Zwei Männer haben eine Woche vor Bekanntwerden des Ibiza-Videos auf Neuwahlen gesetzt.

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Wien – Zwei Männer haben eine Woche vor Bekanntwerden des Ibiza-Videos bei dem Wettanbieter bet-at-home insgesamt 1.150 Euro darauf gesetzt, dass es vorgezogene Neuwahlen geben wird, berichtete das Ö1-"Morgenjournal" am Samstag. Fünf Tage davor sei dem Wettanbieter der Einsatz der beiden verdächtig vorgekommen, und es wurde Anzeige erstattet. Die Sonderkommission Ibiza nahm Ermittlungen auf, Hausdurchsuchungen waren die Folge, diese ergaben allerdings nichts.

Bet-at-home hatte die beiden offensichtlich verdächtigt, Insiderwissen über Neuwahlen zu haben, und sie deshalb wegen Betrugs angezeigt. Laut Ö1 ließ der Wettanbieter auch ein Dossier anlegen, in dem Facebook- und Instagram-Verbindungen der Betroffenen dargestellt wurden. Daraus lasse sich ein Kontakt zwischen einem der Männer und der SPÖ ablesen. "Einer der beiden ist SPÖ nahe. Der Zweitbeschuldigte ist allerdings ÖVP-Mitglied", sagt Michael Jobst, der Anwalt der beiden.

Die Tageszeitung "Österreich" berichtete, dass eine "Spur" zur SPÖ-Gruppe "Sektion ohne Namen" führe. Einer der Gründer dieser Gruppe, der 2017 an wählbarer Stelle bei der Nationalratswahl kandidiert hatte, sei im Zuge der Causa auch einvernommen worden. Dieser bestätigt auf Anfrage der APA seine Einvernahme, betont aber, dass er lediglich als Zeuge geladen und der einzige Konnex die Mitgliedschaft eines der beiden Männer bei der "Sektion ohne Namen" gewesen sei.

Hausdurchsuchungen ergaben nichts

Nach der Anzeige wurden die beiden von der Staatsanwaltschaft und der Soko Ibiza observiert, im August kam es zu Hausdurchsuchungen in deren Wohnungen und am Arbeitsplatz. Der Betrugsverdacht habe sich allerdings nicht bestätigen lassen, so das "Morgenjournal".

Mit dem Ibiza-Video hätten die beiden nichts zu tun, sagt Jobst: "Es war nicht so, dass sie nach irgendeiner Wette gesucht haben. Sie haben das gesehen und kamen zum Entschluss, dass es zumindest in den kommenden drei Jahren Neuwahlen geben wird."

Die zwei Männer haben nicht alles auf Neuwahlen im Jahr 2019 gesetzt, sondern den Einsatz verteilt auf Neuwahlen in den Jahren 2019, 2020 und 2021. "Bei einer Quote von 1:20, war das, glaube ich, am Anfang, ist es halt verlockend. Da kann man schon mal einen schönen Gewinn herausholen", sagt Jobst.

Ermittlungen gehen weiter

Laut Ö1 haben die beiden wohl auch einen guten Gewinn gemacht. Bet-at-home dürfte die Wette nach dem hohen Einsatz des ersten Wieners offline genommen haben. Der zweite soll dann per E-Mail darauf gedrängt haben, dass er auch noch wetten kann.

Der Anwalt hat nun beim Oberlandesgericht eine Beschwerde gegen die aus seiner Sicht überzogenen Hausdurchsuchungen eingebracht. Die Ermittlungen laufen weiter und sind vorerst nicht eingestellt. (jop, 5.10.2019)