Nach mehr als zwei Jahren Haft in Kanada ist Huawei-Finanzchefin Meng am Wochenende wieder nach China zurückgekehrt.

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Die Geiseldiplomatie Pekings hat funktioniert. Meng Wanzhou, die Finanzchefin des Konzerns Huawei ist frei. Am Samstagabend kam sie am Flughafen in Shenzhen an und wurde von einer Menschenmenge wie eine Heldin empfangen. Die Leute schwenkten rote Fahnen und sangen die Nationalhymne. Meng trat in einem roten Kleid vor die Menge und sagte: "Nach mehr als tausend Tagen Tortur bin ich in den Schoß des Vaterlands zurückgekehrt. Die lange Wartezeit in einem fremden Land war voller Kampf und Leid."

Am selben Tag trafen auch die beiden Kanadier Michael Spavor und Michael Kovrig in ihrer Heimat ein. Möglich gemacht hatte das ein Deal zwischen der amerikanischen Staatsanwaltschaft und der kommunistischen Partei Chinas.

Ende 2018 verhaftet

Meng war Ende 2018 in Vancouver verhaftet worden. Sie hatte dem Iran geholfen, US-Sanktionen zu umgehen, so der Vorwurf der US-Behörden, die die Festnahme veranlasst hatten. Zudem wirft man ihr Bankbetrug vor. Nach Zahlung einer Kaution konnte Meng sich aber mit einer Fußfessel im Radius von 100 Meilen frei bewegen. Sie war mehrfach beim Luxus-Shopping gesehen worden.

Wenige Tage nach Mengs Festnahme wurden auch die beiden Kanadier verhaftet. Sie wurden wegen Spionage angeklagt. Spavor hatte im nordostchinesischen Dandong eine Agentur für Reisen nach Nordkorea betrieben. Kovrig ist ein ehemaliger kanadischer Diplomat, der für eine Unternehmensberatung arbeitete. Ein dritter Kanadier, der wegen Drogenschmuggel zum Tode verurteilt worden war, sitzt noch in Haft.

Kritik an Huawei

Meng ist Tochter des Konzerngründers Ren Zhenfei. Der wiederum ist ein pensionierter General der Volksbefreiungsarmee, der beste Kontakte zur Führung des Regimes in Peking unterhält. Inoffiziell wurde Meng auch immer als dessen Nachfolgerin gehandelt. Huawei gerät immer wieder in die Kritik, weil der Konzern weltweit 5G-Netzwerke baut und Daten so in die Hände der kommunistischen Partei geraten. Die 1971 geborene Meng stieg 2011 beim Konzern ihres Vaters ein. Im März 2018 wurde sie Finanzchefin von Huawei.

Immer wieder hatte es Versuche gegeben, die beiden Kanadier freizubekommen. Diplomaten hatten hinter den Kulissen an einer gesichtswahrenden Lösung gearbeitet. Peking hatte aber immer wieder betont, dass die Festnahmen der "beiden Michaels" in keinem Zusammenhang mit der Verhaftung Mengs stünden. Noch Anfang September hatte es geheißen, dass die Fälle "von Natur aus völlig unterschiedlich seien". Bedingung der Freilassung Mengs war ein Schuldeingeständnis. Genauer gesagt: Das Verfahren gegen sie wird bis zum 1. Dezember 2022 auf Eis gelegt, solange Meng öffentlich der Darstellung der US-Justiz nicht widerspricht.

"Unschuldige als Faustpfand"

Erst im August war Spavor zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren verurteilt worden, nachdem er zweieinhalb Jahre ohne Prozess in einem chinesischen Gefängnis gesessen war. Ausländische Beobachter durften an dem Prozess nicht teilnehmen. Menschenrechtsgruppen hatten auch die Haftbedingungen immer wieder kritisiert. Die Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch zeigte sich angesichts der Taktik der KP besorgt: "Chinas Führung ist bereit, unschuldige Menschen als Faustpfand zu nehmen, um sich in anderen Staaten das zu holen, was sie will", sagte Sophie Richardson, die China-Direktorin von Human Rights Watch (HRW). "Das ist eine beunruhigende Entwicklung."

Auch für viele ausländische Unternehmer und Angestellte ist der Fall besorgniserregend, zeigt er doch, wie leicht man Opfer dieser Geiseldiplomatie werden kann, wenn sich das Verhältnis zum Regime in Peking verschlechtert.

Das Verhältnis von Washington und Peking befindet sich seit Jahren in einer Abwärtsspirale. Seitdem Xi Jinping die Macht ergriffen hat, tritt China auf internationaler Ebene immer aggressiver auf. Unter der Präsidentschaft von Donald Trump kam es zu einem Handelsstreit und einem Tiefpunkt im Verhältnis zueinander. Die chinesischen Medien feierten den Austausch nun als positive Entwicklung für die bilateralen Beziehungen. Über die Freilassung der beiden Kanadier schwiegen sie sich aus. (Philipp Mattheis aus Peking, 27.9.2021)