Wie alt bestimmte Tierarten werden können, hängt von einer Reihe von Parametern ab, die bis heute nicht restlos geklärt sind. Eine entscheidende Rolle dürfte die Menge an Energie spielen, die ein Organismus in seinen eigenen Körper steckt – sei es in Form von Wachstum, Instandhaltung oder Reparatur von Schäden.

Forscher gehen davon aus, dass kleinere Tiere im Vergleich zu größeren eine erhöhte Stoffwechselrate und daher eine geringere Lebenserwartung haben, was sich aber nicht in allen Fällen bestätigen lässt: Fledermäuse und viele Vögel etwa sind deutlich langlebiger als Säugetiere vergleichbarer Größe.

Ein anderer Faktor, der die Lebenserwartung senkt, könnte die Fortpflanzung sein, denn Energie, die in den Nachwuchs fließt, fehlt in der Folge für den Körper der Eltern. Tatsächlich werden beispielsweise Siebenschläfer deutlich älter, wenn sie aufgrund ungünstiger Umweltbedingungen mehrere Jahre auf Reproduktion verzichten.

Eine Art Unsterblichkeit

Auf die Dauer ist das freilich keine Lösung: Wer sich nicht fortpflanzt, bringt seine Gene nicht in die nächste Generation und hat daher auch keine Chance, seine Langlebigkeit zu vererben. Einen Ausweg aus dem Dilemma bietet die asexuelle Vermehrung, die im Extremfall sogar eine Art Unsterblichkeit vermitteln kann – siehe Hydra.

Auch Winterschlaf wird oft als lebensverlängernd angesehen: einerseits wegen des geringeren Risikos, währenddessen gefressen zu werden, andererseits aber auch, weil in dieser Zeit der Stoffwechsel drastisch reduziert ist. Allerdings kommt es während der Tiefschlafphasen zu Zell- und Hirnschäden: So hatten Ziesel, die vor dem Winterschlaf den Weg durch ein Labyrinth zu einer Belohnung gelernt hatten, ihn danach vergessen, während eine Kontrollgruppe, die warm und wach gehalten wurde, ihn nach derselben Zeit noch rekonstruieren konnte. Andere Schäden, die im Zuge des Winterschlafs entstehen, werden aber offenbar während der Aufwärmphasen repariert.

Freie Radikale

Vielversprechend ist die Theorie von den freien Radikalen und vom oxidativen Stress: Sie besagt, dass Alterungsprozesse durch eine langsame Anhäufung von freien Radikalen verursacht werden, allen voran von sogenannten reaktiven Sauerstoffverbindungen oder ROS (für reactive oxygen species). Dabei handelt es sich um Zwischenprodukte des Stoffwechsels, die laufend in jeder Zelle entstehen und sie schädigen können.

Zwar gibt es körpereigene Reparaturmechanismen dagegen, aber wenn die freien Radikale zu viel werden, versagen Gegenmaßnahmen des Körpers auf die Dauer. Den Zustand, in dem die Konzentration der freien Radikale erhöht ist und die Gegenmaßnahmen nicht mehr ausreichen, bezeichnet man als oxidativen Stress. Unter anderem könnte die vergleichsweise Langlebigkeit der Vögel damit zusammenhängen: Vögel sammeln in ihren Mitochondrien nämlich deutlich weniger freie Radikale an als Säuger.

Die möglicherweise größte Rolle für Alterungsprozesse spielen Telomere: Das sind Schutzkappen an den Enden der Chromosomen, die bei jeder Zellteilung kürzer werden. Werden sie zu kurz oder sind sie aufgebraucht, können die entsprechenden Gene geschädigt werden, was dazu führt, dass Reparaturmechanismen der Zelle nicht mehr oder nur noch unzureichend aktiv werden.

In der Folge kann die Zelle ihre Funktionen immer schlechter und schließlich gar nicht mehr ausführen. Zwar gibt es auch hier einen Gegenspieler, nämlich das Enzym Telomerase, das die Schutzkappen wieder verlängern kann, doch auch dessen Wirksamkeit lässt im Laufe des Lebens nach.

