Graz - Ahnungslos, während ihr Mann in den Abendstunden des Montags bei einem Schusswechsel mit der Polizei in Linz tödlich verletzt wurde, unterhielt sich Magda Jost-Bleckmann beim Abendempfang des ORF, der dem "steirischen Weltkulturerbe Graz" gewidmet war. Sie wusste ja, ihr Mann, ein Selbständiger in Sachen "Marketing, Consult und Adventure travelling", war öfters unterwegs. In den kleinen Runden, die sich um die junge steirische Landesrätin bildeten, war das längst sichtbare Zukunftsthema der Jost-Bleckmanns Gesprächsthema des Abends: Die Schwangerschaft. Und natürlich die Spekulationen, ob sie nicht doch noch im letzten Augenblick Spitzenkandidatin ihrer Partei für die steirischen Landtagswahl werde. Warum nicht? Schwanger sein, sei ja keine Krankheit, hatte sie gelegentlich gemeint. Dieser Meinung sind auch nicht wenig in ihrer Partei, die sie, die schwangere Politikerin, unbedingt an der Spitze sehen wollte. Für die 31 Jahre, alte aus dem Umkreis der Schöller-Bleckmann-Dynastie stammende Magda Bleckmann ist der dramatische Tod ihres Mannes - die beiden hatte erst im Herbst 1999 geheiratet - der zweite Schlag innerhalb weniger Jahre. Vor vier Jahren starb ihr Bruder an Leukämie. Zu diesem Zeitpunkt war sie gerade zur geschäftsführenden Klubobfrau im steirischen Landtag aufgestiegen. Fünf Jahre Landtagsarbeit hatte sie bis dahin hinter sich gebracht, sie war als knapp über 20-jährige BWL-Absolventin ins Landesparlament gekommen. Ziemlich unbefangen. In den folgenden Lehrjahren mauserte sie sich aber zu einem rhetorischen Talent mit durchaus aggressiven Untertönen. Inhaltlich war und ist sie stets auf Linie. Bisweilen mit rechten Schlenkern, wie zuletzt bei ihrer Aktion gegen das Filmfestival Diagonale, wo sie mit dem Satz "da hat die Freiheit der Kunst ihre Grenze", eine Sonderförderung verhindern wollte. Sehr aktiv war sie als Klubobfrau auch 1998, als ihre Partei gegen den Theaterprovokateur Christoph Schlingensief mobil machte. In letzter Zeit, bescheinigen ihr Politikerkollegen, sei sie wesentlich moderater geworden, konziliant, ja sogar konsenssuchend. Man schrieb es der neuen Generation zu, die in ihr heran wächst. Oder der noch nicht gefundenen Rolle in der Politik. Magda Jost-Bleckmann hat mit dem Avancement Michael Schmids zum Infrastruktur-Minister dessen Position in der Landesregierung übernommen. Die Transformation der jungen frechen Politikerin von der Oppositionsbank zur Regierungsfrau ist ihr noch nicht gelungen. Jetzt, im Nachhinein, wird sie vielleicht auch den Spruch auf der Visitenkarte ihres Mannes anders zu deuten beginnen: "Jede kleine vollendete Tat ist besser als eine große, die man nur plant." (Walter Müller)