Der Paarungsmarsch der Roten Landkrabben auf der zu Australien gehörenden Weihnachtsinsel gilt als eines der größten Naturspektakel der Welt. Wenn im November die Regenzeit beginnt, setzen sich in den Wäldern viele Millionen knallroter Panzerträger zu einer Wanderung Richtung Meer in Bewegung. Eine bestimmte Ameisenart und andere Faktoren hatten die Krabbenzahl jahrzehntelang stark dezimiert. Nun ist ihr Bestand Experten zufolge wieder auf das Niveau der 1990er-Jahre gestiegen.

Gecarcoidea natalis, wie die rote Krabbe auf Lateinisch heißt, kommt ausschließlich auf der zu Australien gehörenden Weihnachtsinsel und den Kokosinseln vor.
Foto: EPA/RICHARD WAINWRIGHT

Schätzungen zufolge gibt es mittlerweile etwa 190 Millionen Krabben auf der Insel, sagte Tanya Detto, Koordinatorin des Christmas Island Invasive Species Project. Von 2001 bis 2015 seien es nur etwa 40 bis 50 Millionen gewesen.

Dutzende Millionen der Tiere seien aber noch zu klein, um sich auf die Wanderung zu machen und fortzupflanzen. "Viele dieser kleinen Krabben werden wahrscheinlich nicht überleben, bis sie erwachsen sind", sagte Detto. Die Population werde sich deshalb wohl wieder da einpendeln, wo sie vor dem Auftauchen der Gelben Spinnerameise stand – bei etwa 120 Millionen Exemplaren.

Invasive Ameisen

Natürliche Feinde haben die Krabben eigentlich nicht, die problematische Ameisenart (Anoplolepis gracilipes) wurde erst in den 1990er-Jahren von einem Schiff aus Afrika eingeschleppt. Die Insekten können mit ihrem Gift die Augen der Krabben verätzen, so dass sie erblinden und sterben. "Seit den 1990er-Jahren haben sie so schätzungsweise 30 bis 80 Millionen Krabben getötet", sagte Detto. Normalerweise werden Weihnachtsinsel-Krabben 15 bis 25 Jahre alt.

Zur Paarungszeit kommt es zu Massenwanderungen.
Foto: Reuters/Parks Australia

Die staatliche Behörde Parks Australia hat jahrelang versucht, die Ameisen auszurotten – offenbar erfolgreich, unter anderem mit biologischen Mitteln. "Erwachsene Krabben haben nun eine größere Wahrscheinlichkeit zu überleben und Eier zu produzieren", sagte Detto.

Wanderung zur Paarungszeit

Die Tiere marschieren zur Regenzeit gemeinschaftlich zur Küste. Dort angekommen, graben die Männchen Höhlen und warten auf Weibchen zur Paarung. Die Weibchen bleiben danach etwa zwei Wochen lang in den Höhlen, bis sie ihre Eier in den Ozean abgeben. Dort schlüpfen die Larven und kehren später als Babykrabben zurück.

Straßensperren zum Schutz der Krabben sind auf der Weihnachtsinsel nicht ungewöhnlich.
Foto: Reuters/Parks Australia

Gefahr drohte lange auch vom Menschen, vor allem von Autos: Früher kamen viele Krabben auf ihrem Weg unter die Räder. Inzwischen wurden entlang der wichtigsten Strecke Straßen geschlossen sowie Unterführungen und Brücken gebaut.

Aus bisher nicht bekannten Gründen kehren zudem seit mehreren Jahren viel mehr Babykrabben aus dem Meer zur Weihnachtsinsel zurück als zuvor. "Es gibt viel, was wir nicht über die Krabben wissen, speziell in ihrem Larvenstadium", sagte Detto. Die Entwicklung sei für die Weihnachtsinsel eine gute Nachricht: "Die roten Krabben sind eine Schlüsselart auf der Insel und prägen das gesamte Ökosystem." (APA, red, 16.1.2021)