Washington – Was im Fußball die Weltrangliste ist, ist der Doing Business Report in der Volkswirtschaft. Die Weltbank listet darin detailliert auf, welche Länder ein attraktives Geschäftsklima bieten und welche weniger. Seit dieser Woche ist er Geschichte.

Auf Druck der Weltbankführung sollen Mitarbeiter den Report im Jahr 2018 manipuliert haben, um China besser abschneiden zu lassen. Das geht aus einer Untersuchung der Anwaltskanzlei Wilmer Hale hervor. Vor allem die aktuelle Chefin des Internationalen Währungsfonds, Kristalina Georgiewa, steht mit dem Rücken zur Wand. Sie war damals Vorstandschefin und forderte nach Erkenntnissen der Kanzlei Mitarbeiter auf, eine Methode anzuwenden, die China ein besseres Ergebnis verspricht.

Wegen seltsamer Ergebnisse wirft das Standortranking der Weltbank schon länger Fragen auf. Nun erhebt eine US-Kanzlei Manipulationsvorwürfe.
Foto: REUTERS/Johannes P. Christo

Unzufrieden mit Platzierung

Neben Georgiewa dürfte der damalige Weltbank-Präsident Jim Yong Kim ebenfalls seine Finger im Spiel gehabt haben. Der Untersuchung zufolge war die Staatsführung in Peking bereits 2017 mit Platz 78 unzufrieden. Im Jahr darauf wäre China auf Platz 85 abgerutscht, was Georgiewa und Kim offenbar als kontraproduktiv empfanden. Die Weltbank warb zu der Zeit um eine Kapitalerhöhung und wollte mächtige Staaten nicht verärgern, berichtet die FAZ. Nach Intervention blieb Rang 78 für China stehen. Georgiewa streitet die Vorwürfe ab.

Für 2020 entdeckte Wilmer Hale weitere Unregelmäßigkeiten. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate wurden besser gereiht, für Aserbaidschan ging es nach unten. Hinweise auf eine Verwicklung der Weltbankführung seien aber nicht gefunden worden.

Für den Ruf als integere und unparteiische Organisation sind solche Nachrichten Gift. Kritik am Doing Business Report kommt aber nicht zum ersten Mal. 2018 schoss der damalige Weltbank-Chefökonom Paul Romer scharf gegen die Liste. Als "anfällig für Manipulationen" bezeichnete er sie. Überdies seien Chile, die Ukraine und Belarus wegen politischer Ausrichtungen falsch bewertet worden. Eine Untersuchung belegte dies aber nicht, und nach knapp 1,5 Jahren musste Romer zurücktreten. Wenig später erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis.

Kristalina Georgiewa weist die Vorwürfe einer Anwaltskanzler zurück.
Foto: Reuters

Fragwürdige Platzierungen

Manipulationsskandal hin oder her, der Doing Business Report sorgte immer wieder für Kopfschütteln. Zum Beispiel im Jahr 2020: Neuseeland, Singapur und Hongkong galten als die drei wirtschaftsfreundlichsten Länder. Das ist nachvollziehbar. Dass Österreich (Platz 27) einen schwierigeren Boden als Kasachstan (25) darstellt, leuchtet wenig ein. Auch dass Nordmazedonien (17) besser dasteht als Deutschland (22) und Irland (24), mutet seltsam an. Es ist natürlich schwer, für die rund 190 vorkommenden Länder objektiv gleichwürdige Aussagen zu treffen, doch die Weltbank steht sich einerseits ein bisschen selbst im Weg, andererseits kann nicht alles in Zahlen gemessen werden.

So lassen permanente Änderungen in der Messmethodik de facto keine langfristigen Vergleiche zu. Weiters hapert es an den Messgrößen. Bewertet werden etwa bürokratische Hürden bei Firmengründungen oder wie lange es braucht, bis ein Stromanschluss steht. Es fehlen aber für einen Standort essenzielle Rahmenbedingungen wie Bildungsniveau, Qualität der Infrastruktur, Korruption oder Krisenfestigkeit.

Worthülsen

Eine wichtige Rolle für das Ranking spielen Gesetzesanpassungen. Doch eben auch gesetzliche Worthülsen bringen gleich einmal ein paar Plätze. Nur weil ein Gesetz oder eine Reform "umgesetzt" wurde, heißt es schließlich nicht, dass das Angekündigte in der Praxis funktioniert.

Seit 2002 erschien der Report jährlich, und er hatte politisches Gewicht. Welcher Staat lässt sich gerne nachsagen, dass das eigene wirtschaftliche "Spielfeld" einem Krautacker gleicht. Konzerne ließen das Ranking in Investitionsentscheidungen einfließen. Die Weltbank erklärte, sie werde an einem neuen Bewertungsansatz arbeiten. Damit hat sie nun alle Hände voll zu tun. (Andreas Danzer, 17.9.2021)