In Deutschland sorgte die Sicherheitsfirma Asgaard für Schlagzeilen und TV-Berichte.

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Die Vorwürfe gegen die beiden ehemaligen Angehörigen der Bundeswehr sind umfangreich und gravierend. Die deutsche Bundesanwaltschaft beschuldigt die Männer der Verabredung zu Mord und Geiselnahme. Auch stehe der Verdacht im Raum, dass sie eine terroristische Vereinigung gründen wollten. Die Männer wurden im Oktober des vergangenen Jahres verhaftet, nachdem ihre Pläne aufgeflogen waren, eine bis zu 150 Mann starke Söldnertruppe aufzubauen. Die Privatarmee hätte später im Auftrag der Regierung von Saudi-Arabien Spezialmissionen im Jemen durchführen sollen. Dort kämpft Saudi-Arabien seit Jahren gegen den Einfluss der sogenannten Huthi-Rebellen, die wiederum vom Iran unterstützt werden. Das Geschäftsmodell sah nach Erkenntnissen der Ermittler außerdem vor, danach auch in anderen Konflikten militärisch einzugreifen. Die deutschen Behörden haben diese Pläne vereitelt.

Laut Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Nationalratsabgeordneten Sabine Schatz (SPÖ) sind dem Innenministerium in Wien keinerlei Verbindungen der Verhafteten nach Österreich bekannt. Auch sei nicht bekannt, ob Österreicher für die Sicherheitsfirma Asgaard tätig waren, in deren Reihen die beiden Verhafteten vor wenigen Jahren arbeiteten und mit der sie im August 2021 in Kontakt traten, um die Mission im Jemen zu bereden. Ergebnislos, wie Asgaard in einer Presseaussendung schrieb.

Firma ist dem Innenministerium bekannt

Auf STANDARD-Nachfrage bestätigt das Innenministerium in Wien immerhin, dass ihm das Unternehmen bekannt sei. Ein Blick auf die Facebook-Seite des Unternehmens zeigt, dass Asgaard in Wien, etwa im Mai 2019, nach Mitarbeitern suchte und dafür einen Bewerbertag durchführte, der Interesse von Militärs und Mitarbeitern anderer Sicherheitsfirmen hervorrief.

Der "Bewerbertag" wurde auf Facebook beworben.

Laut Asgaard-Geschäftsführer Dirk Gaßmann arbeiten keine Österreicher für sein Unternehmen, wohl bekomme er aber zahlreiche Bewerbungen von Angehörigen von Bundesheer und Polizei-Spezialeinheiten. Jedoch wohnen zwei Mitarbeiter in Österreich. "In der Nähe zur deutschen Grenze", sagt Gaßmann.

Dem STANDARD liegen zusätzlich Dokumente und Fotos vor, die belegen, dass mindestens einer dieser Mitarbeiter im Auftrag von Asgaard im Irak war. Die Fotos wurden in den Jahren 2017 aufgenommen. Im Irak war Asgaard unter anderem für die Sicherheit saudischer Diplomaten in Bagdad zuständig. Auf weiteren Fotos posieren Mitarbeiter der Firma schwerbewaffnet mit Sturmgewehren in der irakischen Hauptstadt. Ein anderes Foto zeigt in Österreich lebende Männer bei einer Art Waffentraining in der Ukraine. Dokumente belegen zusätzlich den engen Kontakt der beiden Männer mit Asgaard.

Generell nicht verboten

Seitens des Innenministeriums heißt es dazu, dass "es österreichischen Staatsbürgern generell nicht verboten ist, für Sicherheitsunternehmen im Ausland zu arbeiten. Verboten ist dies nur dann, wenn dadurch eine strafbare Handlung zum Beispiel nach den Bestimmungen des österreichischen StGB gesetzt wird." Mehr hat es dazu nicht zu sagen. In den vergangenen Jahren tauchten bei Krisenherden Österreicher als Söldner auf. 2017 wurde etwa bekannt, dass vier ehemalige Soldaten des Bundesheeres in der Ukraine gekämpft haben. Darunter ein Mann, der für ein rechtsextremes Freikorps tätig war, nachdem er zuvor an der Seite der kurdischen YPG in Syrien gegen den sogenannten "Islamischen Staat" gekämpft hatte.

Asgaard ist seit Jahren im Visier deutscher Behörden, weil sie aktiv um frühere Angehörige von Spezialeinheiten der Bundeswehr und der Polizei wirbt und bereits früher in die Schlagzeilen geriet. Von einer Söldnertruppe war die Rede, was das Unternehmen stets zurückgewiesen hat: Sie sei eine "ganz normale, private Sicherheitsfirma, die es geschafft habe, international tätig zu sein", erklärt Gaßmann. Allerdings trüben Medienberichte über rechte Umtriebe und behördliche Ermittlungen dieses Bild.

