Sie könnten sich nicht unterschiedlicher inszenieren. Hier Taylor Swift, die in Quarantänezeiten naturverbunden durch die Wälder stapft. Und da der artifizielle Instagram-Star Kim Kardashian, der im Herbst bei David Letterman einen sentimentalen Auftritt hinlegte. Auf eine Sache können sich die beiden amerikanischen Geschäftsfrauen allerdings einigen: Sie flechten sich die Haare zu Zöpfen.

Und nein, nicht zu Hause, um die Haare vor dem Verknoten zu schützen. Taylor Swift lässt auf dem Cover zu ihrem neuen Album "Evermore" einen französischen Zopf über einer karierten Jacke von Stella McCartney baumeln. Und Kardashian trug den knapp hüftlangen Zopf, während sie bei Letterman auf dem Sofa Rede und Antwort stand. Ein ganz neuer Einfall war die Sache allerdings nicht: Ein vergleichbares Flechtwerk hatte Kardashians Stylist Chris Appleton zuvor schon Jennifer Lopez und Ariana Grande verpasst.

Zopf über Karojacke: So bewirbt Taylor Swift ihr aktuelles Album.
Foto: Republic Records via AP
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Die bodenständigen Zöpfe scheinen einen Nerv zu treffen – vielleicht auch weil Greta Thunberg in den vergangenen Jahren Vorarbeit geleistet hat. Die deutsche "Vogue" kommentierte, der simple französische Zopf vermittle "natürliche Unbekümmertheit". Auf Instagram wurden Swifts Zopf und das dazugehörende Überraschungsalbum gleich zur Challenge ausgeweitet: Unter dem Hashtag #evermorechallenge wurden dort bereits einige französische Zöpfe abgelegt.

Spätestens seit Angelina Jolie als Lara Croft in der "Tomb Raider"-Verfilmung bewiesen hat, dass ein Zopf so ziemlich keiner Aktivität im Weg steht, ist allerdings auch klar: Ein französischer Zopf kann ganz bewusst als Täuschungsmanöver eingesetzt werden.

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Das macht ihn bei der Generation Z so beliebt. Influencerinnen wie Marie von Behrens mögen sich brave Zöpfe flechten. Mit Rapunzel, die sich mit ihrer Haarpracht einen Prinzen angelte, haben sie wenig gemein.

Mit braven Zöpfen lässt sich Geld verdienen. Oder auch die Welt verbessern. Das weiß allerdings Greta Thunberg besser. (Anne Feldkamp, 16.12.2020)