Während Sparschweine und Nullzinsen leiden, profitieren die Staaten.

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Wien – Die US-Notenbank Fed wird wegen zunehmender Sorge um die Konjunktur am Mittwoch wohl die erste Zinssenkung seit einem Jahrzehnt vornehmen. Die Europäische Zentralbank (EZB) denkt neben Nullzinspolitik an, ihr Anleihenkaufprogramm wiederaufzunehmen.

Von März 2015 bis Ende 2018 kaufte die EZB Anleihen für 2.650 Milliarden Euro auf. Zunächst nur von Staaten, später auch von Unternehmen. Der Sinn war, dass das dadurch in Umlauf kommende Geld der Wirtschaft hilft, sich günstig zu finanzieren. Die Kauf-Aktion hatte aber vor allem den Vorteil, dass sich Staaten günstiger verschulden können, denn das Zinsniveau der Anleihen wurde nach unten gedrückt.

Negativzinsen

Teilweise wurden Anleihen von gut gerateten Ländern auch zu Negativzinsen angebracht. Für die Staaten ist das – vor allem in Zeiten von Krisen – ein Vorteil, weil sie in Summe ihren Anlegern weniger Zinsen auszahlen müssen. Somit werden die Staatsausgaben geschont.

Die Zinsbelastung, die Staaten im Zuge ihres Schuldendienstes zu begleichen haben, ist damit gesunken. In Österreich liegt der Kupon im Schnitt bei rund 2,5 Prozent – im Vergleich zum Höchstwert hat er sich damit halbiert. Den tiefsten Durchschnittskupon weist Deutschland mit 1,8 Prozent aus. Das geht aus einer Länder-Analyse der Security KAG hervor. Kein Wunder also, dass sich die Staaten aufgrund des günstigen Zinsniveaus langfristig verschulden. Österreich hat eine 100-jährige Anleihe emittiert. Der Kupon beträgt 2,1 Prozent, aktuell liegt die Rendite bei 1,05 Prozent.

Hohe Ersparnis

Viele Länder haben durch diese Situation in den vergangenen Jahren gar beträchtliche Refinanzierungsgewinne einfahren können. Diese entstehen, wenn alte (höher verzinste) Anleihen auslaufen und neue mit geringer Verzinsung ausgegeben werden. Deutschland und Frankreich zählen laut dem Ländervergleich mit rund 22 Milliarden Euro Zinsersparnis (zwischen 2008 bis 2018) zu den absoluten Refinanzierungsgewinnern. Mit 2,1 Milliarden Euro weist Österreich den fünfthöchsten Gewinn auf. Bis auf Griechenland konnten alle Länder innerhalb der vergangenen zehn Jahre einen Refinanzierungsgewinn erwirtschaften. Dieses Geld wird den Staaten fehlen, wenn an der Zinsschraube gedreht wird. Irgendwann wird die Nullzinspolitik der EZB enden, auch wenn das Datum Schritt für Schritt nach hinten verschoben wird.

Dann wird sich laut Josef Obergantschig, Chief Investment Officer der Security KAG, zeigen, welche Risiken die Länder in ihren Portfolios aufgebaut haben. Vor allem in Deutschland läuft in naher Zukunft ein Großteil der Niedrigzins-Emissionen aus (jene mit weniger als 0,5 Prozent Verzinsung). Müssen sich die Staaten später um nur ein Prozent höher finanzieren, weist Deutschland das größte Refinanzierungsrisiko auf. Die Staatsfinanzen würden um rund 2,5 Milliarden Euro pro Jahr mehr belastet werden. Österreich wäre davon nur wenig betroffen, weil die Laufzeiten der Anleihen besser strukturiert sind. (Bettina Pfluger, 31.7.2019)