TV-Beitrag über Asgaard. Die deutsche Abgeordnete Martina Renner hatte in der Vergangenheit parlamentarische Anfragen zu Asgaard gestellt, da sie deren Treiben für gefährlich hält.
ARD

Deutschen Medien liegen Videoaufnahmen aus dem Inneren des Asgaard-Hauptquartiers in Bagdad aus dem Jahr 2017 vor. Auf dem Material deutlich zu erkennen: eine Reichskriegsflagge an der Wand und die Parole "Klagt nicht, kämpft", die aus der NS-Zeit stammt – daneben die Zeichnung des Kopfes eines Wehrmachtssoldaten. Auch zeigt ein Foto, wie Asgaard-Chef Gaßmann lachend auf eine Büste eines Wehrmachtssoldaten mit einem Eisernen Kreuz zeigt. Bei genauem Hinsehen ist ein Hakenkreuz auf dem Eisernen Kreuz zu erkennen. Laut Gaßmann habe er diese Büste im Irak gekauft und nicht nach Deutschland mitgenommen.

Asgaard-Chef: "Bin kein Neonazi"

Asgaard-Chef Gaßmann, einem ehemaligen Fallschirmjäger der Bundeswehr, wird vorgeworfen, sich rassistisch geäußert zu haben. In einem Bericht der ARD-"Tagesschau" wird er als "Rechtsradikaler" bezeichnet. Auf Nachfrage distanzierte er sich von rechtsextremem Gedankengut. Er sei Geschäftsmann, kein Neonazi. Diese Behauptungen würden von einem ehemaligen Mitarbeiter kommen, der im Irak zehn Millionen Euro unterschlagen haben soll. Gaßmann bezeichnet sich als Opfer eines Wirtschaftsverbrechens. Der Mitarbeiter bestreitet die Veruntreuung vehement und spricht von einem Zerwürfnis, da Gaßmann eben eine rechtsradikale Gesinnung gezeigt habe.

Laut Aussagen des ehemaligen Weggefährten soll sich Gaßmann auch über die deutsche Bundestagsabgeordnete Martina Renner von der Linkspartei geäußert haben: "Frau Renner war für Dirk G. Feind Nummer eins. Er hat sich in einem Gespräch mit mir dazu geäußert, dass Frau Renner eliminiert werden müsste", sagte der Mann. Aussagen, die jedoch vom Asgaard-Chef bestritten werden, ihm aber Ermittlungen einbrachten. Die Abgeordnete Renner hatte in der Vergangenheit parlamentarische Anfragen zu Asgaard gestellt, da sie deren Treiben für gefährlich hält. "Das ist schon lange bekannt, dass es sich um wirklich überzeugte extreme Rechte handelt, die eine Vorstellung haben, einen Umsturz vorzubereiten – also mit Gewalt die Demokratie abzuschaffen und ein autoritäres System zu errichten", sagt Renner.

Berater sorgte in Österreich für Schlagzeilen

Dazu kommt, dass für Asgaard ein Mann als Berater aktiv ist, der Anfang der 1990er-Jahre in Österreich für Presseberichte sorgte. Reinhard R. war damals mit dem Neonazi Hans Jörg Schimanek jun. am Weg. Schimanek jun. gab in den 1980er-Jahren bei Wehrsportübungen den Ton an, gemeinsam mit seinem Bruder, der heute für die FPÖ arbeitet, besuchte er einschlägige Veranstaltungen.

Niederländische und österreichische Zeitungen vermeldeten Anfang der 1990er-Jahre, dass R. und Schimanek jun. mutmaßlich als Söldner in Surinam tätig gewesen sein sollen. Eine Darstellung, der Schimanek widersprach. Er bezeichnete seine Aufenthalte in dem südamerikanischen Land als Urlaubsreise und klagte erfolgreich gegen anderslautende Artikel österreichischer Medien. R. und Schimanek machten in späteren Jahren gemeinsame Geschäfte. R. "ist ein langjähriger Freund", sagt der Asgaard-Chef. Laut dem im Jahr 2021 erschienenen Buch "Staatsfeinde in Uniform" des Autors und Filmemachers Dirk Laabs überlegte R., bei Asgaard als Firmenteilhaber einzusteigen.

Gaßmann wartet derzeit ab, bis sämtliche Verfahren gegen ihn eingestellt werden, dann will er gegen Medien und die Abgeordnete Renner rechtlich vorgehen, sagt er. (Markus Sulzbacher, 18.1.2022)