Bei der Entscheidung für oder gegen das Homeoffice sollte man sich viele Fragen stellen. Etwa: Wann sind die Kinder gut betreut, wann nicht?

Foto: Getty Images

Selbstoptimierung, also der andauernde Zwang, sich permanent besser, leistungsfähiger, effizienter, schöner, fitter, zufriedener und glücklicher zu trimmen, ist ein ziemlich sicherer Weg ins Unglück. Das solcherart durchökonomisierte Selbst kann nur schwer jemals genügen, das darf es ja gar nicht, dann wäre es ja erlöst und somit aus dem Anpassungsreigen ausgestiegen. Wäre von der Konsumsucht ebenso befreit wie vom dauernden Herunterladen von Optimierungs-Apps, und sogar der immer kritische Blick in den Spiegel würde liebevoller Betrachtung weichen.

Aktuell ergibt sich allerdings eine Ausnahme aus der Stopp-der-Optimierungs-Regel. Nämlich die Planung der Homeoffice-Tage. Wer das Glück hat, eine Mischung aus Büro und Heimarbeit gestalten zu können, sollte sich richtig gut überlegen, welche Tage der Woche Homeoffice sein sollen. Da geht es nicht nur um mögliches "Abezahrer"-Image, wenn Montage und Freitage als bürofrei gewählt werden. Dazu braucht es eine ordentlich erstellte Liste mit möglichst allen Einflussfaktoren, die relevant sein können. Die müssen dann gewichtet werden.

Manche liegen ja recht klar da, etwa im firmeninternen Bereich: Welche Art der Arbeit kann ich an welchem Ort besser erledigen? Wann sind interne Termine, bei denen es für mich und mein Ansehen relevant ist, vor Ort zu sein? Wie sind meine Kunden aufgestellt und was ist da praktisch, notwendig, unabdinglich?

Organisatorische Parameter

Privat sind auch einige organisatorische Parameter eher einfach zuzuordnen: Wann sind die Kinder gut betreut, wann nicht? Welche häuslichen Aufgaben lassen sich wann mit Homeoffice halbwegs gut verbinden? Können wir das Auto teilen, wollen wir es abschaffen? Wie können wir unsere neuen Haustiere am besten versorgen?

Wer im vergangenen Jahr festgestellt hat, das sie oder er nur allzu leicht Opfer total entgrenzter Arbeit zu Hause wird, sollte Homeoffice sowieso noch einmal anders überdenken und vielleicht eher zur Bürodisziplinierung neigen.

Dann gibt es aber noch einen ganzen Schippel von atmosphärischen Fragen, die man sich durchaus auch stellen sollte – auch wenn sie der Kodex scheint’s verbietet, etwa: Wann sind meine Freunde im Büro? Wann meine Feinde? Wie handhaben meine Führungskräfte tatsächlich hybrides Arbeiten abseits von dem, was sie sagen? Von wem möchte ich gesehen werden? (Karin Bauer, 21.8.2021)