Nach dem Stephansdom wird in Wien nun auch die Votivkirche mit einem großflächigen Werbetransparent verhüllt. Ab Freitag wirbt darauf die Wiener Städtische ein Jahr lang für ihre Pflegeversicherung. Auch am Südturm von St. Stephan ist das Versicherungsunternehmen (gemeinsam mit der Erste Bank) mit einem Plakat vertreten. Durch die Werbung soll die Renovierung der Kirchen mitfinanziert werden.

Vor zwei Jahren hatten die Transparente am Stephansdom für Aufregung gesorgt. Die ersten Plakate mussten durch dezentere Exemplare ersetzt werden, bei denen im Hintergrund die Baustruktur und die Gliederung des Domes erkennbar war. Dompfarrer Toni Pfarrer hoffte damals auf Verständnis für die Notwendigkeit der Werbung zur Erhaltung der Kirche.

Keine Premiere für Votivkirche

Die nunmehrige Verhüllung ist für die Votivkirche keine Premiere: Bereits bei der Renovierung des rechten Turmes wurden die Arbeiten von einem Sponsor mit Werbung unterstützt - wenn auch in bescheidenerem Ausmaß. Ihr Engagement sieht die Wiener Städtische nun als "ein weiteres, weithin sichtbares Zeichen zum Erhalt einer der traditionsreichsten Kirchen in Wien", wie am Mittwoch in einer Aussendung betont wurde. Die seit dem Vorjahr forcierte Restaurierung soll insgesamt 20 Jahre dauern und rund 32 Mio. Euro kosten. Beim Fund-Raising hat man sich dabei schon bisher kreativ gezeigt, etwa mit einer limitierten Wein-Serie namens "Versuchung Cuvee".

Die Wiener Votivkirche hat 2004 den 125. Jahrestag ihrer Weihe gefeiert. Das Gebäude des Architekten Heinrich von Ferstel zählt zu den bedeutendsten Bauten des europäischen Historismus. Die Errichtung des Gotteshauses wurde als Dank für die Errettung des jungen Kaisers Franz Joseph vor einem Attentat am 18. Februar 1853 initiiert. Die Idee stammte vom Bruder des Kaisers, Erzherzog Ferdinand Maximilian, dem späteren Kaiser von Mexiko. Der "Ringstraßendom" wurde in einem Architektenwettbewerb "im gotischen Stile" im April 1854 ausgeschrieben. (APA)