Daumen hoch! Dominic Thiem steigerte sich und zog verdientermaßen ins Viertelfinale der French Open ein.

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Paris – Seine bisher mit Abstand beste Leistung ist zum besten Zeitpunkt gekommen. Dominic Thiem steigerte sich im Achtelfinale der French Open am Montag gewaltig und zog zum vierten Mal en suite ins Paris-Viertelfinale ein. Der als Nummer vier gesetzte Vorjahresfinalist verließ auch im fünften Aufeinandertreffen mit Gael Monfils (FRA-14) den Platz als Sieger, Thiem siegte nach nur 108 Minuten mit 6:4, 6:4, 6:2.

Der Weltranglistenvierte, der damit bereits 415.000 Euro Preisgeld (brutto) sowie 360 Zähler fix hat, trifft nun am Mittwoch auf Karen Chatschanow. Der Russe rang vor Einbruch der Dunkelheit noch den Argentinier Juan Martin del Potro mit 7:5, 6:3, 3:6, 6:3 nieder. Gegen den als Nummer zehn gesetzten Chatschanow hat Thiem im bisher einzigen Duell im Vorjahr im Halbfinale des Hallen-Masters von Paris in zwei Sätzen verloren. Der 23-Jährige steht erstmals in einem Major-Viertelfinale.

Thiem: "Bei weitem mein bestes Spiel im Turnier."
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"Ich wusste, wie gut er spielen kann, er hat ja vorher drei sehr gute Partien gespielt. Das war bei weitem mein bestes Spiel im Turnier", sagte Thiem vor vollem Haus noch auf dem Court. "Ich bin sehr glücklich mit dem Match, es war das bisher mit Abstand beste. Ich habe es schon beim Einschlagen gemerkt", sagte Thiem dann im ORF. "Er hat mir auch geholfen, weil er einen schlechten Start gehabt hat. Satz zwei und drei waren gut und ohne große Schwächephase."

Blitzstart

Thiem hatte den letzten Franzosen im Herren-Einzelbewerb auf dem mit 15.000 Fans gefüllten Center Court immer unter Kontrolle. Nicht zuletzt auch dank der Mithilfe von Monfils zu Beginn. Der Weltranglisten-14. begann ungewöhnlich nervös und gab seinen ersten Aufschlag gleich mit zwei Doppelfehlern zu null ab, daran änderte sich auch danach nicht gleich etwas, und Thiem führte nach nur zwölf Minuten schon mit 4:0. Zwar fing sich Monfils bei 5:1 etwas und nahm Thiem zum einzigen Mal zum 3:5 den Aufschlag ab. Danach servierte Thiem nach 30 Minuten zum 6:4 aus.

Im zweiten Durchgang steigerte sich Monfils auch mit dem Aufschlag, dennoch musste er sein Service zum 4:5 wieder abgeben. Nach 69 Minuten stellte Thiem zu null erneut auf 6:4. Erstmals in diesem Turnier hatte er eine 2:0-Satzführung inne.

Danach legte Thiem noch einen Gang zu, und ein großartiger "Tweener" durch die Beine im Zurücklaufen war nicht nur die Krönung dieses Spiels, sondern wohl auch der bisher beste Schlag im gesamten Turnier. "Es war kein anderer Schlag mehr möglich. Wenn er dann funktioniert, ist die Hölle los. Ich bin froh, dass ich wieder so einen Schlag gespielt habe", sagte Thiem.

Der Kunstschlag war der Ausgangspunkt für das Break zum 2:1, und dann gelang dem Lichtenwörther auch noch ein weiteres zum 5:2. Nach nur 108 Minuten servierte Thiem aus und eliminierte damit auch den letzten Franzosen im Herren-Einzel. Am Ende umarmten sich Thiem und Monfils (Thiem zum Publikum: "Er ist einer der nettesten Kerle auf der Tour").

Gael Monfils fand kein Rezept.
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Thiem sprach erneut ein paar Sätze Französisch zu den Fans. "Ich hoffe, dass ich auf diesem Platz auch am Mittwoch spielen werde. Ich liebe die Leute hier, die Unterstützung, die ihr mir gebt, ist wunderbar."

Thiem durfte hernach im großen Interview-Raum in Roland Garros in aller Ausführlichkeit Rede und Antwort stehen. Natürlich wurde der Zwischenfall vom Samstag nochmals von den internationalen Medien zur Sprache gebracht. Auch seine Kritik an Serena Williams, die er gegenüber Eurosport als "schlechte Persönlichkeit" bezeichnet hatte, wurde thematisiert.

Schwamm über PK-Kuriosum

Thiem relativierte das etwas. "Ich weiß nicht, ob es ihr Fehler war oder nur der Fehler der Offiziellen. Ich weiß auch nicht, ob sie mich gesehen hat oder dass jemand im Raum ist", erklärte Thiem. "Wenn sie mich gesehen hat, wäre es netter gewesen zu warten. Aber das ist jetzt vergessen. Es war eine eigenartige Sache, die in den Sozialen Netzwerken eine große Runde gemacht hat, aber ich lege da keine Aufmerksamkeit mehr darauf."

Das Wichtigste für ihn war verständlicherweise seine sichtbare Leistungssteigerung: "Heute waren meine Schläge viel besser als in den ersten Runden", meinte der 25-Jährige und fügt hinzu: "wenn ich so spiele wie in den ersten zwei Runden, dann spielt er mich eiskalt weg."

Thiem blickt auf die weitere Turnierwoche mit einer Mischung aus Demut und Angriffslust. "Ein Viertelfinale ist alles andere als selbstverständlich. Ich bin sehr glücklich darüber, aber gleichzeitig werde ich alles dafür machen, dass ich auch das Viertelfinale gewinne."

Fünftes Major-Viertelfinale

Der 13-fache Turniersieger steht nun zum insgesamt fünften Mal bei einem Major in der Runde der letzten acht. In Sachen Viertelfinali in Roland Garros hat er nun Österreichs bisher einzigen Grand-Slam-Sieger überholt. Thomas Muster, French-Open-Champion 1995, hatte im Westen von Paris "nur" dreimal das Viertelfinale erreicht. (APA, red, 3.6.2019)