Die Nachfrage nach Rohstoffen wie Kupfer treibt die Preise an.

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Holz, Stahl, Bitumen – am Bau explodieren wegen steigender Rohstoffpreise die Kosten. Dabei sind Baustoffe längst nicht die einzigen Materialien, die immer teurer werden. Während der starke Preisanstieg am derzeitigen Boom der Bauwirtschaft liegt, bestimmen längerfristig Digitalisierung und die grüne Wende bei der Energieerzeugung die weltweite Nachfrage nach Rohstoffen.

Photovoltaikanlagen brauchen Silizium, Autobatterien Lithium und Kobalt, die Netzinfrastruktur braucht massenhaft Kupfer. Schlüsselzutaten für den grünen und digitalen Umbau der Wirtschaft werden immer teurer. Auch die weltweiten Transportkosten steigen.

Die Förderung von Öl und Kohle ist derzeit noch viel lukrativer als der Abbau von seltenen Erden und anderen Metallen. Das dürfte aber nicht so bleiben, glaubt man der Internationalen Energieagentur (IEA). Immer mehr Länder wollen weg von klimaschädlichen Energieträgern, die Nachfrage nach Schlüsselrohstoffen soll bis 2040 deutlich ansteigen.

Noch dazu haben sich im vergangenen Jahr einige Länder – darunter die EU, die USA und China – für höhere Klimaziele ausgesprochen. Wobei in vielen Fällen noch nicht klar ist, wie genau die Staaten die Netto-Null erreichen wollen. Als sicher gilt: Ohne erneuerbare Energien wird es nicht gehen – und auch nicht ohne eine umfassende Verkehrswende. Sowohl für die Herstellung von Photovoltaikanlagen, aber auch für den Bau von E-Autos dürfte die Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen explodieren, wie diese Grafik verdeutlicht. Die dunkelgrünen Balken zeigen die Nachfrage nach den Rohstoffen im Vorjahr; die hellgrünen Balken stellen eine Prognose für das Jahr 2040 dar.

Und auch die zunehmende Digitalisierung wirkt sich auf den Rohstoffmarkt aus. Das hat weitreichende Konsequenzen. Viele Rohstoffe sind knapp, was sich bei steigender Nachfrage auf die Preise auswirken dürfte.

Kobalt etwa, das für die Herstellung von wiederaufladbaren Batterien eingesetzt wird, hat in den vergangenen Jahren einige Preisrallyes durchgemacht. Das könnte sich künftig allerdings ändern. Tesla und einige andere E-Auto-Bauer haben angekündigt, den Akkubau umzustellen – sie wollen künftig ohne Kobalt auskommen.

Wirtschaftspolitisch spielt die grüne Wende unter anderem China in die Hände, das etwa reich an seltenen Erden ist. Laut Experten werden weltweit 80 Prozent der für Lithium-Ionen-Batterien benötigten Rohstoffe von chinesischen Unternehmen abgebaut. Europa hingegen ist arm an fast allen natürlichen Zutaten für die Energiewende.

Bauboom treibt Preise nach oben

Darüber hinaus haben offenbar im Pandemiejahr viele die Sehnsucht nach einem Eigenheim entdeckt. Die Baubranche boomt – und mit ihr steigen die Preise, wie der Baukostenindex der Statistik Austria verdeutlicht. Dieser zeigt die Entwicklung der Kosten, die den Bauunternehmern bei der Ausführung von Bauleistungen durch Veränderung der Kostengrundlagen – sowohl bei Material als auch bei Arbeit – entstehen.

Dass die Baukosten derzeit besonders hoch sind, zeigt auch eine Mitte Juni veröffentlichte Analyse der Bank Austria. Dieser zufolge wurde Stahl im österreichischen Großhandel im April im Vergleich zum Vorjahresmonat um 37 Prozent teurer, Schnittholz und Holzplatten um elf Prozent.

Der Boom dürfte anhalten: Der Studie zufolge wurden in Österreich im Vorjahr rund 72.000 Neubauwohnungen errichtetet, für 2021 erwarten Branchenbeobachter ähnlich hohe Neubauzahlen. Zudem wurden im Rahmen der Corona-Krise zahlreiche Förderungen vergeben, die an ökologische Standards gebunden sind. Die nun ausgeschütteten Gelder könnte die Entwicklung weiter vorantreiben.

Grafik: STANDARD

Auch in Deutschland sind die Preise für Baustoffe empfindlich gestiegen. Metallische Sekundärrohstoffe aus Eisen-, Stahl- und Aluminiumschrott wurden im Vergleich zum Vorjahresmonat um knapp 70 Prozent teurer. Die Preise für gesägtes und gehobeltes Holz stiegen um knapp 40 Prozent, wie deutsche Sstatistikamt vor wenigen Tagen mitteilte.

Doch nicht nur die gestiegenen Preise könnten Häuslbauern einen Strich durch die Rechnung machen: Aufgrund der massiv gestiegenen Nachfrage kommt es laut deutschen Branchenvertretern bereits zu Lieferengpässen bei Kunststoff, Holz und Stahl. (Sebastian Kienzl, Fatih Aydogdu, Nora Laufer, Aloysius Widmann, 29.6.2021)