Die "Stena Impero" (Baujahr 2018) auf einem Archivbild vom 5. Mai.

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Die "Mesdar" durfte nach kurzem Stopp ihre Fahrt fortsetzen.

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Gudrun Harrer erklärt: Die Straße von Hormus

DER STANDARD

Teheran – Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) haben nach eigenen Angaben der unter britischer Flagge fahrenden Öltanker "Stena Impero" in der Straße von Hormus gestoppt. Der Tanker habe internationale Vorschriften nicht beachtet, seinen Transponder ausgeschaltet und nicht auf Warnungen reagiert, hieß es auf dem Internetportal der Revolutionsgarden.

Das Schiff gehört der schwedischen Firma "Stena Bulk". Das Unternehmen bestätigte den Zwischenfall und teilte mit, dass sich mehrere unbekannte kleinere Boote und ein Hubschrauber der "Stena Impero" genähert hatten, als sich das Schiff in internationalen Gewässern befunden habe. In London trat am späten Abend ein Dringlichkeitskomitee der Regierung zur Beratung zusammen.

Zweiter Tanker ändert Kurs

Am späten Abend nahm ein zweites britisches Tankschiff, die unter de Flagge Liberias fahrende "Mesdar", überraschend Kurs auf die iranische Küste. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim durfte das Schiff aber weiterfahren, nachdem die Besatzung auf Sicherheits- und Umweltbestimmungen hingewiesen wurde. Ziel des Tankers der britischen Norbulk Shipping UK ist der saudi-arabische Hafen Ras Tanura.

Die "Mesdar" fährt wieder nach Süden.

Nach iranischen Angaben wurde die "Stena Impero" zum Hafen Bandar Abbas eskortiert, um dort Inspektionen durchzuführen. Der Tanker sei ohne Transponder in den südlichen Teil der Straße von Hormus, der nur für den Ausgang der Schiffe vorgesehen ist, eingefahren und habe damit eine Kollision mit anderen Schiffen riskiert. Außerdem habe der Tanker umweltschädigende Materialien ins Meer abgelassen, berichtet die iranische Nachrichtenagentur Tasnim.

Kontakt abgebrochen

Das Unternehmen habe derzeit keinen Kontakt zur Besatzung der "Stena Impero". An Bord befinden sich nach Unternehmensangaben 23 Crew-Mitglieder. Es gebe keine Nachrichten über Verletzte. Man stehe in engem Kontakt zu den britischen Behörden. Das Schiff fahre inzwischen nach Norden in Richtung Iran.

Großbritannien zeigt sich zunehmend besorgt über die Lage. Außenminister Jeremy Hunt erklärte am Abend, das Stoppen der Schiffe sei inakzeptabel. Er rief zur freien Durchfahrt in der Straße von Hormuz auf. Er werde jedenfalls in Kürze den nationalen Sicherheitsrat zusammenrufen, um rasch die Freilassung der beiden Tanker sicherzustellen.

USA eskortieren Handelsschiff

Ein US-amerikanisches Handelsschiff, das derzeit die Straße von Hormus durchfährt, wird laut CNN von Kampfflugzeugen begleitet, um eine sichere Passage zu garantieren.

"Uns sind Berichte bekannt, wonach iranische Kräfte einen britischen Öltanker beschlagnahmt haben", erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus, Garrett Marquis.

"Das ist das zweite Mal in etwas mehr als einer Woche, dass das Vereinigte Königreich Ziel eskalierender Gewalt durch das iranische Regime ist." Die USA würden weiterhin mit ihren Verbündeten zusammenarbeiten, "um unsere Sicherheit und Interessen gegen das bösartige Verhalten des Iran zu verteidigen", fügte er hinzu.

Sabotageakte an Öltankern

Im Persischen Golf nahmen zuletzt die Spannungen deutlich zu. In den vergangenen Wochen hatte es mehrere Sabotageakte an Öltankern gegeben. Die USA werfen dem Iran vor, hinter den Zwischenfällen zu stecken.

Unter dem Vorwurf illegaler Öllieferungen an Syrien liegt seit Anfang des Monats in Gibraltar ein Supertanker an der Kette. Die Öllieferung aus dem Iran soll gegen EU-Sanktionen gegen Syrien verstoßen.

Der Iran protestierte gegen die Beschlagnahme, bestellte mehrmals den britischen Botschafter ein und forderte, das Schiff sofort weiterfahren zu lassen. Am Dienstag drohte der oberste iranische Führer London mit Konsequenzen. (red, APA, dpa, 19.7.2019)