Es ist das zweite Impeachmentverfahren gegen Donald Trump, und dieses Mal sind die Anschuldigungen noch gravierender: "Anstiftung zum Aufruhr", so der gerechtfertigte Vorwurf. Fassungslos standen die Beobachter die letzten Wochen vor dem Scherbenhaufen der US-Demokratie. Donald Trump hat das Amt nachhaltig beschädigt. Er trägt eine gravierende Mitschuld an den Geschehnissen der letzten und der möglicherweise noch bevorstehenden Ausschreitungen. Er hat eine politische und eine juristische Abrechnung mit seiner Rolle verdient.

Die Anschuldigungen sind schwerwiegend: Trump soll Mitschuld an den Ausschreitungen der letzten Woche tragen
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Aber es wäre nicht der Kommunikationsprofi Trump, wenn er nicht aus seiner Anklage eine Siegesgeschichte stricken könnte, die seinen Fans voll ins Bild passt. Das Impeachment ist demnach nicht nur die "Fortsetzung der größten Hexenjagd der US-Geschichte", wie Donald Trump selbst sagt, sondern vor allem die Fortsetzung eines Narrativs, auf dem Trump seine Popularität aufgebaut hat: Er sei Opfer des Washingtoner Sumpfes, der seine auf Kosten der Armen und Benachteiligten ergaunerten Privilegien verteidigen will. Die Gauner sitzen in dieser Geschichte im Kapitol und (noch) nicht im Weißen Haus. Die Story funktioniert auch ohne Twitter.

Für eine tatsächliche Verurteilung müssen 17 republikanische Senatoren das Lager wechseln. Das ist weitaus wahrscheinlicher als noch beim ersten Impeachment. Tun sie es aber nicht, werden das die Fans als Freispruch werten. (Manuela Honsig-Erlenburg, 13.1.2021)