Der Süßwasserpolyp altert nicht

Der Süßwasserpolyp gehört zu den ganz wenigen Tierarten, die nicht altern.
Foto: Getty Images / iStock / Sinhyu

Der verkörperte Traum vom ewigen Leben? Der nur fünf bis fünfzehn Millimeter große, auch in unseren Gewässern vorkommende Süßwasserpolyp gehört zu den ganz wenigen Tierarten, die nicht altern.

Bert Hobmayer von der Universität Innsbruck arbeitet mit teilweise 60 Jahre alten Linien von Hydra-Klonen, also ungeschlechtlich erzeugten und genetisch mit dem Ausgangstier identen Ablegern. Besonders auffällig ist dabei die enorme Regenerationsfähigkeit der Tiere: Sie verfügen über Stammzellen, die imstande sind, sämtliche Zellen ihres Körpers neu zu bilden. Das und der Umstand, dass sie sich im Labor ausschließlich asexuell durch Knospung vermehren, macht sie praktisch unsterblich.

Tatsächlich haben viele ursprüngliche Tiere, die häufige Phasen ungeschlechtlicher Vermehrung durchlaufen, ungewöhnlich lange Lebensspannen. Ein weiteres Beispiel ist etwa die mit Hydra verwandte Qualle Turritopsis dohrnii, die als "unsterbliche Qualle" Berühmtheit erlangte.

"Es sieht ganz so aus, als würden diese Arten die klassische Theorie des Alterns bestätigen, wonach der Tod das Resultat der sexuellen Fortpflanzung ist", sagt Hobmayer.

Schalen der Islandmuscheln verraten ihr Alter

Die Islandmuschel kann mehrere Hundert Jahre alt werden.
Foto: Erlendur Bogason

Die von den Küsten Nordamerikas bis zur Ostsee verbreitete Islandmuschel kann mehrere Hundert Jahre alt werden. Die Muscheln werden bis zu zwölf Zentimeter groß und sind optisch eher unauffällig, doch weisen ihre Schalen eine Besonderheit auf, die eine genaue Altersbestimmung erlaubt: Ganz ähnlich den Jahresringen von Bäumen bilden sie jährliche Zuwachsstreifen aus, die sich nach entsprechender Behandlung unter dem Mikroskop abzählen lassen.

Den beeindruckenden Altersrekord hält ein auf den Namen Ming getauftes Exemplar, das Wissenschafter 2006 vor der Küste Islands entdeckt haben: Es war 507 Jahre alt.

Da die jährlichen Zuwächse je nach Umweltbedingungen unterschiedlich dick ausfallen, erlauben die Schalen der Islandmuschel auch Rückschlüsse auf das Klima vergangener Jahrhunderte. So ließ sich zeigen, dass sich das Wasser der Nordsee in den letzten 150 Jahren um rund ein Grad Celsius erwärmt hat. In den Schalen enthaltene Isotope und Spurenelemente geben weitere Auskünfte: Unter anderem ist darin die seit den 1960er-Jahren gestiegene Verwendung fossiler Brennstoffe dokumentiert.

Riesenschwamm ist ältestes Lebewesen der Welt

Als ältestes bekanntes Lebewesen der Welt gilt der Riesenschwamm Anoxycalyx joubini.
Foto: Picturedesk.com / Minden Pictures / Norbert Wu

Als ältestes bekanntes Lebewesen der Welt gilt der Riesenschwamm Anoxycalyx joubini: Deutsche Forscher haben für ein zwei Meter großes Exemplar anhand seines Sauerstoffverbrauchs ein Alter von mehr als 10.000 Jahren errechnet.

Die sessilen Tiere leben auf dem Grund des Antarktischen Ozeans und haben in etwa die Form eines Vulkans, weshalb sie im Englischen auch Volcano Sponge genannt werden. Sie können einen Durchmesser von einem Meter und eine Höhe von zwei Metern erreichen. Das entsprechende Wachstum kann unterschiedlich schnell verlaufen.

Paul Dayton von der University of California in San Diego, der die Schwämme auf einer Untersuchungsfläche im antarktischen Rossmeer seit den 1960er-Jahren untersucht, stellte dabei fest, dass sie von 1967 bis 1989 gar nicht wuchsen, während sie vermutlich um die Jahrtausendwende herum plötzlich enorm zulegten.

