Österreichs Markt für Fastfood wiegt mehr als 900 Millionen Euro und legt jährlich kräftig zu. Große Ketten wachsen, Verlierer sind Würstelstände.

Foto: AP/Gene J. Puskar

Am Rezept für einen Rosenburger wird noch getüftelt. Ansonsten ist der Kauf des Raststättenbetreibers Rosenberger durch Burger King in trockenen Tüchern. Bis Mittwoch habe er nicht gewusst, ob der Deal wirklich klappt, erzählt Hartmut Graf, Chef des Masterfranchisenehmers des Burgerbraters, der TQSR. "Es blieb für uns bis wenige Minuten vor der Unterschrift spannend."

Burger King will heuer die ersten zwei Rosenberger-Restaurants auf ein sogenanntes Multibrandkonzept umstellen. Innerhalb von drei Jahren soll die gesamte Kette umgebaut sein. Gespräche mit bekannten Marken laufen, sagt Graf.

Infrage kommen aus Sicht von Marktkennern Partner wie Vapiano, Starbucks und Backwerk, aber auch Konzepte für Eis, Smoothies und veganes Essen. Maximal fünf Labels unter einem Dach hält Graf für realistisch. Was er ausschließt, ist eine Zusammenarbeit mit dem großen Rivalen McDonald's. In einem kleinen Land wie Österreich sei das schlicht kontraproduktiv.

Kein Jobabbau

Einzelne Standorte könnten abgerissen und neu gebaut werden. In Summe will Burger King an der Zahl von 15 festhalten. Auch weiteren Jobabbau hält Graf nicht für nötig. 30 Millionen Euro sollen investiert und alle Schulden beglichen werden. Die tatsächliche Höhe der Quote an die Gläubiger der insolventen Rosenberger-Gruppe steht erst in zwei Wochen fest.

Als Gewinner aus dem Geschäft gehen trotz des bei Rosenberger verlorenen Geldes die Mineralölfirmen und die Asfinag hervor, ist man sich in der Branche einig. Zweitere habe sich zwar gegen Fastfood an der Autobahn lange gewehrt. Verlockend war dann aber doch die Zugkraft der neuen Pächter, an deren Umsätzen sie mitschneidet. Und je mehr Kunden Raststätten anziehen, desto mehr Sprit verkaufen auch die dortigen Tankstellen.

Dass Burger und Pommes im Wettlauf um den schnellen Hunger meist als Sieger hervorgehen, hat seit Jahren Tradition. Satte 930 Millionen Euro setzten Fastfoodketten in Österreich 2018 um, belegt der Branchenreport des Beraters Kreutzer Fischer & Partner. Es ist ein Plus von sechs Prozent. Fast zwei Milliarden Euro wiegt der gesamte Markt für Systemgastronomie, erhob der Marktforscher Regiodata und weist ein ebenso kräftiges jährliches Wachstum aus.

Essen außer Haus

Am starken Aufwind der Systemgastronomie wird sich auch in den kommenden Jahren nichts ändern, ist Regiodata-Chef Wolfgang Richter überzeugt. Zum einen verköstigten sich viele Österreicher zunehmend außer Haus und legten dabei Wert auf bewährte Rezepturen. Zum anderen seien effiziente Betriebstypen, die auf die Sekunde genau definieren, wie lange ein Laberl auf jeder Seite zu braten sei, im Vorteil. Wie im Handel greife auch in der Gastronomie die Filialisierung um sich. Einkauf, Logistik und Marketing ließen sich damit gut bündeln – "welcher Wirt ums Eck kann sich schon Fernsehwerbung leisten?"

36 Prozent des Marktes in Österreich verleibt sich McDonald's mit fast 200 Standorten ein. Dann kommt lange nichts. Alle übrigen Systemgastronomen müssen sich mit fünf Prozent und weniger begnügen, allen voran die Handelsketten Merkur, Spar und Lutz, die mit günstigen Menüs Appetit aufs Einkaufen machen wollen.

Burger King reiht sich mit 50 Filialen und mehr als 100 Millionen Euro Umsatz auf Platz fünf. Der Abstand zu McDonald's, der den Umsatz zuletzt auch durch höhere Preise ausbaute, wie Marktforscher Andras Kreutzer sagt, reduzierte sich, bleibt jedoch markant.

Verlierer seien Würstelstände und Kebabbuden. Ihr Anteil am schnellen Markt sinkt seit Jahren. Während internationale Ketten Menüs ändern und Lockangebote bewerben bleibt ein Käsekrainer eben meist ein Käsekrainer.

Hartes Pflaster

Dass international erfolgreiches Fastfood kein Garant für Erfolg in Österreich ist, ließ sich im Revier von McDonald's, der den Markt als Erster zupflasterte, dennoch vielfach beobachten. 50 Standorte wollte Pizza Hut einst vollmundig aufziehen. Die fünf, die der US-Pizzabäcker letztlich eröffnete, schlossen still und leise wieder. Kentucky Fried Chicken weist nach dem zweiten Anlauf nur eine Handvoll Filialen auf. Auch Subway scheiterte beim ersten Versuch fulminant. Die US-Sandwich-Kette wagte es 2011 erneut und wuchs seither auf mehr als 40 Outlets. Stolze 20 Steakhäuser kündigte Maredo in Österreich an, geworden sind es nicht mehr als zwei. Nach einer Insolvenz abspecken musste Dunkin Donuts.

Schuld waren in erster Linie unerfahrene Franchisenehmer mit wenig Finanzkraft, schlechten Standorten und unausgegorenen Expansionsplänen.

Auch Burger King brauchte in Österreich zwei Anläufe, um Fuß zu fassen. TQSR ist seit vier Jahren Masterfranchisenehmer, seither starteten 17 neue Restaurants. Eigentümer ist über die Theophil-Gruppe der gut vernetzte Wiener Wirtschaftsanwalt Dieter Spranz.

Dank des Rosenberger-Deals ist nun auch ein großes Restaurant in bester Wiener Innenstadtlage mit Blick auf die Albertina in seinem Besitz. Es auf Burger King umzuflaggen ist Graf zufolge derzeit aber ebenso wenig geplant wie ein lukrativer Weiterverkauf. (Verena Kainrath, 1.3.2019)