Eric Clapton teilt seine Ansichten zur Covid-Impfpflicht für Konzertbesucher in Großbritannien im Telegram-Chanel eines Covid-Skeptikers.

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Wenn man reich und berühmt ist, hat man eine Reihe von Privilegien. Man kann immer die Marken-Cornflakes im Supermarkt kaufen. Man hat Personal, das einem die Socken zusammenlegt. Man kann jeden Tag sein Lieblingsessen bestellen und dem Lieferanten ein extragroßes Trinkgeld geben. In dieser Woche zeigt der "Prominente Platz", wie große Stars ihre Privilegien einsetzen.

Prinz Harry veröffentlicht Memoiren

Prinz Harry hat Anfang der Woche angekündigt, im nächsten Jahr seine Memoiren zu veröffentlichen – im reifen Alter von 36 Jahren. Laut einer Pressemitteilung will Harry den Menschen eine "Darstellung meines Lebens aus erster Hand" bieten, die "akkurat und völlig ehrlich" sein soll.

"Ein privilegierter Typ schreibt ein Buch. What else is new?", denken Sie jetzt, und die halbe Bestsellerliste kriegt Schluckauf, weil sie sich von dieser Beschreibung angesprochen fühlt. Außerdem haben Illustrierte nicht nur in Großbritannien, sondern auch in Österreich seit Jahrzehnten jedes Lebensereignis der englischen Royals beleuchtet. Picknicks, Pferderennen, Hochzeiten, Scheidungen: Werfen Sie einen Blick in eine beliebige Trafik, und Sie entdecken, dass jedes Zwinkern der Queen und jeder Pups ihrer Corgis intensiver analysiert wird als so manche Uno-Generalversammlung. Spannend könnten Harrys Memoiren dennoch werden – wenn er es schafft, tatsächlich völlig ehrlich auf sein Leben zurückzublicken.

Prinz Harry war zwölf Jahre alt, als seine Mutter Prinzessin Diana bei einem Autounfall gestorben ist.
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Auf folgende Fragen hätte ich etwa gerne Antworten: Warum trug er damals bei einer Kostümparty ein Nazi-Kostüm? Wenn ihn der Rummel um seine Person so sehr stört, warum zieht er sich nicht komplett zurück und führt das Leben eines superreichen Prinzen ohne Verpflichtungen? Aber auch: Wie übersteht man es, wenn jedes Ereignis im eigenen Leben öffentlich gemacht wird – sogar die kindliche Trauer um die eigene Mutter?

Jeff Bezos' Ex-Frau MacKenzie spendet, statt Astronautin zu spielen

Nicht wenige werden sich ihre Prinz-Harry-Memoiren-Ausgabe über Amazon bestellen. Damit leisten sie ihren Beitrag dazu, dass Jeff Bezos bald wieder ins All fliegen darf, während er kaum Steuern zahlt und seine Mitarbeiter unter härtesten Bedingungen arbeiten. Denn der Amazon-Chef kann zwar mit einer penisförmigen Rakete ganz, ganz hoch fliegen, aber an grundlegendem Arbeitsrecht scheitert er.

Doch nicht jede Person, die superreich ist, verhält sich automatisch wie ein James-Bond-Bösewicht. Bezos' Exfrau MacKenzie Scott hat sich etwa für einen anderen Umgang mit ihrem Geld entschieden. Sie ist nach der Scheidung von "Selbst alles Geld der Welt lässt dich nicht automatisch cool mit einem Cowboyhut aussehen"-Bezos eine der reichsten Frauen der Welt geworden.

Spannenderweise hat sie sich nach der Trennung nicht entschlossen, mit einer Raumschiff-Vulva ihrem Ex-Partner in großen Höhen Konkurrenz zu machen. Stattdessen hatte Scott eine schier revolutionäre Einsicht: Es gibt genug Probleme auf der Erde, die sich mit einem Bruchteil ihres Megavermögens lösen lassen. Scott spendet also. Insgesamt 286 Hilfsorganisationen erhalten Geld von ihr. Denn, so schreibt Scott auf ihrem Blog: Unverhältnismäßig großes Vermögen sollte nicht in wenigen Händen liegen. Diese Erkenntnis teilt sie sogar kostenlos.

Eric Clapton will bei Publikumsimpfpflicht nicht auftreten

Apropos reiche Männer, die die Realität nicht mehr spüren: Musiker Eric Clapton hat angekündigt, nicht in Stätten aufzutreten, die vom Publikum einen Impfnachweis verlangen. Die britische Regierung schreibt vor, dass ab September Gäste von Nachtclubs, aber auch von Konzerten nur mit einem Impfnachweis eintreten dürfen.

