Ein Maturant hat mit seiner Schule in einer Rede abgerechnet. Längst hat sich auch die Bildungsdirektion eingeschaltet.

Foto: Getty Images

Wels – Die Maturarede von Tomas Neuner hatte es in sich. Er sprach darin von unmotivierten Lehrern, deren Engagement "Richtung null geht", von einem Schulklima, das "in Richtung Eiszeit abdriftet", von Schülern, die "fast zu vierzigst in viel zu kleine, unklimatisierte Klassen gepfercht werden". Außerdem stellte der Maturant einen Zusammenhang zwischen dem Schulalltag und Suiziden im Schulumfeld her.

"Pietätlos"

In der HTL ist die Aufregung groß. Direktor Bertram Geigl schreibt auf der Schulwebsite: "Ich verwahre mich gegen diese Art der pauschalen Verurteilung." Er empfinde die Rede Neuners als "pietätlos" und "stark übertrieben". Für den STANDARD war der Direktor vorerst nicht erreichbar. In der Schule wird auf die Bildungsdirektion des Landes Oberösterreich verwiesen.

Deren Leiter, Alfred Klampfer, hat sich bereits darangemacht "herauszufinden, was sich von den Vorwürfen als berechtigt und was sich als unberechtigt erweist". Dafür habe er bereits ein Gespräch mit dem Direktor geführt, den Maturanten Neuner hat man vorerst nicht für eine Stellungnahme erreicht. Vom STANDARD kontaktiert, erklärt Neuner, er habe seine Kritik "so wahrheitsgetreu wie möglich formuliert", und er bereue kein Detail seiner Rede. Sollte er eine Einladung zum Gespräch erhalten, werde er dieser nachkommen.

Klampfer weist darauf hin, dass die Rede des kritischen Schülers nur eine von zwölf Maturaansprachen gewesen sei. Für Gespräche mit anderen Schülerinnen und Schülern, die sich durchwegs positiv über die Bildungseinrichtung geäußert hätten, sieht Klampfer "keinen Bedarf". Dafür will er auch mit Geigls Vorgänger, der bis Ende des vergangenen Schuljahres noch im Amt war, sprechen.

Außerdem verweist der Bildungsdirektor auf eine Umfrage, in deren Rahmen an der HTL gerade routinemäßig Rückmeldungen zu Klassen- und Schulklima gesammelt werden. Die Daten werden allerdings von der Schule selbst ausgewertet, auch an eine Veröffentlichung der anonymisierten Rückmeldungen wird derzeit nicht gedacht. Aber die Daten würden "sehr genau angeschaut", sagt Klampfer. Für September sei dann gemeinsam mit der Schulaufsicht eine Klausur geplant, bei der das weitere Vorgehen besprochen wird.

Nicht zuständig

Seitens der Stadt Wels sieht man sich in der Causa HTL als Beobachter. "Es gibt für uns hier keinen Zuständigkeitsstrang", sagt Bürgermeister Andreas Rabl (FPÖ). Die Stadt sei ja nicht der Schulbetreiber. "Solange nichts an uns herangetragen wird, werden wir uns auch nicht einmischen", sagt Rabl. (Peter Mayr, Karin Riss, 27.6.2019)