Die EMA empfiehlt den Biontech/Pfizer-Impfstoff für Kinder. Jetzt ist die EU-Kommission am Zug.

Foto: AP / Peter Dejong

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat grünes Licht für den Einsatz des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer bei Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren gegeben. Der zuständige EMA-Ausschuss empfahl am Donnerstag eine Erweiterung der Zulassung. Die endgültige Entscheidung muss nun die EU-Kommission treffen, das gilt aber als Formsache. Bisher gab es noch keinen Corona-Impfstoff, der in der EU auch für Kinder unter zwölf Jahren zugelassen ist.

Bisher Off-label-Impfung in Wien

Ist die Zulassung in der EU fix, wird es bald eine dementsprechende Empfehlung des Nationalen Impfgremiums (NIG) in Österreich geben, vermutlich in den nächsten Tagen. Die zuständigen EMA-Experten haben gut zwei Monate lang die Daten zu Risiken und Effektivität des Impfstoffs bei Fünf-bis Elfjährigen geprüft. Das Gesundheitsministerium rechnet damit, dass der erste eigene Kinderimpfstoff gegen Corona EU-weit zu Jahresende zur Verfügung steht, auch in Österreich.

In Israel und den USA gibt es den eigenen Impfstoff von Biontech/Pfizer bereits für Kinder ab fünf Jahren. In Österreich gibt es bisher nur sogenannte Off-label-Impfungen für Kinder unter zwölf. Dabei wird den Kindern ein Drittel der Erwachsenendosis verabreicht. Eltern müssen dafür einen Arzt suchen, der die Impfung durchführt. In Zukunft soll das eigens für Kinder entwickelte Vakzin verabreicht werden.

Wien hat bereits im November bei der Off-label-Impfung eine Vorreiterrolle eingenommen. Die Stadt schuf eine Möglichkeit, dass Kinder schon ab fünf Jahren immunisiert werden können – mit dem Drittel der Dosis für Erwachsene. Ab 15. November konnten die ersten Kinder im Austria Center Vienna immunisiert werden, die Termine waren schnell ausgebucht.

Wien impfte knapp 10.000 Kinder unter zwölf Jahren

Die Impfstelle Wien hat laut am Mittwoch veröffentlichten Zahlen bisher 9.167 Kinder unter zwölf Jahren geimpft. Davon stammten die meisten – 7.486 bzw. 81,7 Prozent – aus Wien. 1.612 bzw. 17,6 Prozent reisten aus anderen Bundesländern an, wobei Niederösterreich mit 1.396 bzw. 15,2 Prozent den größten Anteil ausmacht, hieß es aus dem Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ).

Auch Niederösterreich geht zügig voran, dort sollen die ersten Impfungen für Fünf- bis Elfjährige noch am Donnerstag starten. Möglich ist die Immunisierung in den Impfzentren in St. Pölten, Tulln und Wiener Neustadt in den sogenannten Kinderimpflinien – diese sind altersgerecht ausgestattet und mit erfahrenem Personal besetzt. Verabreicht werden die Injektionen weiters in den Impfstraßen in Baden und Traiskirchen (Bezirk Baden) und bei 35 niedergelassenen Ärzten, hieß es seitens des Landes. Anmeldungen können grundsätzlich online via www.impfung.at/termin oder auch bei einigen Kinderärzten vorgenommen werden.

In Oberösterreich kann man ebenfalls seit knapp einer Woche Kinder zwischen fünf und elf Jahren für die Impfung vormerken lassen. Bis Mittwoch gab es dafür 2.600 Reservierungen, erklärte Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP), die auch für Gesundheit zuständig ist. Und die Warteliste werde mit jedem Tag länger. Sobald die Empfehlung des NIG da ist, können Impftermine gebucht werden. Es soll sowohl bei niedergelassenen Ärzten als auch bei öffentlichen Impfstraßen möglich sein, Kinder impfen zu lassen.

