Die relativ kleinwüchsigen Guineapaviane leben nur im äußersten Westen Afrikas. Trotz ihrer geringen Verbreitung gelten sie aber nur als gering gefährdet.
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Ein feines Gehör hat das Team um Julia Fischer vom Deutschen Primatenzentrum bewiesen: Aus dem Studium von Guineapavianen (Papio papio) konnten die Forscher schließen, dass das Gegrunze der Tiere Variationen aufweist. Die individuellen Unterschiede innerhalb derselben sozialen Gruppe sind demnach geringer als die Unterschiede zwischen den sozialen Gruppen. Die Variationen seien zwar nicht so stark, dass man von unterschiedlichen Sprachen sprechen könne – aber doch von erkennbaren Dialekten respektive Soziolekten.

Hintergrund

Kontext der Untersuchung ist die Erforschung der Grundlagen des Spracherwerbs, und dazu gehören auch die evolutionären Wurzeln dieser Fähigkeit. Ob recht nahe mit uns verwandte Tiere vokales Lernen zeigen oder nicht, ist laut Leibniz-Institut für Primatenforschung Gegenstand vieler Debatten.

Guineapaviane seien ein interessantes Modell, um der Frage nachzugehen, ob soziale und akustische Erfahrungen Lautstrukturen prägen. Denn diese Tierart lebt in einer mehrstufigen Gesellschaft. Mehrere Männchen mit dazugehörigen Weibchen und Jungtieren bilden "Parties", und zwei bis drei dieser "Parties" bilden eine "Gang".

Während kameradschaftlicher Interaktionen mit anderen Gruppenmitgliedern stoßen die Männchen tieffrequente Grunzlaute aus, die freundliche Absichten anzeigen. Das Team um Julia Fischer untersuchte die akustische Struktur dieser Grunzlaute und die Gruppenzugehörigkeit der jeweiligen Tiere. Zudem wurde der Verwandtschaftsgrad der Tiere ermittelt. So konnten die Forscher zeigen, dass die Grunzlaute von Männchen, die derselben Gang oder Party – also der selben sozialen Einheit – angehören, einander im Schnitt ähnlicher waren als die Grunzlaute von Männchen verschiedener sozialer Ebenen.

Parallele zu Menschen

Laut der im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B" erschienenen Studie kann die genetische Verwandtschaft die Ähnlichkeit der Grunzlaute nicht erklären. Die Forscher führen den "Akzent" der Paviane daher auf eine einfache Form des vokalen Lernens zurück, bei dem die Hörerfahrung die Produktion von Rufen fördert, die so klingen wie die der anderen Männchen in der Gruppe.

"Menschen machen das auch: Sie passen oft unwillkürlich das Tempo oder ihre Tonlage an, um sich dem Gesprächspartner anzunähern", sagt Fischer. "Diesen Effekt scheinen nichtmenschliche Primaten und Menschen zu teilen. Aber das ist weit davon entfernt, das erste Wort zu lernen – oder eine ganze Sprache zu beherrschen. Wenn man die Evolution von Sprache verstehen will, ist es daher wichtig, zwischen verschiedenen Formen des vokalen Lernens zu unterscheiden." (red, 11. 1. 2021)