Die jährliche Rettung der Welt ist ein Bewegungssport. James Bond, Agent 007 Seiner Majestät von England, ist der berühmteste unter den Schutzengeln, die diesen Planeten vor den Machenschaften größenwahnsinniger Schurken bewahren. Und er ist meistens rasant unterwegs, mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen. Das Auto steht dabei an erster Stelle, denn Bond ist nun einmal auch eines der großen Idole des individualmobilen Zeitalters. Ob er im schnittigen Cabrio das jeweils aktuelle Bond-Girl auslüftet oder ob er mit einem tricktechnisch hochgerüsteten Sportwagen die fiesen Tricks aus dem Wagenrennen in Ben Hur recyclet – Bond gibt immer Gas! Im Lauf der Jahre ist so auch ein veritabler Wagenpark zusammengekommen. Man könnte geradezu eine Kulturgeschichte des britischen Automobil-Designs anhand von Bonds Mobilen schreiben, denn auch beim vierrädrigen Untersatz hielten es die Agenten des Geheimdienstes MI-6 patriotisch.

Das Böse, nein: der Böse ist nirgends im Universum sicher vor Bond. James Bond, wie das große Bild zeigt – Mondrover aus "Diamantenfieber" (1971).
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Aston Martin oder Lotus sind aber nur die bekanntesten jener Marken, mit denen James Bond unterwegs ist. Wobei er beim Aston Martin nicht immer durch die Tür ausstieg, da braucht es ab und zu auch einen Schleudersitz. Während sich der Lotus Esprit S1 in Der Spion, der mich liebte durch Verwandlung in ein U-Boot für höhere amphibische Aufgaben empfahl.

"Moonraker" (1979), 007 in Venedig mit der etwas anderen Gondel.
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Zu diesem Zeitpunkt im Jahr 1977 war das Franchise der jährlichen Bond-Filme aber schon so groß und hatte so enorme globale Strahlkraft, dass auch bei der Wahl der auftretenden Automobile nichts mehr dem Zufall, sondern alles den Marketing-Abteilungen überlassen wurde. Wobei da durchaus noch Platz für ironische Schlenker blieb, denn In tödlicher Mission (1981) greift Bond vorübergehend auf einen gelben 2CV zurück, wird in der stilbildend alternativen französischen Studenten-Schüssel aber keineswegs zur lahmen Ente, sondern hebt richtiggehend ab damit.

Darunter zweimal automobiler Taucheinsatz: Lotus Esprit in "Der Spion, der mich liebte" (1977)...
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Amerikanische Modelle wie der insgesamt als sexuell inspirierend vermarktete Ford Mustang bekamen auch bald ihre Einsatzzeiten, zum Beispiel in Diamantenfieber (1971), wo es zu einem sogenannten Anschlussfehler kam, der unter Bond-Auskennern bis heute gern kolportiert wird: Eine Szene mit einem Mustang in beträchtlicher Seitenlage (die Fahrt auf zwei Rädern beherrscht Bond natürlich mit links) geht in eine Szene mit einem Mustang in beträchtlicher Seitenlage über, nur sind es jetzt die anderen zwei Räder. Solche Feinheiten gehören bei "ewigen" Serien wie der mit James Bond zu den Schmiermitteln. Dass 007 zwischendurch auch Mondfahrzeuge, venezianische Gondeln, ein Spaceshuttle, einen russischen Kampfpanzer oder seltsame Geländedreiräder für seine Zwecke umwidmet, ist hingegen schon fast wieder Routine – und Teil des "Tongue in cheek"-Appeals seiner Persönlichkeit, die für alles andere gut geeignet ist als für Dienst nach Vorschrift.

...und, darauf reflektierend, 30 Jahre später Rinspeed sQuba, optisch basierend auf einem Lotus Elise – nur leider: kein Bond-Einsatz.
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Gentleman-Pilot

Während Sean Connery noch ganz den Flair eines Gentleman-Piloten verströmte, der letztendlich doch auf den schmalen Straßen an der Côte d’Azur am meisten aus seinen Boliden herausholt, hatten seine Nachfolger dann schon eher die Probleme moderner Staugesellschaften: Es ging häufig nicht so sehr um Straßenlage, sondern um Flugeigenschaften. Das Automobil als Projektil ist Fluchtpunkt einer Entwicklung, die es fast schon nicht mehr auf dem Asphalt hält. Und wenn es nicht anders geht, dann muss eben ein modernes Winz-Fahrzeug wie der Ford Ka zum Einsatz kommen, das allerdings – trotz der exotischen Kulisse in Haiti – zu metrosexuell für den Helden selbst ist: Da muss dann eben das diensthabende Bond-Girl hinter das Lenkrad, in Ein Quantum Trost war das Olga Kurylenko.

Ja, sogar ein Spaceshuttle gabs ("Moonraker").
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Mit den Bond-Autos als rollenden Wunderkammern war es da schon eher vorbei, das fahrende Gadget ist im modernen Bond-Zeitalter eher Zitat als Instrument. Und nun stehen die neuen Modelle länger als gedacht in der Garage: Keine Zeit zum Sterben kommt wohl erst mit den nächsten Sommerreifen heraus. (Bert Rebhandl, 31.12.2020)