Das ist ein interessanter Wunsch, wenn man bedenkt, dass Eric-Clapton-Fans sich altersmäßig immer stärker mit den Corona-Risikogruppen überschneiden dürften. Ein Konzertbesuch in einer Halle zwischen Ungeimpften in einer Pandemie käme da für einige Anhänger des Musikers schon fast einer Runde Russisch Roulette gleich, bei der bis auf eine alle Revolverkammern mit Patronen gefüllt sind.

Vielleicht ist dieser "Ich will nicht nur vor Geimpften spielen"-Wunsch einfach nur Eric Claptons Art zu sagen: Ich hasse meine Fans. Eine Begründung teilt Clapton zukünftig möglicherweise dort, wo er auch seine Weigerung publik gemacht hat: in einer Telegram-Gruppe des Covid-Skeptikers Robin Monotti. Genau dort hatte der Musiker im Mai auch körperliche Gebrechen geteilt. Er hatte damals Beschwerden nach seiner Covid-Impfung.

Dolly Parton spielt Playboy-Hase für ihren Ehemann

Aber nicht alle Musiklegenden nutzen die Pandemie, um zu zeigen, dass sie keine Ahnung von der Realität haben. Musiklegende und menschlicher Sonnenstrahl Dolly Parton hat etwa eine Million US-Dollar an die Entwicklung des Moderna-Impfstoffs gespendet – und ihn dann vor laufenden Kameras verabreicht bekommen.

In der vergangenen Woche hatte Parton aber mehr zu feiern als nur ihre Immunisierung. Ihr Ehemann Carl hatte Geburtstag. Zur Feier des Tages warf sich Parton in ihr Playboy-Bunny-Kostüm, das sie 1978 für einen Titel des Magazins getragen hat. "Er denkt immer noch, ich sei ein 'Hot Chick', nach 57 Jahren", sagt Parton in einem Instagram-Video dazu.

Die US-Sängerin, die übrigens ihre Mega-Hits "Jolene" und "I will always love you" am selben Tag geschrieben hat, wirkt in dem Video so glücklich, dass man unweigerlich denkt: Das ist es. Aufgmascherlt wie ein Weihnachtsgeschenk, irgendeine Albernheit für einen geliebten Menschen ausheckend und sich selbst dabei nicht zu ernst nehmend: Dolly Parton lebt das gute Leben. Und sie musste dafür gar nicht in eine Rakete steigen.

Cher will Eis essen mit Britney Spears

Wo wir gerade von Musiklegenden und gutem Leben sprechen: Cher ist in die Diskussion um Britney Spears Vormundschaft eingestiegen und malt eine fabelhafte Zukunft. Sie erinnern sich: Spears kämpft darum, aus der bestehenden Regelung auszusteigen, die im Grunde ihrem Vater Kontrolle über ihr Vermögen, ihren Körper und ihr Leben gibt. Fans der US-Sängerin haben immer wieder unter dem Hashtag #FreeBritney auf die Situation aufmerksam gemacht.

Cher ist jetzt auch im #FreeBritney-Team und macht schon Urlaubspläne mit dem ehemaligen Teenie-Star. Wenn Britney endlich frei ist, will Cher sie mitnehmen nach Saint-Tropez und dort so viel Eis mit ihr essen, wie sie möchte. Eine himmlische Vorstellung.

US-Außenminister Blinken trifft Sesamstraßen-Star

Ein weiteres Treffen, bei dem wohl viele gerne dabei gewesen wären, teilte US-Außenminister Antony Blinken auf seinem Twitter-Kanal. Blinken hat Sesamstraßen-Star Grobi getroffen und über seine Arbeit gesprochen. Das Treffen diente einem guten Zweck: Blinken sprach bei seinem Auftritt kindgerecht über Flucht und dass auch Kinder immer wieder ihre Heimat verlassen müssen, weil es dort zu gefährlich für sie ist.

Vielleicht kann Blinken beim nächsten Mal mit Miss Piggy sprechen. Irgendwas sagt mir, dass Filmlegende, Musikstar und Stilikone Piggy es nicht bei Geplänkel belassen, sondern Blinken auf jene geflüchteten Kinder angesprochen hätte, die die USA trotz Gefahr in ihren Heimatländern gar nicht ins Land lassen. Vielleicht hätte Lebensvorbild Piggy aber auch einfach nur eine schneidende Bemerkung über Jeff Bezos All-Abenteuer gemacht. Irgendwas mit Schweinen und Fliegenlernen. (Ana Grujić, 23.7.2021)