Riad – Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition, die im Jemen gegen die Huthi-Miliz kämpft, hat am Montag den Iran de facto für die verheerenden Drohnenangriffe auf saudische Ölanlagen vom Wochenende verantwortlich gemacht. Aus den Untersuchungen des Bündnisses, dem auch die USA angehören, gehe hervor, dass iranische Waffen zum Einsatz gekommen seien, sagte dessen Sprecher Turki al-Malki bei einer Pressekonferenz. Eine Beteiligung der Huthis, die vom Iran unterstützt werden und sich zur Attacke bekannt hatten, sei hingegen nicht belegbar. Ähnliches war zuvor schon aus den USA verlautet. Schon am Wochenende hatte Außenminister Mike Pompeo den Iran verantwortlich gemacht.

US-Präsident Donald Trump hingegen deutete eine Schuld Teherans am Montag via Twitter nur an. Er drohte aber mit militärischen Konsequenzen, sobald "die saudischen Nachforschungen" eine Täterschaft belegen könnten – was nach den Äußerungen aus Riad nun der Fall sein könnte. Die Militärkapazitäten der USA stünden bereit, "wir warten mit geladener Waffe", sagte er später.

DER STANDARD

Mehr als die Hälfte der Ölproduktion Saudi-Arabiens war am Montag nach dem Angriff auf zentrale Ölanlagen noch immer lahmgelegt. Bei Drohnenattacken auf Produktionsstätten des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Abkaik und Khurais im Osten des Landes wurden am Samstag Einrichtungen mit einer täglichen Förderkapazität von 5,7 Millionen Barrel Rohöl zerstört – fünf Prozent der weltweiten Nachfrage.

Die brennenden Ölanlagen auf Satellitenbildern der Nasa.
Foto: APA / AFP / Nasa

Brancheninsider rechnen mit Wochen, bis sich die Produktion normalisiert. Die in Brand geschossenen Ölanlagen erleuchteten in der Nacht zum Sonntag weithin den Himmel, dichte Rauchschwaden breiteten sich kilometerweit aus, wie auf Satellitenbildern zu sehen war.

"Nicht aus dem Jemen"

Hochrangige US-Vertreter versuchten vor Medien am Montag ihre Beschuldigung des Iran mit Satellitenbildern zu belegen. Das Ausmaß und die Präzision der Drohnenangriffe auf saudi-arabische Ölfabriken würden zeigen, dass sie von Westen nach Nordwesten und nicht von Jemen aus nach Süden abgefeuert wurden, teilten hochrangige US-Regierungsbeamte am Sonntag mit und verwiesen auf Satellitenbilder. Sie hätten zusätzliche Beweise, die sie in den nächsten Tagen veröffentlichen würden.

Die USA veröffentlichten Satellitenbilder, die eine Täterschaft des Iran nahelegen sollen.
Foto: Reuters / US gov

Das iranische Außenministerium wiederum wies die Beschuldigungen als "unsinnig und unhaltbar" zurück. Ministeriumssprecher Abbas Musawi erklärte, Washington sei auf eine Politik der "maximalen Lügen" umgestiegen, weil die "Politik des maximalen Drucks" gescheitert sei. Musawi vermutete, die USA würden mit den Schuldzuweisungen "ganz andere Ziele" verfolgen.

Die Preise für Öl waren am Montag in den ersten Handelsminuten um bis zu 20 Prozent gestiegen, bevor sie sich kurz danach wieder etwas beruhigten. Der Preis für ein Barrel wurde auf den höchsten Stand seit sechs Monaten getrieben. Trump verkündete via Twitter, dass er angeordnet habe, Ölmengen "in noch zu bestimmender Menge" freizugeben, um die Märkte versorgt zu halten. Kurz danach schrieb er "reichlich Öl!". Bisher wurden die US-Ölreserven von hunderten Millionen Barrel Rohöl nur dreimal angezapft, zuletzt im Jahr 2011 inmitten der Unruhen in Libyen. (vos, mesc, APA, 16.9.2019)