Thiem freut sich über eine souveräne Vorstellung.

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Die Erfolgsbilanz der ÖTV-Herren bei den Grand-Slam-Turnieren.

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Dem Russen Karen Chatschanow blieb nur die Verzweiflung.

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Thiem hatte den Ball gut am Schläger und im Gesichtsfeld.

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Paris – Es war eine bärenstarke Vorstellung von Dominic Thiem im Viertelfinale der French Open auf dem Court Suzanne Lenglen. Der als Nummer vier gesetzte Österreicher hatte am Donnerstagnachmittag mit dem 1,98 Meter großen Karen Chatschanow Spaß im Sandkasten, in manchen Szenen erregte der 23-jährige Russe fast Mitleid. Thiems Dominanz war gespenstisch, er packte wunderbares, variantenreiches Tennis aus, eine Mischung aus Wucht, Eleganz und Spielwitz. Chatschanow beging speziell im ersten Satz viele unerzwungene Fehler, es waren 16. Nach 1:47 Stunden stand das 6:2, 6:4, 6:2 für Thiem fest, der letzte Schlag war ein Service-Winner. In Punkten ging es 91:66 aus, das sind nicht nur im Tennis Welten.

Der Sieger sagte: "Es war ein sehr gutes Spiel von mir, ich hatte immer die Kontrolle, machte überhaupt keine Blödheiten. Es ist ein Traum. Ich spüre keine Anzeichen von Müdigkeit." Der 25-Jährige steht zum vierten Mal hintereinander im Halbfinale von Paris, er muss nun hellwach bleiben, denn der Gegner am Freitag ist Novak Djokovic (2. Spiel nach 12.50 Uhr). Der Weltranglistenerste verabschiedete den Deutschen Alexander Zverev (7:5, 6:2, 6:2), im Vergleich mit Thiem führt der Serbe 6:2. Djokovic hat im laufenden Turnier noch keinen Satz abgegeben (15:0). Thiem: "Seine Form ist unfassbar."

Thiem nie in Gefahr

Das Match war vor nicht ganz 10.000 Zuschauern wie schon im Achtelfinale gegen Gael Monfils von Beginn weg für Thiem gelaufen. Sein erstmals in einem Grand-Slam-Viertelfinale stehender Kontrahent, der nach Paris erstmals in die Top Ten vorstoßen wird, musste schon im dritten Game erstmals seinen Aufschlag geben. Zum 5:2 gelang Thiem das zweite Break, und nach 33 Minuten war Satz eins vorbei. Im zweiten Durchgang benötigte Thiem etwas länger, aber zum 5:4 gelang ihm das satzentscheidende Break, und mit dem dritten Satzball stellte er die 2:0-Satzführung her.

Thiem musste im ganzen Match keinen Breakball abwehren, so auch nicht im dritten Satz. Breaks zum 3:2 und 5:2 besiegelten den Aufstieg Thiems, der 29 Winner bei nur zwölf unerzwungenen Fehlern beging. Chatschanow bilanzierte hingegen mit 5:19 in dieser Wertung und war an diesem Tag zu fehlerhaft, um Thiem in Gefahr zu bringen. Thiem hat damit 590.000 Euro Preisgeld sowie 720 ATP-Punkte sicher. Er könnte am Freitag der erste Österreicher werden, der zum zweiten Mal in ein Major-Einzel-Finale einzieht. Auch Coach Nicolas Massu war glücklich. "Unglaublich souverän und solide, eine meisterhafte Leistung. Das Semifinale ist sehr verdient", konstatierte der Chilene.

39. Duell Federer vs. Nadal

Auch das andere Halbfinale ist ein Hit. Es gibt keinen Grund für Roger Federer, sich Sorgen zu machen. Nein. Er hat einen Lauf, seit Herbst 2015 ist seine Bilanz gegen Rafael Nadal makellos: fünf Duelle, fünf Siege. Der Schweizer verspürt außerdem keinen Druck, versichert er, denn: Mit dem Erreichen des Halbfinales bei den French Open in Roland Garros, wo er, so der Wettergott dies zulässt (Regen ist angesagt), am Freitag um 12.50 Uhr zum 39. Mal auf seinen spanischen Rivalen trifft, "habe ich meine Erwartungen bereits übertroffen".

Es gibt freilich auch für Nadal keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Nein. Er hat einen Lauf. Auf Sand verlor er gegen Federer zuletzt 2011 in Madrid, und seine Bilanz gegen ihn in Roland Garros ist makellos: fünf Duelle, fünf Siege. Erst 2005 im Halbfinale, danach 2006, 2007, 2008 und 2011 jeweils im Finale. "Ich bin happy, gegen Rafa zu spielen", betont Federer dennoch: "Wenn du auf Sand etwas erreichen willst, dann ist es unvermeidlich, dass du an irgendeinem Punkt an ihm vorbeimusst." Die Frage ist nur: Wie will Federer (37) an Nadal (33) vorbeikommen? "Es gibt immer eine Chance", sagt der Grand-Slam-Rekordsieger (20), jedes Match muss erst gespielt werden, bevor es entschieden ist." Mit dieser Einstellung werde er dieses Match angehen. Jeder wisse, "dass es hart werden wird" gegen Nadal, "aber man weiß ja nie".

Unter normalen Umständen dürfte Federer in diesem Klassiker wenig bis keine Chancen haben: Nadal hat von 15 Begegnungen gegen Federer auf Sand 13 gewonnen, das kommt nicht von ungefähr. "Diese Siege", sagt der Spanier, mit elf Titeln ohnehin der König von Roland Garros, "bedeuten schon etwas". Federer kennt die Statistiken, aber er sagt eben auch: "Wenn ich Rafa aus dem Weg hätte gehen wollen, hätte ich gar nicht hier spielen sollen." Nun stehe er im Halbfinale – auch wegen Nadal. Insgesamt liegt Federer in den Duellen 15:23 zurück. "In diesem Leben hole ich das nicht mehr auf." (red, APA, 6.6.2019)