Man hatte es sich ja schon so gemütlich gemacht mit ihrer Uniform. Wenn Billie Eilish sich auf dem roten Teppich, der Bühne oder in Musikvideos blicken ließ, dann wählte sie meist weite Baggy Pants, XXL-Shirts, Sneaker. Die körperfern geschnittenen Outfits entwickelten sich zu einer Art Alleinstellungsmerkmal. Irgendwann rissen sich Marken wie Chanel, Gucci oder Burberry darum, die Uniform der mehrfachen Grammy-Gewinnerin mit den grünen Strähnen zu entwerfen. Bestes Beispiel: Anlässlich der diesjährigen Preisverleihung im März ließ sich die Amerikanerin vom Fischerhütchen bis zur Sohle in Gucci einkleiden.

Immer signalisierte Eilish mit ihren legeren Looks: "Ich ziehe an, worin ich mich wohlfühle" oder "Ich lehne die ständige Bewertung und Sexualisierung meines Körpers ab". Für ihre Haltung wurde die Amerikanerin, die schon mit 13 ins Musikbusiness startete und immer wieder Unsicherheiten hinsichtlich ihres Körpers thematisierte, von der Body-Positivity-Bewegung gefeiert. Dabei betonte Eilish stets, dass ihre Botschaft weiter gehe: Egal ob man denn nun den eigenen Körper zeige oder nicht, alle Auftritte seien zu respektieren.

Da war noch alles beim Alten: Billie Eilish trug während der Oscars 2020 grüne Strähnen zu Chanel ...
Foto: AP Photo/John Locher, File
... und heuer anlässlich der Grammy-Verleihung ein Gucci-Outfit.
Foto: Jordan Strauss/Invision/AP

Vielleicht schwang da schon mit, dass die Musikerin sich nicht für immer und ewig auf Baggy Pants und XXL-Shirts festlegen lassen wollte. Und so nutzte Eilish, laut "Forbes" mittlerweile 53 Millionen Dollar schwer, die Anfrage der britischen "Vogue" für eine Neuerfindung ihrer selbst: Warum nicht mal einen klassischen Pin-up-Look ausprobieren?

Der Brite Edward Enningful, der derzeit wahrscheinlich interessanteste "Vogue"-Chef, setzte die Geschichte um – und zeigte nebenbei, dass er Anna Wintours stärkster Konkurrent ist. Die amerikanische "Vogue"-Chefin hatte Eilish im vergangenen Jahr auf ihren Titel gehoben und weitaus weniger Aufmerksamkeit erregt.

In der britischen "Vogue" hingegen posiert die 20-Jährige mit blondiertem Haar, mal in einer Korsage von Gucci, ein anderes Mal in Body und Trenchcoat von Burberry, wie eine moderne Wiedergängerin von Madonna – und sie stellte in den sozialen Netzwerken einen Rekord auf: Ein Beitrag erntete mittlerweile über 20 Millionen Likes.

War ja klar, kommentierten nun jene, die es schon immer besser wussten: Billie Eilish hat anlässlich des neuen Albums dem Druck der Industrie nachgegeben und setzt nun auch auf nackte Haut.

"Ich kann tun, was immer ich möchte", entgegnet Billie Eilish. Und will den Auftritt in der "Vogue" wieder einmal als Botschaft verstanden wissen. "Macht, was ihr wollt, wann immer ihr es wollt." Hartgesottene Fans hören diese Worte nicht zum ersten Mal. (feld, 4.5.2021)