Schon 449-mal in seiner zwölfjährigen Geschichte ist Bitcoin von bekannten Wirtschaftsexpertinnen und Kommentatoren für tot erklärt worden. Eine Website im Internet zählt die öffentlichen Nachrufe. In den kommenden Wochen werden mit Sicherheit einige neue hinzukommen, nachdem der Wert der digitalen Münze von 60.000 Euro im Vorjahr auf mittlerweile unter 30.000 Euro abgestürzt ist.

Der Wert der digitalen Münze ist von 60.000 Euro im Vorjahr auf mittlerweile unter 30.000 Euro abgestürzt.
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Der vorangegangene Hype sowie die aktuelle Panik nach der dramatischen Preiskorrektur erinnern stark an die erste große Kryptoblase im Jahr 2017. Der Wert von Bitcoin und anderen digitalen Münzen schoss in wenigen Wochen um hunderte bis tausende Prozent in die Höhe, um ebenso schnell wieder ins Bodenlose abzustürzen. Nicht wenige verkauften ihre in der Euphorie teuer erworbenen Bitcoin, um sie später ähnlich kopflos mit herben Verlusten abzustoßen.

Wer sich schon länger mit der Kryptowelt beschäftigt, weiß, dass man dort nur Geld investieren sollte, auf das man im Alltag nicht angewiesen ist. Die enormen Kursschwankungen setzen voraus, dass man noch vorsichtiger als auf dem Aktienmarkt agiert und das preisgetriebene Risiko einschätzen lernt.

Langer Atem

Vor allem aber benötigt man – entgegen der weitläufigen Meinung – einen langen Atem. Wer etwa auf dem Höhepunkt des 2017er-Hypes bei knapp 17.000 Euro investierte, musste drei Jahre warten, um aus der Verlustzone zu kommen. Trotz des aktuellen Crashs ist ein Bitcoin derzeit immer noch fast das Doppelte von damals wert.

Natürlich kann niemand vorhersagen, ob die auch wegen des hohen Energieverbrauchs in die Kritik geratene größte Kryptowährung der Welt auch in fünf oder zehn Jahren noch eine ähnlich große Rolle spielt. Bei kleineren Kryptowährungen, den sogenannten Altcoins, ist das Risiko noch höher, dass einige der Projekte in der Versenkung verschwinden.

In einem ganz wesentlichen Punkt ist das Jahr 2017 mit 2022 allerdings nicht zu vergleichen. Denn während damals viele der gehypten Kryptoprojekte nicht mehr als nur eine vage Idee oder ein visionäres Versprechen waren, sind heute einige technologisch so ausgereift, dass sie auch von Firmen eingesetzt werden können.

Die dahinterstehende Blockchain-Technologie, ein im besten Fall dezentrales Netzwerk, erlaubt es, Verträge fälschungssicher digital abzuspeichern oder Beträge schnell, kostengünstig und transparent um die ganze Welt zu schicken. Gerade für strukturell benachteiligte Regionen wie etwa in Afrika könnten Kryptotechnologien einen unkomplizierten Anschluss an internationale Finanzflüsse bedeuten, ohne dass das träge und teure Netz von Finanzinstituten und Zwischenhändlern bemüht werden muss.

Das Potenzial rund um das bereits entstandene Ökosystem ist und bleibt riesig. Bitcoin mag deshalb zwar erneut einen seiner vielfach herbeigeschriebenen Tode sterben, der Kryptomarkt wird aber auch diesen aktuellen Crash überleben. (Martin Stepanek, 21.5.2022)