Arbeiten bei Google: Noch besser, wenn dabei das korrekte Gehalt bezahlt wird.

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Ein aktueller Bericht des Guardian erhebt schwere Vorwürfe gegenüber Google. Das Unternehmen soll Zeitarbeitern über Jahre hinweg deutlich weniger als Festangestellten für den gleichen Job gezahlt haben, und damit in dutzenden Ländern in Europa und Asien das Gesetz gebrochen haben. Zudem sollen Google-Manager seit mehr als zwei Jahren über den Rechtsverstoß informiert gewesen und doch tatenlos geblieben sein.

Whistleblower

Dass die Angelegenheit nun an die Öffentlichkeit kommt, ist einem Whistleblower zu verdanken. Dieser hat sich mit Insiderwissen an die dafür gedachte Organisation Whistleblower Aid gewendet, die wiederum die US-Börsenaufsicht SEC eingeschaltet hat. Die Wahl dieses Weges hat einen guten Grund: In den USA gibt es keinerlei Gesetz, das Google dazu zwingen würde, Zeitarbeitern dasselbe zu zahlen. Allerdings schulde Google den betroffenen Zeitarbeitern bis zu 100 Millionen Dollar, so der Vorwurf. Und das müsste dann in den Geschäftszahlen des Unternehmens ausgewiesen werden, was bisher aber nicht der Fall ist. Dies wiederum ist dann für die SEC sehr wohl von Interesse.

Weltweit soll Google aktuell mehr als 100.000 Zeitarbeiter beschäftigen, was noch mal fast so viele wie Fixangestellte des Unternehmens sind. Allerdings arbeitet nur ein sehr kleiner Teil davon in Ländern mit entsprechenden Gesetzen: Die meisten in Großbritannien, Indien, Irland und Deutschland, der Guardian spricht von tausenden betroffenen Angestellten.

Jahrelanges Verschleppen

Der Bericht wirft dabei der zuständigen Google-Abteilung grobes Versagen vor. Das für die externen Mitarbeiter verantwortliche xWS Team soll seit Mai 2019 informiert gewesen sein, das Problem aber verschleppt haben. Dabei soll auch diskutiert worden sein, die betroffenen Zeitarbeiter gar nicht zu informieren, und schleichend auf einen legalen Status zurückzukehren – eine "natürliche Korrektur", wie es intern angeblich hieß. Bis Oktober 2020 soll dann ein entsprechender Plan geschmiedet worden sein, der eine korrekte Bezahlung vorsieht – allerdings nur für Neuzugänge. Selbst die zuständige Rechtsabteilung soll dem zugestimmt haben. Infolge sollen dann aber noch weitere Optionen diskutiert worden sein – allerdings keine, bei der die Betroffenen ihr volles Geld erhalten.

Reaktion

Kurz nach der Veröffentlichung des Guardian-Berichts hat Google mit einem Blogeintrag reagiert. In diesem gesteht Spyro Karetsos, Chief Compliance Officer von Google, ein, dass hier etwas falsch gelaufen sei. Offenbar seien in einzelnen Bereichen die an Zeitarbeiter bezahlten Raten über Jahre hinweg nicht angepasst worden. Das zuständige Team arbeite zwar seit zwei Jahren an einer Bereinigung, er gestehe aber ein, dass die Geschwindigkeit, mit der das passiert, inakzeptabel sei.

Karetsos selbst betont, dass er erst vor wenigen Tagen über die Situation in Kenntnis gesetzt wurde. Als ersten Schritt habe man nun eine externe Firma, die an dem Problem arbeite, ersetzt. Zudem seien die Gehälter in einigen Ländern angepasst worden, ein umfassende Untersuchung soll nun weitere Diskrepanzen aufzudecken und diese bereinigt werden. (apo, 11.09.2021)