Dominic Thiem musste sich im zweiten Satz behandeln lassen.

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Thiem vor einer Vorhand.

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Rublew spielte die Partie solide zu Ende.

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Tennisprofi Dominic Thiem ist in Runde eins der Australian Open gegen Andrej Rublew ausgeschieden. Der Niederösterreicher unterlag dem auf Position fünf gesetzten Russen am Dienstag in Melbourne 3:6, 4:6, 2:6 und hat damit zum vierten Mal in Folge bei einem Grand-Slam-Turnier die Auftakthürde nicht genommen. Danach scheiterte auch die Vorarlbergerin Julia Grabher bei ihrem Major-Debüt mit einer 2:6-3:6-Niederlage an der Estin Anett Kontaveit.

Thiem war ab dem zweiten Satz in der linken Rippengegend und in den seitlichen Bauchmuskeln eingeschränkt, nahm beim Stand von 2:3 aus seiner Sicht auch eine Behandlungspause. "Ich habe versucht, den Ball weiter links zu werfen beim Aufschlag – weil die Sonne schlecht gestanden ist", erklärte Thiem, wie es zu der Blessur gekommen war. "Da habe ich es mir ein bisschen gezerrt, und dann habe ich nicht mehr gescheit servieren können – und dann wird es natürlich sehr, sehr schwer gegen einen Gegner wie Rublew."

In der Folge war der 29-jährige Thiem bei den eigenen, meist nicht mit voller Kraft gespielten Servicespielen primär damit beschäftigt, Rückstände aufzuholen beziehungsweise Breaks gegen sich zu verhindern. Das ging gegen die Nummer sechs der Weltrangliste zwangsläufig nicht immer gut und führte nach 2:10 Stunden zur Niederlage. "Der Fitnesspart, der körperliche Part – das muss zu 100 Prozent passen, vor allem bei Grand-Slam-Turnieren", sagte Österreichs Nummer eins. "Das war heute leider nicht der Fall."

Negativserie gegen Rublew

Dabei hatte es für den mit einer Wildcard ausgestatteten Melbourne-Finalisten von 2020 im siebenten Duell mit Rublew recht gut ausgesehen. Thiem spielte in diesem Erstrundenschlager vorerst gut mit, zeigte feine Schläge und Ansätze. Ein starkes Returnspiel Rublews bei 4:3 brachte diesem aber das Break und direkt danach die Satzführung. Es war der neunte Satzverlust Thiems gegen Rublew auf der Tour in Folge, am Ende sollten es elf sein.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs fand Thiem zwei Breakchancen vor, ließ diese aber aus und musste schon vor der Behandlungspause bei eigenem Service ein 0:30 und dann ein 15:40 umdrehen. Thiem verließ dann mit dem Physiotherapeuten den Platz der John Cain Arena und brachte damit fortan zwischenzeitlich Rublew aus dem Rhythmus. Die Geschwindigkeiten der ersten Aufschläge beider Spieler nahmen ab, das Niveau der Partie sank. Der vierte Breakball gegen sich bei 4:4 brachte Thiem aber mit 4:5 in Rückstand, damit war der Satz nicht mehr zu retten.

Im dritten Durchgang schließlich ging es vor recht gut gefüllten Tribünen ziemlich schnell, Breaks zum 2:1 und 4:1 brachten Rublew komfortabel voran. Thiem brachte zum 2:5 doch noch einen Aufschlag durch, danach servierte Rublew aber aus. Er erhöhte damit im Head-to-Head mit Thiem auf der Tour auf 5:2, wobei er die jüngsten Duelle mit dem US-Open-Sieger von 2020 alle gewonnen hat.

Offenes Match macht Mut

Bei Thiem geht es nun vorerst daran, die Verletzung abzuklären. "Ich hoffe, dass es eine nicht zu lange Pause ist – was ich auch glaube", gab der 17-fache Turniersieger Einblick. "Dass ich den Weg weitergehen kann, Davis Cup und die drei Turniere in Südamerika. Es wäre auch ohne Verletzung gegen Rublew schwer gewesen, ich war sicher nicht der Favorit. Deswegen will ich nicht Trübsal blasen und den Weg trotzdem weitergehen."

Denn grundsätzlich sah der Lichtenwörther gute Ansätze in seinem Auftritt: "Ich würde sagen, das Match war am Anfang gut. Es war ein offenes Match. Ein schlechteres Game hat mich dann den ersten Satz gekostet. Im zweiten Satz, speziell zu Beginn, habe ich zwei Breakchancen gehabt. Bei der ersten war ich voll in der Rally drinnen, die muss ich eigentlich machen. Da war ich in einer offensiven Position. Da habe ich das Gefühl gehabt, dass es ein offenes Match ist, dass ich gut dabei bin."

Nächster Einsatz beim Davis Cup

Der nächste Einsatz Thiems wäre am 4./5. Februar im Davis Cup in Rijeka gegen Kroatien. Für danach hat der Weltranglisten-98. ab 13. Februar drei Wochen in Folge Antreten bei den Sandplatzturnieren in Buenos Aires, Rio de Janeiro und Santiago eingeplant. Thiem ist im Frühjahr 2022 nach einer Pause wegen einer Handgelenksverletzung auf die ATP Tour zurückgekehrt. Seinen bisher letzten Major-Match-Sieg hat er bei den Australian Open 2021 in Runde drei gegen Lokalmatador Nick Kyrgios gefeiert.

Trotz der glatten Niederlage resümierte Thiem teilweise auch positiv: "Ich denke schon, dass es ein kleiner Schritt nach vorne war. Ich merke es auch in den Tagen vor dem Turnier, wenn ich gegen die absoluten Topleute trainiere, dass das Tempo, das ich spiele, wieder okay ist. Dass es nicht merkbar langsamer ist, als was die spielen, wieder ein bisschen flüssiger." Im Match sei es dann aber natürlich noch ein bisschen schwieriger. "Da ist noch sehr viel Reserve, sehr viel Potenzial vorhanden."

Rublew war froh, die knifflige Startaufgabe relativ rasch überstanden zu haben. "Es war extrem heiß. Je heißer es ist, desto schwieriger ist es, die richtige Entscheidung zu treffen. Daher bin ich sehr glücklich, dass ich in drei Sätzen durchgekommen bin", sagte Rublew nach der im zweitgrößten Stadion der Anlage gespielten Partie, und er zollte Thiem Respekt. "Als ich gesehen habe, dass ich gegen Dominic spiele, war ich nicht sehr glücklich. Ich wünsche ihm das Beste nach seiner langen Verletzungspause."

Russische Flaggen verbannt

Bei den Australian Open sind ab sofort russische und belarussische Flaggen auch auf den Zuschauerrängen verboten. Der Verband Tennis Australia reagierte damit auf die Aufregung während und nach des Erstrundenmatches zwischen der siegreichen Ukrainerin Kateryna Baindl gegen die Russin Kamilla Rachimowa am Montag, als Fans eine russische Flagge präsentierten. Auch im Thiem-Match gegen Rublew war eine solche zu sehen.

Weil Bilder davon in den sozialen Medien vielfach geteilt und kritisch kommentiert wurden, gaben die Organisatoren ihre ursprüngliche Haltung bezüglich der Nationalflaggen für die Fans auf. Diese waren zunächst auf dem Gelände des Melbourne Parks erlaubt gewesen, so lange sie niemanden stören. (APA, red, 17.1.2023)