Der Wirkstoff Glyphosat wurde von der Bayer-Tochter Monsanto entwickelt und unter dem Markennamen Roundup vertrieben.

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Luxemburg – Umweltaktivisten in Europa hatten am Donnerstag wohl Grund zu feiern: Das Europäische Gericht (EuG) entschied, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) Studien zum umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat offenlegen muss. Damit erklärte das Gericht die Entscheidung der Efsa, Einsicht in die Expertisen über die Toxizität und krebserregende Wirkung des Herbizids zu verweigern, für nichtig.

Gegner des Unkrautvernichtungsmittels sehen in dem Urteil einen wichtigen Schritt für mehr Transparenz. So erntete das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erst im Jänner aufgrund einer Glyphosatstudie massive Kritik. Die Behörde soll in dem Risikobericht Passagen wortwörtlich von Monsanto abgeschrieben haben.

Potenziell krebserregend

Solche Unstimmigkeiten können durch das Urteil am Donnerstag wohl leichter aufgedeckt werden. "Das Interesse der Öffentlichkeit am Zugang zu Informationen über Emissionen in die Umwelt besteht gerade darin, nicht nur zu wissen, was in die Umwelt freigesetzt oder absehbar freigesetzt werden wird, sondern auch zu verstehen, in welcher Weise die Umwelt durch die fraglichen Emissionen beeinträchtigt werden kann", hieß es in der Begründung der EuG-Entscheidung.

Das von dem Bayer-Tochterunternehmen Monsanto entwickelte Glyphosat ist eines der am meisten benutzten Herbizide in der EU. Über die Wirkung von Glyphosat auf den Menschen herrscht Uneinigkeit: Das Internationale Krebsforschungszentrum hatte das Herbizid im März 2015 als potenziell krebserregend eingestuft.

Gleichzeitig hatte der Peer-Review der Efsa im November 2015 angegeben, dass Glyphosat für den Menschen wahrscheinlich nicht krebserregend sei. Bayer ist in vielen Staaten wegen der möglicherweise krebserregenden Wirkung mit Klagen konfrontiert. Der Konzern hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und darauf verwiesen, dass Zulassungsbehörden weltweit Glyphosat bei sachgemäßer Anwendung als sicher bewertet haben.

Neben einigen NGOs zeigten sich auch die Grünen im Europäischen Parlament erfreut über das EuG-Urteil: "Wir haben heute einen Riesenerfolg im Kampf um die Gesundheit für Mensch, Umwelt und Artenvielfalt erzielt", sagte EU-Abgeordneter Thomas Waitz. Jetzt-Landwirtschaftssprecher Wolfgang Zinggl wiederum betonte, dass der Gerichtshof klargemacht hätte, dass die Interessen der Öffentlichkeit und Fragen der Gesundheit wichtiger sind als reine Geschäftsinteressen von einzelnen Konzernen. (red, APA, 7.3.2019)