Der nordmazedonische Ministerpräsident Zoran Zaev schüttelt die Hand von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

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Bojan Jovanovski droht aus dem Gefängnis heraus, mit Insiderwissen die sozialdemokratische Regierung in Nordmazedonien zu Fall zu bringen. Mit den Sozialdemokraten ist der Besitzer eines TV-Senders, der verdächtigt wird, die Justiz bestochen zu haben, jedenfalls bestens vernetzt. Jovanovski, der "Boki 13" genannt wird, ist eine jener flamboyanten Personen, die durch ihren Glamour und ihre Inszenierungen andere Menschen offenbar so manipulieren können, dass niemand mehr genau hinschaut. Dabei war nie klar, wie der Modejunkie, der gerne goldfarbene Schuhe trägt, überhaupt so reich werden konnte.

Boki 13 unterhält zurzeit den gesamten Balkan. Dabei geht es eigentlich um eine sehr ernste Sache. Die Glaubwürdigkeit der Sonderstaatsanwaltschaft, die 2015 mithilfe der EU geschaffen wurde, um wieder Rechtsstaatlichkeit in den Sumpf aus Amtsmissbrauch und Korruption zu bringen, ist schwer angeschlagen. In Brüssel ist man ernsthaft besorgt, denn im September sollen die EU-Staaten darüber entscheiden, ob Nordmazedonien endlich mit den Beitrittsverhandlungen beginnen kann.

Wenn die Regierung es bis dahin nicht schafft, den Anschein der Verbindung zu Kriminellen loszuwerden, dann wird sie die Affäre nicht überleben – und die EU-Verhandlungen sind gefährdet. Wirklich schlimm ist aber, dass mit der Affäre die Hoffnung, die bisher vom Modellland Nordmazedonien für den Balkan ausging, zerstört wird. (Adelheid Wölfl, 19.8.2019)