Mit Aktionen wie "Facebook Gaming" und passenden Live-Veranstaltungen versucht man weiter, die junge Zielgruppe an sich zu binden.

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Facebook war zum Start vor fast 20 Jahren fest in den Händen von jüngeren Menschen und Technik-Interessierten. Über die Jahre begannen sich vermehrt auch die Eltern dieser Early Adopter in dem sozialen Netzwerk aufzuhalten, was das Teilen von Jugendsünden und zweifelhaften Memes für viele immer unattraktiver machte. Eine neue Studie des US-amerikanischen Pew Research Center beweist nun diese rasante Abwanderung von der ehemals wichtigsten Social-Media-Plattform.

Plattform der Eltern

Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren nutzen das Internet immer intensiver. Dennoch sind nur noch rund 32 Prozent der Generation Z zumindest gelegentlich auf Facebook. Bei der letzten Erhebung 2014 waren es noch 71 Prozent. Der Content-Schaffende Jules Terpak, der selbst zu dieser Generation zählt, begründet diese Entwicklung gegenüber "Techcrunch" mit der gestiegenen Zahl an relevanten Plattformen.

"Aus Zeitgründen und auch der Vernunft zuliebe müssen Leute Plattformen verlassen, die für sie kaum noch Mehrwert besitzen", sagt Terpak. Es gebe fünf relevante Social-Media-Kanäle, durch die man endlos scrollen könne. Es sei deshalb gesundheitlich wichtig, Prioritäten zu setzen und manche Beziehungen mit einer Plattform zu beenden.

Dass trotzdem noch immer viele Jugendliche gelegentlich auf Facebook vorbeischauen, bezeichnet Terpak als "Verpflichtung" und "gewohntes Verhalten". Die Plattform biete wenige wirkliche Anreize für diese Generation, der Inhalt werde generell als "langweilig, irreführend und negativ" empfunden. Schon 2013 hatten drei Viertel der Jugendlichen negative Gefühle gegenüber Facebook geäußert. Dieser Trend hat bis heute angehalten.

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Die Abwanderung der Jugendlichen war auch ein Teil der Aufdeckungen der Whistleblowerin Frances Haugen im vergangenen Jahr. "Jugendliche sehen Facebook als Plattform der 40- und 50-Jährigen", war in internen Dokumenten von Meta zu lesen. Diese Aussagen werden nun von der Studie gestützt. So nutzten 2021 bereits um 13 Prozent weniger Junge Facebook als noch 2019, in den kommenden zwei Jahren soll dieser Abstieg auf über 45 Prozent anwachsen, lassen die Ergebnisse erwarten.

Hoffnung Instagram

Die ebenfalls unter dem Meta-Dach firmierende Plattform Instagram ist von dieser Jugendflucht gar nicht betroffen, sondern konnte seit der letzten Umfrage 2015 in Sachen Nutzung sogar um 15 Prozent zulegen und liegt mit 62 Prozent nur knapp hinter Tiktok mit 67 Prozent. Unangefochtene Nummer eins bleibt Youtube. 95 Prozent aller Jugendlichen interagieren regelmäßig mit der Videoplattform. Größter Unterschied zu vielen anderen Mitbewerbern ist allerdings, dass es hier weniger um die Interaktion mit Freunden geht, sondern auch viel um passiven Konsum von Videos und Musik.

Einige der 1.316 befragten US-Teenager erklärten, die Plattformen Tiktok (16 Prozent), Snapchat (15 Prozent) und Instagram (10 Prozent) "fast ständig" zu nutzen. Über Facebook sagten das nur zwei Prozent.

Ganz zufrieden sind die Dauernutzerinnen mit ihrem eigenen Verhalten nicht immer. Tatsächlich geben zwei Drittel der Jugendlichen an, sie würden zu viel Zeit mit Social Media verbringen. 54 Prozent geben sogar an, sie könnten Social-Media-Aktivitäten ohne Probleme auch aufgeben. (aam, 12.8.2022)