Hier soll die Pipeline verlaufen.

Die Fortuna in der Ostsee vor Wismar, 30. September.

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Der Bau der Nord-Stream-Pipelines wurde 2005 wurden die Vereinbarungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Präsident Wladimir Putin beschlossen.

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Moskau – Russland kommt mit dem Bau der umstrittenen Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 trotz der US-Sanktionsdrohungen voran. Der Abschnitt des Projekts in deutschen Gewässern sei abgeschlossen, teilte die Pipeline-Gesellschaft am Montag mit. Zuvor hatten Daten des Anbieters Refinitiv gezeigt, dass das russische Schiff "Fortuna", das die Rohre verlegt, die Baustelle in der Ostsee – ein Abschnitt von 2,6 Kilometern – verlassen habe.

Das Schiff ist nun auf der Fahrt zum Hafen in Wismar. Es soll Mitte Jänner den Bau in dänischen Gewässern fortsetzen. Das Schiff hatte Anfang des Monats die Arbeiten an der Pipeline wiederaufgenommen, die russisches Gas nach Westeuropa pumpen soll.

USA zweifeln an Fertigstellung

Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter hat in Bezug darauf erklärt, das Nord-Stream-2-Konsortium mache "eine furchtbar große Sache" um den Bau eines 2,6 Kilometer langen Leitungsabschnitts.

Es handle sich um ein "Rohr, das niemals russisches Gas transportieren werde. Wenn Nord Stream 2 das Projekt wirklich fertigstellen könnte, hätten sie es schon längst getan." Es sei nicht einmal klar, wer den Bau versichere. Das Unternehmen mache dazu keine Angaben.

Maas verteidigt Pipelinebau

Deutschlands Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte am Montag der dpa, die Regierung werde ihre Haltung zu Nord Stream 2 nicht verändern: "Wir brauchen nicht über europäische Souveränität zu reden, wenn darunter verstanden wird, dass wir in Zukunft alles nur noch machen, wie Washington es will."

USA drohen Bau zu verhindern

Den USA ist die Leitung ein Dorn im Auge. Die Regierung des scheidenden Präsidenten Donald Trump wie auch Kongressabgeordnete beider Parteien beklagen, dass sich die Europäer von russischem Erdgas abhängig machen. Gleichzeitig wollen die USA eigenes Erdgas, das mit Tankschiffen geliefert wird, nach Europa verkaufen. Ab einer Entfernung von 2.500 Kilometern ist allerdings der Transport per Pipeline wirtschaftlicher. Auch der designierte Präsident Joe Biden hat in der Vergangenheit das Projekt kritisiert.

Nord Stream 2 ist die zweite Ostsee-Pipeline zwischen Russland und Deutschland und soll russisches Erdgas nach Westeuropa bringen. Hinter dem Projekt steht der russische Staatskonzern Gazprom, der die Hälfte der geplanten Gesamtkosten stemmen soll. Die andere Hälfte finanzieren die europäischen Energieunternehmen Wintershall Dea, OMV, Uniper, Royal Dutch Shell und Engie.

Russland schloss zwar vor Weihnachten Verzögerungen beim Weiterbau des Projektes nicht aus, ging aber wiederholt von der Fertigstellung aus. Das würde Dinge komplizierter machen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow: "Unsere europäischen Partner und wir sind aber daran interessiert, dass dieses Projekt umgesetzt wird." (red, Reuters, 28. 12.2020)