Die gute Nachricht zuerst: Das Frühstücksbuffet hat Corona überlebt – auch wenn es in den Hotelrestaurants im In- und Ausland noch nicht überall wieder so sorglos abläuft wie vor der Krise.

Vielerorts muss bei Cornflakes und Cerealien noch eine Maske aufgesetzt werden. In anderen Hotels werden knisternde Einweg-Handschuhe zur Selbstbedienung bei Speck und Eierspeise verteilt. Und in manchen Ländern reicht einem immer noch der eifrige Angestellte hinter einer dicken Plexiglasscheibe das Vollkornweckerl ganz hygienisch mit der Zange.

Stimmung bessert sich

Aber die Stimmung ist gut. Und so wie bei den Frühstücksbuffets geht es auch in der Hotellerie nach eineinhalb Jahren Corona-Pandemie langsam wieder in Richtung Normalität. Wann auf dem Hotelinvestmentmarkt aber wieder ein Rekordniveau wie vor Corona erreicht werden wird? Das steht in den Sternen. Denn die Touristinnen und Touristen sind zwar seit Lockerungen und Impffortschritt im Frühjahr in vielen Gegenden wieder vertreten. Aber die großen Konferenzen, von denen Hotels speziell in den Städten leben, sind noch immer nicht wieder zurück. Auch die Corona-bedingt ausgedünnten Flugverbindungen sind für viele Destinationen gerade noch ein Hemmschuh.

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So auch im Nachbarland. Beim internationalen Immobilienunternehmen CBRE geht man davon aus, dass sich der deutsche Hotelmarkt erst 2023 oder 2024 von der Pandemie erholt haben wird. Auch weil die Hotel-Pipeline in den deutschen Top-7-Städten prall gefüllt ist, die Konkurrenz also noch einmal weiter wachsen wird.

Aber seit dem Frühjahr gebe es wieder mehr Schwung in der Hotellerie, berichtet Lukas Hochedlinger, Managing Director für Central & Northern Europe beim Hotelimmobilienspezialisten Christie & Co. "Wenn wir ein Hotel auf den Markt bringen, haben wir viele Interessenten", sagt Hochedlinger. Erst vergangene Woche habe man eine Transaktion in Wien und eine in Salzburg begleitet.

Langsam seien darunter auch wieder institutionelle Investoren, um die es seit Beginn der Pandemie ruhiger geworden ist. Es gibt auch wieder erste große Transaktionen in Europa: Die Union Investment kaufte im Frühjahr in Stuttgart für ihren offenen Fonds einen in Bau befindlichen Hotelturm am Mailänder Platz für 137 Millionen Euro. Das Interesse aus Investorensicht sei in den Städten groß, allerdings fehle derzeit noch das Angebot, urteilt Hochedlinger.

Keine Notverkäufe

Das könnte sich aber ändern: Denn in manchen nicht mehr ganz neuen Privathotels, die sich über das Corona-Jahr gerettet haben, wird nun überlegt, wie es weitergehen soll: "Die nächsten zwei bis drei Jahre werden anstrengend, wollen wir uns das noch antun?", fasst Hochedlinger den Denkprozess vieler Hoteliers zusammen. Derzeit würden in diese Richtung viele Gespräche geführt.

Klar ist aber: Notverkäufe gab es am österreichischen Hotelmarkt bisher nicht, wie Georg Fichtinger, Investmentexperte bei CBRE, in einer Aussendung betont. Am Höhepunkt der Pandemie gab es nur wenige und eher kleinere Transaktionen, da Verkäufer nicht zu den Preisen verkaufen wollten, die Investoren zu zahlen bereit waren. Mittlerweile hat sich das laut Fichtinger aber geändert: Investoren seien wieder bereit, Preise ähnlich dem Vorkrisenniveau zu zahlen. Einige Deals seien in der Pipeline.

Auch das Thema Nachhaltigkeit wird bei Immobilieninvestments immer wichtiger (siehe auch Artikel auf Seite 1). Bei größeren Fonds sei das auch bei Hotel-Deals bereits der Fall, sagt Lukas Hochedlinger. Allerdings sei ein weniger nachhaltig geplantes Gebäude in vielen Fällen auch noch nicht unbedingt ein K.-o.-Kriterium, wenn dafür die wirtschaftlichen Zahlen stimmen. Immerhin könne man ja auch im Nachhinein noch versuchen, das Haus nachhaltiger zu gestalten.

Das Gästeverhalten lasse aber heute schon darauf schließen, dass der grüne Anstrich in der Hotellerie ankommt. Und noch eine Tendenz zeigt sich: Die Menschen zieht es weiterhin in den Süden und damit in die Wärme – obwohl die Sommer immer heißer werden. Irgendwann könnte sich das umdrehen und Hitzegeplagte im Sommer in andere, kühlere Destinationen flüchten. Auch darauf müsste die Hotellerie und damit die Investoren reagieren.

Flight-Shaming als Thema

Genauso wie auf das "Flight-Shaming", zu Deutsch: Flugscham, durch das weniger klimaschädliche Transportmittel als das Flugzeug zunehmend in den Fokus rücken. Etwa in Form von mehr und schnelleren Zugverbindungen zu touristischen Destinationen, an denen dann – so Lukas Hochedlingers Blick in die Kristallkugel – Gepäck und E-Auto schon warten. Und natürlich das Frühstücksbuffet. (Franziska Zoidl, 15.10.2021)