo im Amazonas neue Wirtschaftskorridore entstehen sollen.
Foto: The New York Declaration of Forests

Bereits 2014 einigten sich 37 Staaten, 53 Konzerne und mehr als 60 NGOs in der NYDF darauf, die weltweite Abholzung bis 2020 um die Hälfte zu senken und weitere Abholzungen bis 2030 zu stoppen. Dieses Ziel wurde verfehlt, stattdessen steigt die weltweite Abholzung weiter an, kritisieren die 28 Forschungs- und Umweltorganisationen, die in dem NYDF-Bericht Bilanz ziehen. Zwar hätten einige Regierungen und Unternehmen neue Vorschriften für den Schutz der Wälder eingeführt, diese würden aber nur selten umgesetzt.

Neue Jobs und Entwicklung?

In Brasilien schlug Präsident Jair Bolsonaro dieses Jahr einen Gesetzesentwurf vor, der Bergbau und Energieerzeugung künftig auch in von indigenen Menschen bewohnten Gebieten erlauben soll. Und die noch amtierende US-Regierung unter Donald Trump lockerte die Regeln für die Bewertung von Umweltauswirkungen großer Infrastrukturprojekte.

Dabei werden die Infrastrukturprogramme von den Regierungen seit langem als Wirtschafts- und Entwicklungstreiber angepriesen. Sie versprechen neue Jobs, Anbindungen an Ballungsräume, Schulen und Krankenhäuser. Häufig würden die Großprojekte allerdings dazu dienen, zusätzliche Einnahmen für die Eliten des Landes zu generieren, kritisieren die Autoren des Berichts. Die lokale Bevölkerung sei zwar zum Teil an der Abholzung beteiligt, jedoch meist aufgrund wirtschaftlicher Not und fehlender Alternativen.

Auch die lokale Landwirtschaft trägt zur Abholzung bei.
Foto: Reuters/PILAR OLIVARES

Wert der Wälder

Um weitere Abholzung zu vermeiden, sollte laut Forschern der Wert der Wälder in die Entscheidungen miteinfließen, beispielsweise wenn es um den Klimawandel, die Artenvielfalt oder den Schutz vor künftigen Pandemien geht. Zudem müssten die Rechte von indigenen Gruppen und der lokalen Bevölkerung gewahrt werden. (Jakob Pallinger, 21.11.2020)