Ist das ein Regenbogen hinter Gabalier?

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Der Manderl-Weiberl-Sager von 2015 hängt immer noch wie eine dunkle Wolke über Andreas Gabalier. Dabei betonte der Volks-Rock-’n’-Roller mehrfach, auch gegenüber dem STANDARD, dass er "auf keinen Fall irgendwelche Minderheiten beleidigen" wollte, als er meinte, man habe es heute als Hete schwer. Eigentlich hat er ja nix gegen Homos. Gut, das kann jetzt wirklich jeder behaupten.

Verbindlicher wirkt es, wenn man es auch singt, wie Gabalier es in seinem brandneuen Liadl Liebeleben tut. Der Refrain: "Ob Frau und Mann oder Mann und Mann oder zwei Mädchen dann irgendwann / wenn der Forrest Gump nimma laufen kann / ist es Liebe ..."

Andreas Gabalier

Warum nach Gabalier Liebe erst entstehungsfähig ist, wenn der Forrest Gump nicht mehr laufen kann und warum sich zwar Männer untereinander herzen, Frauen aber nur der lesbischen Liebe frönen dürfen, wenn sie Mädchen sind, bleibt im Dunkeln. Aber so genau muss man es jetzt auch wieder nicht nehmen. Die Botschaft ist jedenfalls glasklar: Love is love.

Pinkwashing

Jeden Juni kämpft die LGBTQIA-Community in Form von Demonstrationen und Festen für mehr Sichtbarkeit und macht auf immer noch bestehende Benachteiligungen aufmerksam. Der sogenannte Pride Month wird aber auch gerne von Firmen, Institutionen oder Einzelpersonen genutzt, um einmal im Jahr die Regenbogenfahne zu schwenken und sich öffentlich als fortschrittlich zu inszenieren. Diese Praxis nennt man Pinkwashing.

Den Verdacht, dass auch Gabalier den Pride Month für die Veröffentlichung seines Toleranzlieds nützt, um sich von seinen "Ausrutschern" reinzuwaschen und neue Hörer und Hörerinnen zu erreichen, wird man wohl noch in den Raum stellen dürfen.

Vielleicht tun wir Gabalier aber auch unrecht, und er mausert sich gerade zum LGBTQIA-Ally. Zumindest optisch hat der "Mountain Man" (perfekter Grindr-Username eigentlich) in seinen strammen Lederhosen, Muskelshirts und campen Capes eigentlich immer schon besser auf eine Pride als auf die Alm gepasst. (Amira Ben Saoud, 4.6.2021)