Auslöser dürfte eine Änderung des Nahrungsangebots gewesen sein: Zu dieser Zeit gelangten aufgrund von Eisverschiebungen vorwiegend winzige Planktonorganismen zu den Schwämmen, und nur diese können sie aufnehmen und verdauen.

Erbgut für langes Leben bei Termitenköniginnen

Die Termitenkönigin hat eine deutlich längere Lebensspanne.
Foto: Getty Images / iStock / Atelopus

Termiten gehören zu den staatenbildenden Insekten. Als solche haben sie eine Königin, die allein für die Fortpflanzung zuständig ist. Sie zeichnet sich durch einen prall mit Eiern gefüllten Hinterleib aus, durch den sie mehrere Zentimeter lang werden kann, während das "gemeine Volk" gewöhnlich nur ein paar Millimeter misst.

Die Königin hat auch eine deutlich längere Lebensspanne: Besonders ausgeprägt ist der Unterschied bei der Art Macrotermes bellicosus: Ihre Königin (und ihr König) werden mehr als 20 Jahre alt, die Arbeiter dagegen nur zwei bis drei Monate. Dabei legt die Königin ununterbrochen Eier: 20.000 am Tag – ein Umstand, der ihr Leben eigentlich verkürzen sollte.

Deutsche Forscher der Universität Freiburg fanden heraus, dass für die unterschiedlichen Lebensspannen möglicherweise Unterschiede im Erbgut verantwortlich sind: Beim Königspaar sind nämlich potenziell schädliche DNA-Abschnitte, die sogenannten Transposons, stillgelegt, die sich in den Zellen der Arbeiterinnen im Lauf der Zeit anhäufen und zu deren Alterung führen, was auch von anderen Arten bekannt ist.

Grönlandwale können mehr als 200 Jahre alt werden

Grönlandwale leben in arktischen Gewässern.
Foto: Getty Images / iStock / Denis Scott

Mit einer Körperlänge von bis zu 18 Metern und einem Gewicht von an die 100 Tonnen gehört der Grönlandwald zu den größten Walen der Welt. Die Tiere erreichen ihre volle Körpergröße erst mit einem Alter von 40 bis 50 Jahren und können offenbar sehr alt werden: An der Scripps Institution of Oceanography in Kalifornien ergab die chemische Analyse von 48 tiefgefrorenen Augäpfeln von Grönlandwalen, die von 1978 bis 1997 bei der Jagd getötet worden waren, für drei Exemplare ein Alter von deutlich mehr als 100 Jahren und für ein Individuum sogar von 211 Jahren.

Eine andere Untersuchung von Grönlandwalen, die in den 1990er-Jahren erlegt worden waren, brachte die Spitzen von Steinharpunen zutage, die im Fleisch der Tiere eingewachsen waren. Da solche Harpunen seit 1860 kaum noch verwendet wurden, dürften auch diese Wale mehr als hundert Jahre alt geworden sein.

Grönlandwale leben das ganze Jahr über in arktischen Gewässern und wurden schon ab dem 17. Jahrhundert intensiv bejagt. Wegen der dicken Fettschicht und der langen Barten waren sie kommerziell sehr wertvoll. Heute gilt die Art als gefährdet.

Fledermäuse kennen keine Altersschwäche

Die Bechsteinfledermäuse weisen im Alter keine erhöhte Sterblichkeit auf.
Foto: Getty Images / iStock / Michel Viard

In absoluten Zahlen gemessen gehören Fledermäuse nicht zu den Rekordhaltern an Lebenserwartung – bezogen auf ihre Körpergröße sind sie jedoch die langlebigsten Säugetiere: 20 Jahre und mehr sind keine Seltenheit.

Die älteste je gefangene Fledermaus war eine rund sieben Gramm schwere Große Bart- oder Brandtfledermaus (Myotis brandtii) mit 41 Jahren – das ist rund zehnmal so alt, als ihre Größe erwarten ließe.