Bundesländer mit eigenen Terminen

In Tirol besteht auch bereits seit vergangener Woche die Möglichkeit, Kinder zwischen fünf und elf Jahren zu impfen. Bisher wurde 1.120 Kindern eine Impfdosis verabreicht, das entspricht einem Anteil von 2,2 Prozent in dieser Altersgruppe. Geimpft wird in "zahlreichen Impfzentren des Landes" sowie in einigen Bezirkskrankenhäusern – wie etwa in Reutte oder St. Johann. Auch am kommenden "Impfsonntag" sowie bei niedergelassenen Ärzten wird das Angebot bestehen. Eine Anmeldung ist bei Kindern jedenfalls notwendig. Vielfach werden die Impfungen und das Aufklärungsgespräch von Kinderärzten durchgeführt. Zudem sind Kinderimpfboxen "kindgerecht" eingerichtet, es steht mehr Zeit als bei Erwachsenen zur Verfügung und am Ende wird den Kindern eine Urkunde verliehen.

In der Steiermark ist die Anmeldung von Kindern zur Corona-Schutzimpfung seit Dienstag über das bekannte Anmelde-Tool des Landes Steiermark möglich. Geplant sind vorerst zwei Impftermine am 4. und 5. Dezember in den Impfstraßen in Graz, Premstätten und Leoben. Es können aber durchaus bis dahin noch weitere Standorte hinzukommen, sagte Harald Eitner, zuständig für die Impfstraßen des Landes Steiermark. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte hätten auch bisher schon in Einzelfällen Kindern die Impfung verabreicht.

In Vorarlberg gab es bis Mitte der Woche rund 260 Vormerkungen zur Kinderimpfung. Diese können auf dem Impfportal des Landes ("Vorarlberg impft") vorgenommen werden. Nach dem grünen Licht der EMA für die Kinderimpfung wurden vom Land Einladungen an die Vorgemerkten verschickt. Immunisierungen sollen ab Freitag durchgeführt werden, sie werden an zwei Standorten von Kinderärzten verabreicht. In der Folge sollen Kinder zwischen fünf und elf Jahren an jedem Wochenende in den Impfstraßen in Nenzing (Bezirk Bludenz) und Bregenz oder Dornbirn geimpft werden.

Keine Vormerkungen in Kärnten möglich

In Salzburg stehe man nach der Freigabe der EMA ebenfalls in den "Startlöchern", erklärte eine Sprecherin von Gesundheitsreferent Christian Stöckl (ÖVP). Man werde die Zulassung durch das NIG wahrscheinlich nicht mehr abwarten und schnellstmöglich starten. 38.000 Kinder von fünf bis elf Jahren gibt es in Salzburg, Zahlen zu Voranmeldungen oder bereits off-label geimpften Kindern liegen nicht vor. Fest steht hingegen, dass das Rückgrat der Impfungen in Salzburg die Kinderärzte bilden sollen – gleichwohl seien auch Kinderimpfstraßen angedacht.

Das Burgenland hat bei der Impfung für Kinder noch die Entscheidung der EMA abgewartet, dann wird auch mit der Impfung der Jüngsten gestartet, hieß es aus dem Koordinationsstab Coronavirus zur APA. Eine Vorregistrierung sei schon möglich und erwünscht. Die Planungen laufen bereits, zunächst werde es für Kinder aber keine offenen Impftage, sondern Impfungen mit Terminvergabe geben.

In Kärnten gibt es zurzeit noch keine Möglichkeit, Vormerkungen für Kinderimpfungen vorzunehmen, sagte Landessprecher Gerd Kurath am Mittwoch. Da am 30. November das System der Vormerkungen für Impfungen für Erwachsene auf Terminbuchungen umgestellt werde, "spricht grundsätzlich nichts dagegen, dass dann auch Terminbuchungen für Kinderimpfungen möglich sind". Er wisse jedoch nicht, inwieweit man sich bereits bei Kinderärztinnen und -ärzten selbst vormerken lassen kann.

Man warte erst noch auf die konkrete Freigabe, aber in erster Linie würden die Impfungen im Kinder- und Jugendarztbereich durchgeführt. In manchen Impfzentren wolle man aber auch eigene Kinderimpfstraßen aufbauen. Da müsse man jedoch schauen, wie viele man besetzen könne da es "im Land nicht allzu viele Kinderärztinnen und -ärzte gibt". (APA, 25.11.2021)