Auch wenn die israelische Regierung sich wie üblich nicht dazu äußert, zweifelt kaum jemand daran, dass Israel für den Luftangriff auf den syrischen Hafen Latakia am Dienstag verantwortlich war. Die Ziele variieren, der Zweck ist immer der gleiche: iranische Waffen und Munition, die bei der Hisbollah im Libanon landen könnten, zu zerstören.

Bei den Verhandlungen in Wien wird versucht, das Atomprogramm des Iran einzudämmen.
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Parallel dazu werden inzwischen relativ offen die Szenarien eines israelischen Angriffs auf die iranischen Atomanlagen diskutiert, sollte der Versuch, Irans Atomprogramm durch die Verhandlungen in Wien wieder einzudämmen, scheitern. Auch wenn ein erneuertes Wiener Abkommen der israelischen Regierung ebenfalls stark missfallen würde: Völlig gegen den Willen der USA, um deren Wiedereintritt in den Atomdeal es ja in Wien auch geht, würde Israel wohl nicht agieren. Schon jetzt sind die Beziehungen in dieser Hinsicht angespannt. Während Israel meint, seine ständigen Sabotageaktionen im Iran hätten Teheran erst an den Wiener Verhandlungstisch gebracht, hält Washington sie für kontraproduktiv.

Die Analysen dessen, ob es Israel durch Angriffe gelingen würde, Irans Atomprogramm auf Dauer zu eliminieren, sind eher ernüchternd. Dabei ginge es nicht mehr um Operationen wie in Syrien, es wäre eine riesige militärische – und wohl auch diplomatische – Herausforderung. Mit sicherem Kollateralschaden: Die Reaktionen der Hisbollah im Libanon und der Hamas im Gazastreifen müssten ebenfalls einkalkuliert werden. (Gudrun Harrer, 30.12.2021)