Und nicht nur das: Die Tiere altern auch kaum. Forscher der deutschen Universität Greifswald untersuchten 20 Jahre lang eine Population von Bechsteinfledermäusen (Myotis bechsteinii) in den Wäldern Würzburgs, einer Art, für die ein maximales Lebensalter von 21 Jahren nachgewiesen ist. Dabei fanden sie heraus, dass die Tiere im Alter keine erhöhte Sterblichkeit aufweisen. Natürlich fallen sie Fressfeinden oder Unfällen zum Opfer, aber Anzeichen von Altersschwäche fanden die Wissenschafter nicht.

Woran das liegt, ist bislang nicht ganz geklärt. Vor allem die Gattung der Mausohrfledermäuse (Myotis) scheint jedoch spezielle Reparaturgene zu besitzen, die Schäden an den Chromosomen verhindern.

Laysanalbatros ist ältester Wildvogel

Das Laysanalbatrossweibchen Wisdom ist über 70 Jahre alt.
Foto: Imago / Nature Picture Library

Auf den Hawaii-Inseln lebt der älteste bekannte Wildvogel der Welt: ein Weibchen des Laysanalbatrosses, das unter dem Namen Wisdom bekannt wurde. Sie wurde 1956 beringt, als sie das erste Mal brütete. Da Albatrosse aber frühestens mit fünf Jahren geschlechtsreif werden, muss sie mittlerweile mindestens 70 Jahre alt sein.

Altersschwach ist sie aber keineswegs – im Gegenteil: Erst im vergangenen Februar hat sie wieder erfolgreich ein Ei ausgebrütet. Die Aufzucht von Nachwuchs bei Albatrossen ist sehr aufwendig: Sie dauert rund sieben Monate und erfordert die Zusammenarbeit zweier Partner. Deshalb produzieren die Vögel höchstens ein Junges pro Brutsaison und brüten gewöhnlich nicht jedes Jahr. Ornithologen schätzen, dass Wisdom im Lauf ihres Lebens mehr als 30 Junge hervorgebracht hat. Da Albatrosse monogam sind, dürfte sie dabei auch den einen oder anderen Partner überlebt haben. Mit dem jetzigen, Akeakamai, ist Wisdom seit 2006 liiert.

Auch wenn Wisdom den Rekord hält: Es gibt mehrere dokumentierte Fälle von Albatrossen, die im Alter von 50 oder 60 Jahren noch problemlos brüten.

Riesenschildkröte zählt zu langlebigsten Reptilien

Die älteste bekannte Seychellen-Riesenschildkröte und möglicherweise das älteste lebende Reptil der Welt ist übrigens ein Männchen namens Jonathan.
Foto: Imago / Westend61

Der älteste Bewohner des Tiergartens Schönbrunn in Wien ist Schurli, eine männliche Aldabra- oder Seychellen-Riesenschildkröte: Er ist mindestens 120 Jahre alt und lebt seit 1953 im Wiener Zoo. Gesellschaft leisten ihm Menschik, ein weiteres Männchen, und das Weibchen Mädi.

Die am Land lebende Art kam ursprünglich nur auf dem Aldabra-Atoll im Indischen Ozean vor, wurde aber durch den Menschen auch auf andere Inseln der Seychellen verbreitet.

Seefahrer, die die bis zu 250 Kilogramm schweren Tiere im 17. Jahrhundert auf ihrem Weg nach Indien entdeckten, sahen in ihnen eine willkommene Ergänzung ihres Speiseplans: Entweder schlachteten sie sie an Ort und Stelle oder nahmen sie als lebenden Vorrat auf ihre Schiffe mit. Im 18. Jahrhundert waren die ursprünglich großen Bestände nahezu ausgerottet. Heute gibt es auf Aldabra wieder rund 150.000 Tiere.

Die älteste bekannte Seychellen-Riesenschildkröte und möglicherweise das älteste lebende Reptil der Welt ist übrigens ein Männchen namens Jonathan, das auf der Atlantikinsel St. Helena lebt: Er soll 189 Jahre alt sein. Eine bereits verstorbene Riesenschildkröte wurde über 200 Jahre alt. (Susanne Strnadl, 28.5.2021)