Verkehrsexperten warnen bereits seit Tagen vor dem Ferienbeginn: Sie befürchten massive Einschränkungen durch starken Reiseverkehr. Man kann nur hoffen, dass es nicht ganz so schlimm kommt wie am 2. August 2008. Damals gab es mit 40 Kilometern den bisher längsten Stau vor dem Tauerntunnel in Richtung Süden. Bereits ab Mitternacht wurde der Verkehr blockweise abgefertigt – die Anfahrtszeit betrug bis zu sechs Stunden. Das sollte jetzt nicht mehr passieren: Seit Sommer 2011 ist der Tauerntunnel durch zwei Tunnelröhren befahrbar.

Auch nicht von schlechten Eltern: der Stau vor dem Tauerntunnel am 11. Juni 2011 war 25 Kilometer lang.
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Noch ein Schäuferl draufgelegt hat staumäßig der 30. Juli 2011, als es vor dem Oswaldibergtunnel, der Nordumfahrung von Villach, auf einer Länge von 60 Kilometern staute. Der Grund: Nach Fertigstellung der zweiten Röhre des Tauerntunnels und dem Ende der Blockabfertigung kamen nun viel mehr Autos in kürzerer Zeit in den Süden. Der Knoten Villach mit nur einer Abbiegespur in Richtung Italien beziehungsweise Slowenien war dem großen Verkehrsaufkommen nicht gewachsen.

Aber so schlimm kann's gar nicht kommen, zumindest verglichen mit diesen historischen Beispielen aus aller Welt.

Japan

So sorgte die Kombination aus Reiseverkehr und einer Taifun-Warnung am 12. August 1990 für den totalen Stillstand auf der Autobahn zwischen Hyogo und Shiga in Japan. 15.000 Autos stauten sich hier auf einer Länge von 135 Kilometern.

Stau vor einer Mautstelle in Kanetsu nahe Tokio.
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Brasilien

In São Paulo sind die Bewohner einiges gewohnt. Dort gehört der Stau zum täglichen Übel. Aber so arg wie am 10. Juni 2009 war es auch noch nie: Eine Reihe von Staus summierte sich in der brasilianischen Stadt auf eine Gesamtlänge von rund 300 Kilometern. Nur am ersten Tag der Fußball-WM 2014 soll es sogar einen Stau mit 350 Kilometern Gesamtlänge gegeben haben.

Durch Frost kommt es immer wieder einmal zum Verkehrsstillstand in Russland – so wie hier 2014 in Stawropol.
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Russland

Der November 2012 dürfte in Russland noch heute im kollektiven Gedächtnis geblieben sein. Ganze drei Tage lang mussten Autofahrer auf der durch Frost blockierten Autobahn zwischen St. Petersburg und Moskau neben der Strecke in Notzelten ausharren.

Frankreich

Dieser Stau steht sogar im Guinness-Buch der Rekorde: Im Februar 1980 gab es im Rückreiseverkehr aus dem Winterurlaub zwischen Paris und Lyon den bisher längsten zusammenhängenden Stau auf einer Einzelstrecke. Über die komplette Strecke von 176 Kilometern ging nichts mehr.

Chicago wird des Öfteren von Schneestürmen heimgesucht.
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USA

Die Flucht vor einem Hurrikan bescherte der texanischen Stadt Houston am 21. September 2005 einen Megastau. Der Verkehr auf der Interstate 45 in Richtung Dallas brach daraufhin auf einer Länge von 160 Kilometern zusammen. Es dauerte 48 Stunden, bis sich der Stau auflöste.

Kaum jemand denkt beim legendären Musikfestival Woodstock von 1969 an Stau. Rund 500.000 Besucher verursachten einen drei Tage dauernden Stau auf einer Länge von 35 Kilometern. Als sie merkten, dass sie nicht mehr rechtzeitig zum Konzert kommen würden, ließen viele Fahrer ihr Auto im Stau stehen – und kamen erst drei Tage später wieder.

Im Februar 2011 tobte in Chicago ein heftiger Schneesturm, der den Feierabendverkehr erheblich störte. Zwölf Stunden lang stand der Verkehr in der Metropole still.

Mit der Wende kam der Stau: Eine Kolonne von Trabis an der deutsch-tschechoslowakischen Grenze, aufgenommen am 5. November 1989.
Foto: APA/dpa/Claus Felix

Deutschland

In Deutschland sorgte die innerdeutsche Grenzöffnung nach der Wende für erhöhte deutsch-deutsche Mobilität. 18 Millionen Autos sollen am 12. April 1990 auf den Ost-West-Verbindungen unterwegs gewesen sein – eine Zahl, die es sogar ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft hat. Denn sonst wurden dort gerade einmal 500.000 Autos gezählt.

China

Apropos zwölf: Die Hitparade der schlimmsten Staus aller Zeiten führt nach wie vor China an. Denn in Peking steckten Autofahrer auf einer Strecke von 100 Kilometern ganze zwölf Tage auf der Autobahn zwischen der chinesischen Hauptstadt und Tibet fest. Der Stau wurde weder durch eine Naturkatastrophe noch durch eine Massenkollision verursacht. Es gab einfach nur hohes Verkehrsaufkommen. Schwere Sattelschlepper waren auf dem Weg in die Hauptstadt, um Material anzuliefern, ironischerweise für Straßenbauarbeiten. (red, 27.6.2019)

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