Friedensnobelpreis für Dmitri Muratow und Maria Ressa.

Foto: ap, Torstein Boe

Oslo – Die diesjährigen Friedensnobelpreisträger Maria Ressa und Dmitri Muratow sehen den Journalismus in Zeiten von Fake News, Desinformation und der Verfolgung von Reportern arg in Gefahr. "Mir ist vollkommen bewusst, dass dieser Preis für die gesamte journalistische Gemeinschaft ist. Wir gehen durch schwere Zeiten", sagte der Russe Muratow am Donnerstag auf einer Nobel-Pressekonferenz in Oslo.

"Der Journalismus hat der Gesellschaft geholfen, aber jetzt muss die Gesellschaft den Journalisten helfen." Manche Behörden und Regierungen investierten in Lügen, nicht in vertrauenswürdigen Journalismus.

Wie schwierig es für Journalisten mancherorts auf der Welt ist, dafür liefert Ressa selbst ein Paradebeispiel: Vier Gerichte hätten die Zustimmung geben müssen, damit sie überhaupt nach Oslo kommen konnte, berichtete die Philippinin. Erst in dieser Woche sei ein früherer Kollege von ihr auf den Philippinen mit einem Schuss in den Kopf getötet worden. Die Aufmerksamkeit durch den Nobelpreis helfe nicht nur Journalistinnen und Journalisten in ihrer Heimat, sondern überall auf der Welt. "Das Licht ist in vielerlei Hinsicht ein Schutzschild."

Preis wird am Freitag überreicht

Ressa und Muratow bekommen den Friedensnobelpreis in diesem Jahr für ihre Bemühungen um die Wahrung der Meinungsfreiheit. Er wird ihnen am Freitag in Oslo überreicht. Die mehrfach ausgezeichnete Ressa ist Chefredakteurin des Online-Nachrichtenportals Rappler, sie gilt als scharfe Kritikerin von Präsident Rodrigo Duterte. Dmitri Muratow ist Chefredakteur der kremlkritischen Zeitung "Nowaja Gaseta".

Die beiden repräsentierten alle Journalisten, die täglich dafür kämpften, die Öffentlichkeit mit Informationen zu versorgen, sagte die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen. "Das ist kein Friedenspreis für den Journalismus als solchen, sondern ein Preis, der die Bedeutung von Informationen in unserer heutigen Gesellschaft unterstreicht", sagte sie auf der Pressekonferenz. "Wir haben so viele Informationen. Aber eine gesunde Gesellschaft und Demokratie ist auf glaubwürdige Informationen angewiesen." (APA, 9.12.2021)