Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Die Designerin Phoebe Philo kehrt mit einem eigenen Label ins Modebusiness zurück, der Luxuskonzern LVMH wird eine Minderheitsbeteiligung an der Marke haben. Gegenüber dem Branchenblatt "Women's Wear Daily" (WWD) kündigte die Britin Kleidung und Accessoires "in außergewöhnlicher Qualität und außergewöhnlichem Design" an. Details sollen im Januar 2022 folgen.

Damit bestätigen sich Gerüchte, die sich bereits im vergangenen Jahr verdichtet hatten. Die britische, 1973 in Paris geborene Modedesignerin war Ende 2017 beim Modehaus Celine ausgestiegen. Seither hatte sich die öffentlichkeitsscheue Designerin, die schon immer ungern Interviews gegeben hatte, weitestgehend zurückgezogen. Immer wieder war über eine Rückkehr von Phoebe Philo spekuliert worden. Doch weder wechselte sie zu Burberry noch nach Karl Lagerfelds Tod zu Chanel, auch bei Alaïa wurde unlängst eine andere Lösung gefunden.

Designerin mit treuen Fans

Warum über Phoebe Philo so viel geredet wurde? Die Designerin hatte vor allem während ihres knapp zehnjährigen Engagements (von Herbst 2008 bis Ende 2017) für Céline (heute Celine) einen modernen Minimalismus entwickelt, mit dem sie eine ganze Generation an Kundinnen begeisterte.

Philo bewies in den 2010er-Jahren mit ihren lässigen Entwürfen eine besondere Nase für den Zeitgeist. Sie baute bei dem Tochterunternehmen des französischen Konzerns LVMH das lukrative Accessoiregeschäft aus, entwickelte It-Bags wie die Céline Trapeze Bag. Sie war auch die Erste, die mit Fell ausgelegte Schlapfen entwarf, das Schuhmodell ahmten später unzählige Firmen nach. Und sie engagierte ungewöhnliche Frauen wie die Intellektuelle Joan Didion, damals 80, für ihre Kampagnen. Die Mutter dreier Kinder, deren Lebensmittelpunkt immer London blieb, setzte für die französische Marke außerdem ein Studio an der Themse durch, um Job und Familie besser vereinbaren zu können.

Rollkragenpullover und weiße Sneakers: Die Designerin Phoebe Philo, hier im März 2011 nach einer Céline-Show, war immer auch ein modisches Role-Model für ihre Kundinnen.
Foto: CANY / Action Press / picturedesk.com

Bernard Arnault, Chef des Luxuskonzerns LVMH, bezeichnete sie als "eine der talentiertesten Designerinnen unserer Zeit". Kein Wunder, Philos Gespür für den Zeitgeist schlug sich in den Zahlen nieder: Zwischen 2010 und 2017 wurde der Jahresumsatz des Modehauses Celine von 200 Millionen Euro auf über 700 Millionen Euro gesteigert. Und das, obwohl sich das französische Haus lange dem Online-Handel und Social-Media-Plattformen wie Instagram verweigert hatte.

Ob Phoebe Philo mit ihrem eigenen Unternehmen an die minimalistische Ästhetik ihrer Ära bei Celine anknüpfen wird, bleibt ungewiss. Schließlich hatte die Designerin während ihrer Arbeit für das Modehaus Chloé (dort arbeitete sie ab 1997 mit Stella McCartney, 2001 wurde sie deren Nachfolgerin) eine verspieltere Designhandschrift verfolgt.

Auch die Ausrichtung der Marke bleibt unklar: Besonders spannend wird, wie die Designerin nach ihrer fünfjährigen Abstinenz im Modebusiness mit Themen wie Nachhaltigkeit, dem Online-Handel und Social-Media-Plattformen wie Instagram umgehen wird. (feld, 12.7.2021)